Saal mit Leinwand Herzlich Willkommen beim Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019

Der Bayerische Gesundheits- und Pflegepreis – Nominierungen 21 bis 30

Das sind die Nominierungen 21 bis 30 für den Baye­ri­schen Gesundheits- und Pfle­ge­preis 2019 in alphabetischer Reihenfolge der Projektnamen.

Logo Nominiert für den Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis 2019 - Innovative Ideen für Bayern

Patienten- und Angehörigenhaus – Ein Zuhause auf Zeit

Projektträger: Leukämiehilfe Ostbayern e.V.

Dieses Haus ermöglicht es Angehörigen, während der oft wochen- oder monatelangen Klinikaufenthalte in der Nähe des erkrankten Familienmitglieds sein zu können. Diese Einrichtung soll Zeit für Zuneigung schenken – Zeit, um dem krebskranken Familienmitglied in den schwersten Stunden beizustehen, während der belastenden Therapien Zuspruch zu geben und die Hand zu halten; aber auch Zeit, um in palliativen Situationen Abschied nehmen zu können.

Dabei ist es besonders wichtig, dass die Wege zum Krankenbett kurz sind und man sich immer „in unmittelbarer Nähe“ weiß. Zugleich ist das Patientenhaus ein Ort der Geborgenheit. Die Angehörigen sollen hier Abstand, Ruhe und Entspannung finden sowie Kraft schöpfen. Auch der Austausch mit anderen betroffenen Familien kann hilfreich sein, um die eigene Situation besser zu verarbeiten.

Zudem bietet die Leukämiehilfe Ostbayern im Haus eine spezielle Kinder- und Familiensprechstunde an, Psychoonkologen geben den Angehörigen Hilfestellung bei den Fragen des veränderten Alltags, ergänzt um Sport- und Entspannungsangebote. Das Haus ist ein Modellprojekt und bundesweit einmalig. Es wird den Weg weisen zu der Erkenntnis, dass solche Einrichtungen an jedes onkologische Zentrum gehören, und so selbstverständlich werden, wie es heute die psychologische Betreuung krebskranker Menschen und ihrer Angehörigen ist.

Eingang Patienten- und Angehörigenhaus

PFLEGEprevent – Entwicklung, Durchführung und Evaluierung eines Präventionsprogrammes für Pflegekräfte

Projektträger: Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung (IBE) in Kooperation mit dem Bayerischen Heilbäderverband und dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. Landesgeschäftsstelle Bayern (bpa)

Im Projekt „PFLEGEprevent“ wurde ein spezifisches Präventionsprogramm für Pflegekräfte entwickelt, das die psychischen und physischen Ressourcen von Pflegekräfte stärken und ihnen dadurch die Bewältigung von Arbeitsbelastungen und Herausforderungen im beruflichen Alltag erleichtern soll. Es besteht aus vier Phasen:

  1.  Identifizierung von Bedürfnissen, Arbeitsbelastungen und beruflichen Herausforderungen der Pflegekräfte und deren wissenschaftlichen Evidenz (nationale Expertenbefragung und systematischer Literatur-Review),
  2. Entwicklung des Präventionsprogrammes für Pflegekräfte,
  3. Implementierung und Evaluierung des Präventionsprogrammes (Interventionsstudie; DRKS00012870),
  4. Ausarbeitung eines Manuals zur Umsetzung der Maßnahme (Übertragbarkeit).

Die nationale Expertenbefragung lieferte aktuelle Werte zur subjektiven Arbeitsfähigkeit von Pflegepersonal in Deutschland. Zudem konnten Erkenntnisse zum Bedarf der Berufsgruppe an theoretischen und praktischen Präventionsangeboten gewonnen werden. Ein fünftägiges Präventionsprogramm mit einem Auffrischungstag nach drei und sechs Monaten wurde basierend auf den Ergebnissen aus Phase 1 entwickelt und im Rahmen einer randomisierten, kontrollierten Interventionsstudie implementiert und evaluiert. Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnten Pflegekräfte der Interventionsgruppe ihr Stresserleben und ihre Erholungsfähigkeit signifikant verbessern. Ein Manual als Richtlinie ist entwickelt.

