Pressemitteilung

28.01.2026

Nr. 11

Gerlach fordert von der Bundesregierung mehr Tempo bei der Vorbereitung des deutschen Gesundheitssystems auf Krisen – Bayerns Gesundheitsministerin anlässlich des „Safety Camps“ in Augsburg

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach fordert von der Bundesregierung mehr Tempo bei der Vorbereitung von Deutschlands Gesundheitssystem auf Krisen. Die Ministerin betonte am Mittwoch anlässlich des Kongresses „Safety Camp“ in Augsburg zur Sicherheit in der Medizin und im Gesundheitswesen: „Die Menschen müssen sich auch in Krisenfällen auf ein stabiles Gesundheitssystem verlassen können – zum Beispielbei Naturkatastrophen, Sabotage-Akten, Cyberangriffen oder militärischen Konflikten. Deshalb muss der Bund jetzt rasch handeln, die Länder sind hier schon weiter.“

Gerlachunterstrich: „Wir brauchen dringend bundesweite Regelungen für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung im Krisenfall – zum Beispiel für eine effiziente Bevorratung von Arzneimitteln und eine strategische Patientensteuerung. Denn klar ist: Keine Vorbereitung ist das größte Risiko. Denn Sabotagen oder andere Krisensituationen können überall und jederzeit vorkommen.“

Die Ministerin erläuterte: „Auf Bundesebene sind einige Gesetze auf dem Weg, die Regelungen für etwaige Krisenetablieren sollen. So wird aktuell an einem Gesundheitssicherstellungsgesetz mit Regelungen für den Zivilschutzfall gearbeitet. Hier haben sich die Länder in den letzten Monaten aktiv eingebracht. Bisher spricht der Bund vom Inkrafttreten frühestens im Jahr 2027. Das muss deutlich schneller gehen!  Zudem muss nun zügig das ebenen-, sektoren-und gefahrenübergreifende Gesetz zum Schutz Kritischer Infrastrukturen(KRITIS-Dachgesetz) durch den Bund konkretisiert werden, um unter anderem den Schutz von Krankenhäusern und anderen relevanten Einrichtungen zu verbessern.

Gerlach betonte zudem: „Auch sollte der Bund rasch die eigentlich schon bereitstehenden Gelder für die Ausbildung der Pflegeunterstützungskräfte freigeben. Hilfsorganisationen sind bereit, Pflegeunterstützungskräfte auszubilden, die dem Pflegepersonal im Ernstfall zur Hand gehen können. Der Bund muss hier aber seiner Finanzierungsverantwortung gerecht werden, um eine flächendeckende Ausrollung des Ausbildungsprogramms zu gewährleisten. Denn auch die Ausbildung braucht eine gewisse Zeit.“

Gerlach ergänzte: „Im Gesundheitssektor arbeiten herausragende und motivierte Menschen – sie brauchen für einen möglichen Krisenfall klare Vorgaben und effiziente und pragmatische Strukturen. Bayern hat die Herausforderungen früh erkannt und bereits gehandelt. So haben wir 2025 einen Expertenrat Gesundheitssicherheit gegründet, der Risiken analysiert und Lösungen für Krisenfälle vorschlägt. Er könnte als Blaupause für einen bundesweiten Gesundheitssicherheits-Gipfel dienen, den die Bundesregierung ins Leben rufen sollte und zu dem alle relevanten Akteure eingeladen werden.“

Die Ministerin fügte hinzu: „Ziel des bayerischen Expertenrats Gesundheitssicherheit ist es, sich regelmäßig über die aktuelle Lage, politische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf den Gesundheitssektor sowie den Umgang mit Krisenszenarien auszutauschen. Wir bringen dabei Akteure der stationären und ambulanten Versorgung, der Notfallmedizin, der Bundeswehr, der Hilfsorganisationen, der Pflege und der Arzneimittelversorgung an einen Tisch und arbeiten gemeinsam an Maßnahmen, wie wir das Gesundheitssystem in Bayern krisenfester machen können.“

Gerlacherläuterte: „So stellen wir seit dem vergangenen Jahr unseren Krankenhäusern finanzielle Mittel in Höhe von zwei Millionen Euro für Krisenübungen mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zur Verfügung. Mithilfe dieser Übungen wollen wir aufzeigen, wo noch Handlungsbedarf besteht. So wollen wir neben den bereits praktizierten Übungen der Krankenhäuser zu einem sogenannten Massenanfall von Verletzten auch bislang weniger im Fokus stehende Bedrohungen üben. Im Oktobervergangenen Jahres fand dazu beispielsweise an einer Klinik in München eine Großübung statt, bei der ein Anschlag mit einem giftigen Stoff simuliert wurde.“

Gerlachergänzte: „Auch für die Zukunft sind weitere Krisenübungen in Krankenhäusern gemeinsam mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst geplant. Dies geschieht in engem Schulterschluss mit der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. Dafür werden unter anderem Szenarien wie der Wegfall gewohnter Infrastruktur oder eine biologische Sonderlage geprobt.“

Die Ministerin erläuterte: „Zudem haben wir im Rahmen des Expertenrats eine Kooperationsvereinbarung mit der Sanitätsakademie der Bundeswehr zur Erstellung eines digitalen zivil-militärischen Gesundheitslagebilds unterzeichnet. Die aktuelle Projektphase beinhaltet das Zusammentragen von verfügbaren Daten aus den verschiedenen Gesundheitssektoren, um im Ernstfall eine verlässliche Lagebewertung und Patientensteuerung durchführen zu können. Auch das kann und soll als Blaupause für Deutschland dienen.“