Pressemitteilung
08.05.2026
Nr. 62
Gerlach treibt Vorbereitung des Gesundheitssystems auf Krisenfälle weiter voran – Dritte Sitzung des Expertenrats Gesundheitssicherheit in München
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach treibt die Vorbereitung des Gesundheitssystems auf mögliche Krisenfälle voran. Die Ministerin betonte am Freitag anlässlich der dritten Sitzung des Expertenrats Gesundheitssicherheit in München: „Wir kommen im bayerischen Expertenrat mit unserem Ziel gut voran, das bayerische Gesundheitssystem mit Blick auf die vielen Herausforderungen der Gesundheitssicherheit noch krisenfester zu machen. Das gilt für verschiedenste Bedrohungen wie Pandemien, Cyberangriffe, Sabotageakte oder militärische Konflikte.“ Der Fokus der dritten Sitzung des Expertenrats lag neben der ambulanten ärztlichen Versorgung auch auf der Arzneimittelversorgung, der Pflege und der stationären Versorgung.
Gerlach erläuterte: „Seit unserem letzten Expertenrat im Oktober gab es mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst bislang vier gemeinsame Krisenübungen an Krankenhäusern. Zwei weitere Übungen werden noch bis Ende Juni stattfinden. Geübt wurde dabei beispielsweise der Umgang mit biologischen Sonderlagen, Trinkwasserverunreinigungen und längerfristigen Ausfällen von Versorgungsinfrastruktur. Die Rückmeldungen der Übenden sind durchweg positiv und zeigen, wie wichtig es ist, Krisensituationen aktiv zu üben. Wir planen deshalb, unsere Krisenübungen auf ganz Bayern auszuweiten und stellen hierfür zwei Millionen Euro zur Verfügung.“
Die bisherigen vier Übungen fanden an der Klinik Aschaffenburg-Alzenau, dem Klinikum Immenstadt, dem Klinikum Kempten und dem Klinikum Bamberg statt. Daneben wurde bereits im letzten Jahr eine große Übung zur Bewältigung einer bioterroristischen Gefahrenlage am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt. Die Katastrophenschutzbeauftragten teilen im Netzwerk der Bayerischen Krankenhausgesellschaft die Erfahrungen aus den Übungen.
Die Ministerin ergänzte: „Neben der stationären Versorgung haben wir natürlich auch die Arzneimittelversorgung bei möglichen Krisenfällen im Blick. Im März wurde deshalb ein Planspiel mit Vertretern von öffentlichen Apotheken, Krankenhausapotheken, Arztpraxen, dem Großhandel und dem kommunalen Katastrophenschutz durchgeführt. Das Szenario war dabei ein mehrtägiger Blackout in einem Regierungsbezirk. Die Akteure mussten sich der Herausforderung stellen, die Arzneimittelversorgung im Umkreis trotz fehlender Strom- und Internetversorgung sowie ohne Telekommunikationssysteme aufrechtzuerhalten. Es hat sich dabei gezeigt, wie entscheidend eine Vernetzung der Akteure vor Ort ist. Denn die üblichen Kommunikationswege über E-Mail und Telefon funktionieren dann nicht mehr verlässlich. Zudem hat das Planspiel gezeigt, wie entscheidend eine ausreichende und rechtzeitige Vorbereitung auf die Krise und die frühzeitige Sensibilisierung relevanter Akteure ist.“
Gerlach fügte hinzu: „Ein entscheidender Faktor bei einem Krisenfall sind natürlich unsere Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte in der ambulanten Versorgung. Wir stehen hierzu in engem Austausch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZVB) und den Kammern, um für das Thema zu sensibilisieren und gemeinsam mit Vorbereitungen für den Aufbau krisenfester Strukturen zu beginnen. Dabei geht es um Themen wie die Gewinnung von interessierten Ärzten und Zahnärzten, die im Zivilschutzfall unterstützen wollen oder Krisenübungen in Arztpraxen.“
Die Ministerin ergänzte: „Wenn es um Krisen geht, steht natürlich auch die Pflege im Zentrum der Überlegungen: In Zusammenarbeit mit Praktikern aus der Pflegebranche haben wir deshalb einen Handlungsleitfaden für das Krisen- und Notfallmanagement von Pflegeeinrichtungen erarbeitet. Dieser enthält unter anderem viele Checklisten und soll als Orientierungshilfe dienen. Wir stellen den Leitfaden online zur Verfügung. Die Hilfsorganisationen sind zudem bereit, Pflegeunterstützungskräfte auszubilden, die dem Pflegepersonal im Ernstfall zur Hand gehen können. Der Bund muss hier aber seiner Finanzierungsverantwortung gerecht werden, um eine flächendeckende Ausrollung des Ausbildungsprogramms zu gewährleisten.“
Gerlach führte aus: „Um in Bayern für einen planmäßigen Start dieser Ausbildung vorbereitet zu sein, wollen wir zusammen mit dem Bayerischen Roten Kreuz ein Pilotprojekt organisieren. Dieses dient der Weiterbildung von Pflegefachkräften zu Ausbildern der künftigen Pflegeunterstützungskräfte und der Werbung für Pflegeunterstützungskräfte in der Bevölkerung. Denn: Egal, welche Krisen auf uns zukommen – ehrenamtliches Engagement ist unverzichtbar.“
Ziel des bayerischen Expertenrats Gesundheitssicherheit ist es, sich regelmäßig über die aktuelle Lage, politische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf den Gesundheitssektor sowie den Umgang mit Krisenszenarien auszutauschen. Dabei bringt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention Akteure der stationären und ambulanten Versorgung, der Notfallmedizin sowie der Bundeswehr, der Hilfsorganisationen, der Pflege, der Krankenkassen, der psychiatrischen Versorgung und der Arzneimittelversorgung an einen Tisch.