Leben bis zuletzt – Palliativbetreuung in den Alten- und Pflegeheimen der Inneren Mission München

Projektträger: Fachstelle SPES der Hilfe im Alter gGmbH – Spiritualität, Palliative Care, Ethik, Seelsorge

Das Projekt „Leben bis zuletzt“ orientiert sich an den Grundsätzen und Erkenntnissen aus Hospizarbeit und Palliativ Care mit dem Ziel, Palliativversorgung zu implementieren und dauerhaft zu integrieren. Ziel ist die Gewährleistung qualitativ hochstehender und dem diakonischen Leitbild entsprechender würdevoller Begleitung von Menschen und ihren Angehörigen in der letzten Phase des Lebens, im Sterben und in der Trauer.

Dabei sind Strukturen und Arbeitsabläufe, sowie die Motivation und Fortbildung der Mitarbeitenden ebenso im Blick, wie der Grundsatz der Interprofessionalität und der Vernetzung mit allen beteiligten Fachkräften innerhalb und außerhalb der Einrichtungen. So sind die Kontakte zur Hospizbewegung und externen Anbietern von palliativer Versorgung eng, um neue Entwicklungen aufzunehmen und Erfahrungen einzuspeisen.

Zentral ist dabei die Beratung der Einrichtungen zur Professionalisierung des (palliativ) ethisch verantworteten Denkens an der Grenze des Lebens. Es geht um die Palliativkompetenz der Einrichtungen, sowie um die ethische Reflexion von Situationen in der Pflege sowie in der gesamten Einrichtung, in der Begleitung multimorbider, alter und sterbender Menschen in den Einrichtungen sowie für die Mitarbeiter der Einrichtungen der Inneren Mission München. Die Selbstbestimmung der Bewohner und ihrer Angehörigen steht im Mittelpunkt.

Foto Pfarrerin Dorothea Bergmann

Pfarrerin Dorothea Bergmann

Schwerbetroffenenfreizeit im „Haus der Begegnung“ am Starnberger See

Projektträger: Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Landesverband Bayern e. V.

1999 Jahren fand erstmals diese fünftägige Freizeit in unserem behindertengerechten Seminarhaus statt. Sie soll Multiple-Sklerose-Betroffenen und ihren Angehörigen eine Auszeit vom Alltag schaffen, Isolation verringern, Gemeinschaftsgefühl, neue Erfahrungen ermöglichen und Spaß machen.

Aufgrund enormer Nachfrage bieten wir seit 2011 zwei Freizeiten an. Das Angebot richtet sich an Erkrankte ab Pflegegrad 3 bis 5. Pflege erfolgt im Alltag meist unter erheblichem Zeitdruck. Während der Freizeit steht ein Team an erfahrenen, Fachkräften rund um die Uhr zur Verfügung und kann auf individuelle Wünsche der Teilnehmer eingehen.

Behindertengerechte Busse sind vorhanden. Schifffahrt, Mitternachtsspazierfahrt am See, Museums-, Oktoberfestbesuch, Wanderungen mit dem Rollstuhl – soweit möglich realisieren wir Vorstellungen und stärken die Selbstwirksamkeit der Behinderten.

Zeithaben ist ein unverzichtbarer Faktor der Schwerbetroffenenfreizeit. Narrative Gesprächseinheiten, Beantworten vielfältigster Fragen und Entspannung sind zusätzlich Teil des Programms. Angehörige wissen den Erkrankten gut versorgt oder können, so sie den Partner auf die Freizeit begleiten, alle pflegerischen Tätigkeiten an das Team abgeben.

Besuch von Schwerbetroffenen mit Multipler Sklerose in der BMW-Welt München
Bunte Blasen - Gestaltungselement zum Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis

Senioren stärken und unterstützen – verlässlicher Partner im Alltag

Projektträger: Diakonie Selb-Wunsiedel, Fachstelle für pflegende Angehörige

Dem ländlichen Raum des nordöstlichen Oberfrankens stehen in den kommenden Jahren weiterhin Verluste der Einwohnerzahlen bevor. Hier bleiben vor allem ältere, zunehmend pflegebedürftigen Menschen. Wir bieten den hier lebenden Menschen ansprechende Angebote, durch die sie nicht nur betreut und unterstützt werden, sondern die helfen, ihre Selbständigkeit zu erhalten und das daraus resultierende positive Lebensgefühl zu fördern.

Ziel ist es, dem älter werdenden Menschen Aufklärung, Information und Wissen über die Möglichkeiten zur Unterstützung und zu entsprechenden Angeboten im Landkreis Wunsiedel zu geben.

Die Angebote helfen, den Senioren selbst aktiv Entscheidungen für sich oder seinen zu Pflegenden zu treffen sowie Unterstützung und Entlastung durch den pflegenden Angehörigen zu organisieren. Angehörige, die nicht vor Ort sein können, haben durch die Fachstelle einen Partner vor Ort. Die Fachstelle für pflegende Angehörige bietet landkreisweit Angehörigen- und Pflegeberatung an: Information und Kontakt zu ambulanten, teilstationären oder stationären Einrichtungen in der Region, Unterstützung bei Antragstellungen, Entlastungs- und Unterstützungsangebote, Vermittlung von haushaltsnahen Diensten, Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige, Schulungen für pflegende Angehörige im Umgang mit an Demenz Erkrankten.

Sozialtherapeutisches Leben & Wohnen und Pflege

Projektträger: AWO Sozialtherapeutische Einrichtungen

Wir unterstützen die Klientinnen und Klienten unserer „Wohngruppe für pflegebedürftige psychisch kranke Menschen“ dabei, ein möglichst hohes Maß an Kompetenz in allen Lebensbereichen und eine größtmögliche subjektive Lebenszufriedenheit und Lebensqualität für sich zu erreichen.

Alle Klientinnen und Klienten leiden an einer psychischen Erkrankung und haben zusätzlich einen körperlichen Pflegebedarf. Für sie stehen, zusammen mit der Bezugspflegefachkraft, eine sozialpädagogisch ausgebildete Fachkraft zur Verfügung. Die Klientinnen und Klienten besprechen aktuelle Probleme und Fragestellung und reflektieren ihr Verhalten. Neue Handlungsstrategien werden erarbeitet und entwickelt, bedarfsgerechte Unterstützung und Hilfestellung bei der Pflege werden gegeben.

Unsere Angebote sollen die Strukturierung des individuellen Tagesablaufes erleichtern sowie der Verwirklichung einer sinnorientierten Tagesstruktur dienen. Im betreuten Rahmen der Einrichtung werden individuelle Betreuungsangebote entsprechend ihrer Ressourcen für alle gefunden, um so die soziale Interaktion und damit die Kommunikationsfähigkeit zu fördern. Dazu erhalten sie Unterstützung und Hilfestellung bei alltäglichen, lebenspraktischen Tätigkeiten (unter anderem Wäsche waschen, Zimmerreinigung, Essen kochen, Aufräumen).

Voice-Weaning - Vertraute Stimmen im Weaningprozess

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Voice-Weaning – Vertraute Stimmen im Weaningprozess

Das Universitätsklinikum Erlangen hat Stimmen von Angehörigen aufgezeichnet, die dem Patienten über Kopfhörer vorgespielt werden.

Voice Weaning – Vertraute Stimmen im Weaningprozess (Preisträger)

Projektträger: Universitätsklinikum Erlangen, Neurointensivstationen, Erlangen

Auf Intensivstation kann unter Umständen ein langwieriger Prozess sein, Patienten von der künstlichen Beatmung zu entwöhnen. Die Umstellung von einem kontrollierten in einen unterstützenden Beatmungsmodus stellt stets eine langfristige Herausforderung dar. Oftmals zeigen Patienten in dieser Zeit eine Kommandoatmung und lassen sich nur durch Aufforderung der betreuenden Pflegekraft zum selbstständigen Atmen am Gerät anweisen.

Sobald keine verbale Stimulation mehr erfolgt, fällt der Patient zurück in den kontrollierten Beatmungsmodus. Unsere Idee war es, diesen Entwöhnungsprozess mit Hilfe von aufgezeichneten Angehörigenstimmen zu unterstützen. Dafür haben wir einen nahestehenden Angehörigen gebeten, einen vorgegebenen Text auf ein Diktiergerät aufzunehmen, welchen wir dann auf einen MP3- Player kopiert haben. Bei jeder Umstellung in einen unterstützenden Beatmungsmodus, haben wir gleichzeitig per Kopfhörer dem Patienten die vertrauten Stimmen seiner Angehörigen vorgespielt. Dadurch konnten wir nachweislich die kontrollierte Beatmungszeit um ca. ein Drittel im Vergleich zu einer Kontrollgruppe reduzieren. Auch das Feedback der Angehörigen war durchwegs positiv.

Durch ihre aktive Beteiligung an der Therapie, werden ihnen Gefühle wie Hilf- und Nutzlosigkeit genommen. Auch ist es gut vorstellbar, dass wir durch das Vorspielen der vertrauten Stimme, dem Patienten ein Stück Orientierung und Sicherheit geben können.

Weiterleben in Würde – Sprechstunde

Projektträger: Krankenhaus Barmherzige Brüder München, Klinik für Palliativmedizin

Ziel war es eine Beratung von Menschen mit Sorgen und Angst aufgrund schwerer Erkrankung anzubieten, auch um eine Alternative zu Suizid oder ärztlich assistiertem Suizid aufzeigen zu können. Diese Sprechstunde wird von zwei Fachärzten mit internistischer, onkologischer, palliativmedizinischer und ethischer Expertise durchgeführt. Die Beratung ist für Patienten und Angehörige konzipiert, da oft Angehörige unter einem starken Druck in der häuslichen Versorgung stehen, sich Sorgen machen und Ängste haben, die sie nicht äußern.

Patienten und Angehörigen erhalten einen Gesprächstermin innerhalb von 48 Stunden, bei akuter Not am nächsten Tag. Die durchschnittliche Beratungsdauer beträgt 90 Minuten, sie kann multiprofessionell sein (Seelsorge, Sozialarbeit, Pflegekraft, Gesprächstherapeut) in Abhängigkeit von den Bedürfnissen. Eine Wiedervorstellung persönlich sowie telefonisch ist möglich. Aufgrund der Multiprofessionalität können Hilfestellungen für Zuhause  / ambulant ermöglicht werden.

Darüber hinaus werden den behandelnden Ärzten (zum Beispiel Hausärzten) Empfehlungen zur Therapie gemacht, zum Beispiel in Schriftform eines Arztbriefes.

Wir bringen Hausärzte und Spezialisten zusammen

Projektträger: Ärztezentrum Lechfeld, Dr. Mollemeyer & Kollegen

Ein Team von Hausärzten kümmert sich ohne Terminvereinbarung in einer offenen Sprechstunde um die Belange der Patienten. Für spezielle Fragestellungen stehen aktuell drei Spezialisten aus den Bereichen Pneumologie, Orthopädie und Onkologie zur Verfügung, die im Sinne einer Filialpraxis halbtageweise in die Praxisräume integriert sind. Ein Kardiologe ist in Planung. Die Hausärzte überprüfen die Indikation und Dringlichkeit. Notwendige Voruntersuchungen und Befunde werden veranlasst und zusammengetragen.

Unabhängig ob privat- oder kassenversichert ist es uns so möglich, mit einer durchschnittlichen Wartezeit von 30 bis 45 Minuten Patienten hausärztlich zu versorgen und binnen maximal fünf Arbeitstagen einem Spezialisten vorzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, erfolgt die Terminvereinbarung für die Spezialisten ausschließlich in der hausärztlichen Sprechstunde. Die Praxis verfügt hierfür auf 530 Quadratmetern über die notwendige technische Ausstattung wie zum Beispiel ein digitales Röntgengerät der neuesten Generation sowie ein Body-Plethysmograph für die notwendige Lungenfunktionsdiagnostik.

Team Dr. Mollemeyer und Kollegen

Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim – ZiB

Projektträger: Anna Hospizverein im Landkreis Mühldorf e.V.

Immer mehr Menschen verbringen die letzte Phase ihres Lebens im Pflegeheim. Am Lebensende entsteht oft ein erhöhter Betreuungsbedarf: Es braucht mehr Zeit für Grundpflege und Nahrungsaufnahme, für Gespräche mit Patienten und Angehörige, für Sitzwachen und um persönliche Wünsche zu erfüllen.

Weil der Stellenschlüssel in stationären Pflegeeinrichtungen diesen Bedarf nicht abdecken kann, entstand die Idee der Zeitintensiven Betreuung im Pflegeheim. Im Rahmen eines Modellprojekts, konnte der Anna Hospizverein Mühldorf in den Jahren 2015 bis 2016 zeigen, dass sich die Betreuung am Lebensende durch mehr frei verfügbare Zeit für die Pflegenden nachhaltig verbessern lässt. Basierend auf diesen Erfahrungen erklärte sich die Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung bereit, ZiB mit Fördermitteln zu unterstützen und regional auszuweiten. Zurzeit werden in einer zweiten Projektrunde zusätzliche Erkenntnisse gewonnen.

An der Projektrunde 2018/2019 nehmen sechs Hospizvereine als lokale Projektträger teil:

Anna Hospizverein Mühldorf e. V., Hospizverein Kaufbeuren-Ostallgäu e. V., Hospizverein Rottal-Inn e. V., Franziskus Hospizverein Straubing-Bogen e. V., Hospizverein Hof e. V., Hospiz-Team Nürnberg e. V.

Logo Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim
Bunte Blasen - Gestaltungselement zum Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis