Die Bühne bei einer Veranstaltung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege.

Weißer Engel - Laudationes Oberfranken

Am 23. März 2017 hat Staatsministerin Melanie Huml in Oberfranken den "Weißen Engel" an beispielgebende Personen verliehen, die sich langjährig und regelmäßig im Gesundheit- und/oder Pflegebereich ehrenamtlich engagiert haben.

Norbert Dinnies

Norbert Dinnies kümmert sich schon seit mehr als zehn Jahren liebevoll und aufopfernd um seine Ehefrau Else, die seit einer Hirnblutung halbseitig gelähmt ist. Damals hat Norbert Dinnies nicht lange gezögert und die Herausforderung Pflege im eigenen Zuhause angenommen.

Seine Else in einer Pflegeeinrichtung unterzubringen, kam für ihn nie in Frage. Stattdessen ist es ihm eine Herzensangelegenheit, dass sie weiterhin die Vertrautheit der gewohnten Umgebung erfahren darf.

Nur die beiden sind in der Lage, mittels besonderer Zeichen miteinander zu kommunizieren.

Welche Anstrengungen und Entbehrungen das für Herrn Dinnies mit sich bringt, kann man nur erahnen. Jedenfalls kommt ihm trotz dieser enormen physischen und psychischen Belastungen nie ein Wort des Klagens oder Jammerns über die Lippen.

Selbst die Verleihung des Weißen Engels, an der er im Mittelpunkt steht, lässt er klaglos verstreichen, um seinen Pflichten nachzugehen. Dieser Einsatz verdient hohe Anerkennung und sollte für andere Menschen Vorbild sein.

Stellvertretend für Herrn Dinnies nimmt Gerd Schneider, erster Bürgermeister der Gemeinde Memmelsdorf, den Weißen Engel und die Urkunde entgegen.

Margit Gamberoni

Margit Gamberoni engagiert sich seit mehr als zehn Jahren für schwerhörige Menschen. Aus eigener Betroffenheit heraus hat sie im Jahr 2006 gemeinsam mit fünf weiteren Mitstreitern bei ihr zuhause die Selbsthilfegruppe „OhrRing Bamberg für Schwerhörige und Cochlea-Implantat-Träger“ gegründet.

Bis heute organisiert sie die monatlichen Treffen der Gruppe, an der regelmäßig rund 50 Personen teilnehmen – natürlich nicht mehr in ihrem Wohnzimmer, sondern im Klemens Fink-Zentrum, der Sport- und Kulturstätte für Gehörlose in Bamberg.

Dass Frau Gamberoni ihre Erfahrungen als Trägerin eines Cochlea-Implantats mit anderen Betroffenen teilt und hilfreiche Ratschläge gibt, ist für sie dabei selbstverständlich.

Darüber hinaus ist ihr die Barrierefreiheit eine Herzensangelegenheit. Immer wieder setzt sie sich erfolgreich für hörgeschädigte Menschen in der Region ein. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass zahlreiche öffentliche Gebäude und Einrichtungen, darunter das Rathaus und das ETA Hoffmann Theater, mit induktiven Höranlagen ausgestattet sind.

Mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Einfühlungsvermögen hilft Frau Gamberoni seit vielen Jahren hörgeschädigten Menschen.

Ursula Geßlein

Ursula Geßlein engagiert sich seit über zehn Jahren im Verein „Angehörige psychisch Kranker in Bayreuth“, kurz ApK. Getragen vom Leitgedanken, dass eine psychische Erkrankung immer auch die Angehörigen betrifft, ist es ihr seither ein großes Anliegen, den betroffenen Angehörigen und Freunden in den oft schwierigen Lebenssituationen beizustehen.

Als langjährige Vorsitzende des Vereins leistet sie zum Beispiel mit monatlichen Themenabenden einen wichtigen Beitrag dazu, dass Vorurteile abgebaut werden.  Auch tritt sie vehement gegen eine Diskriminierung und Stigmatisierung von psychisch Kranken ein. Deshalb ist Frau Geßlein bei vielen Veranstaltungen eine gern gesehene Referentin.

Früh hat sie auch erkannt, dass auch junge Menschen immer häufiger von psychischen Erkrankungen betroffen sind.  Dank ihrer Initiative bietet der Verein das Projekt „Verrückt? Na und!“ in Bayreuther Schulen an. Es fördert den offenen Umgang mit dem Thema und regt zum Nachdenken über die Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit psychischen Problemen an.

Genauso liegt ihr die Vernetzung mit anderen Einrichtungen am Herzen. Der Verein ist deswegen in zahlreichen Gremien vertreten:

  • im Behindertenbeirat der Stadt Bayreuth,
  • in der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Bayreuth-Kulmbach,
  • in der Initiative „Gemeinsam gegen Depression“ und
  • im Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch Kranker.

Mit ihrer fast unerschöpflichen Energie und ihrem großen Herzen ist Frau Geßlein ein beeindruckendes Beispiel für Verantwortung und Fürsorge.

Peter Herzing

Der Schicksalsschlag seines langjährigen Freundes Reinhold Richter brachte Peter Herzing vor knapp 20 Jahren auf das Thema Aphasie. Als dieser 2009 sein Amt als Erster Vorsitzender des „Aphasiker-Zentrums Oberfranken“, kurz „AZO“, krankheitsbedingt aufgeben musste, ist er kurzerhand eingesprungen und wurde zu seinem Nachfolger gewählt.

Es ist seinem persönlichen Einsatz zu verdanken, dass der Verein auf einem festen Fundament steht und das Aphasiker-Zentrum für die Zukunft gut aufgestellt ist. Dem Verein kommt dabei sein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick zugute, mit dem er Spenden für verschiedene gemeinnützige Projekte einwerben konnten.

Doch damit nicht genug! Mit großem Engagement hat Herr Herzing die Umwandlung des Aphasiker-Zentrums zum „Beratungszentrum Oberfranken für Menschen nach erworbener Hirnschädigung“ (BZO) vorangetrieben. Damit hat sich nicht nur der Name geändert. Auch das Aufgabengebiet ist größer geworden, woraus sich eine deutlich gestiegene Patientenzahl ergeben hat.

Durch sein unermüdliches Wirken für Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen hat sich Herr Herzing hohes Ansehen und Verdienste um das Menschenwohl erworben.

Monika Lang

Sich um Menschen zu kümmern, ist Monika Langs Lebensaufgabe. Denn als wäre ihr die anspruchsvolle Tätigkeit als Altenpflegerin noch nicht genug, ist sie im Haus Saalepark in Schwarzenbach als Sterbebegleiterin tätig. So kommen pro Woche zwischen sechs bis acht Stunden ehrenamtliches Engagement zusammen.

Als Bindeglied zum Hospizverein Hof koordiniert Frau Lang nicht nur die Teams der ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfer sowie deren monatliche Treffen. Sie leitet eine Trauergruppe und bietet dort den Angehörigen Raum, in dem Trauer zulassen dürfen und wo deren Fragen, Ängste und Gefühle willkommen sind.

Daneben bringt sie auch ihre handwerklichen Talente ein und hat für die Bewohnerinnen und Bewohner einen Strickkreis ins Leben gerufen, der sich im Haus großer Beliebtheit erfreut.

Erika Losgar

Erika Losgar hat sich jahrelang ehrenamtlich auf der Palliativstation im Hospizhaus in Bamberg engagiert. Tage- und nächtelang hat sie schwerstkranken und sterbenden Menschen zur Seite gestanden.

Es waren ihre einfühlsamen Gespräche und tröstenden Worte, die den Weg des Leidens oftmals gelindert haben. Gerade betroffenen Kindern hat sie wertvolle Hilfen im Umgang mit Krankheit und Tod anbieten können.

Frau Losgar hat die Hospizidee stets als Kraftquelle in der Sterbebegleitung gelebt. Daneben war sie auch in der Öffentlichkeitsarbeit des Hospizvereins Bamberg engagiert und hat den Verein durch zahlreiche Aktionen bekannt gemacht.

Monika Rattel

Verantwortung übernehmen ist für Monika Rattel kein Fremdwort, sondern eine Selbstverständlichkeit. Ruhestand hingegen schon! Denn seit zehn Jahren ist sie im Besuchsdienst des Deutschen Sozialwerks Bamberg aktiv eingebunden. Seither hat sie in die Betreuung betagter Mitbürgerinnen und Mitbürger sehr viel Zeit und Kraft investiert.

Die Bewohnerinnen und Bewohner zahlreicher Bamberger Altenheime schätzen an ihr besonders ihre liebevolle und wertschätzende Art des Umgangs.

Aber auch ihre Kreativität ist gefragt! Mit großer Hingabe gestaltet Frau Rattel den Tischschmuck für die regelmäßigen Treffen. Das schafft einen angenehmen äußeren Rahmen, damit die Senioren ein paar Stunden in schöner Gemeinschaft verbringen können. Dabei stellt sie den Dienst an den Mitmenschen immer über eigene Belange. Ihr Ehrenamt übt sie sogar dann aus, wenn es ihr selbst nicht so gut geht!

Herbert Rösch

Auch Herbert Rösch hat das Sausen, Zischen und Dröhnen der Tinnitus-Erkrankung oft zur Verzweiflung gebracht. Hilfe und Beratung – Fehlanzeige! Doch aus dieser scheinbar ausweglosen Situation hat er sich selbst befreit und 1996 kurzerhand die Tinnitus-Selbsthilfegruppe Kulmbach gegründet.

Mit großem Erfolg leitet er diese seither als Vorsitzender. Sein Team und er haben in dieser Zeit schon rund 600 Patienten beraten und ihnen einen guten Umgang mit dem Leiden gezeigt.

Sein großes Geschick im Umgang mit Geld macht Herrn Rösch als Schatzmeister der Deutschen Tinnitus-Liga beinahe unersetzbar. Dort kümmert er sich auch um die Ausbildung der Gruppenleiter.

Und von seinem großen Erfahrungsschatz profitieren auch andere Tinnitus-Selbsthilfegruppen in Deutschland.

Herrn Röschs Beispiel macht vielen Menschen Mut. Mut, trotz der Belastung einer Tinnitus-Erkrankung den Weg zurück ins Leben zu finden und darüber hinaus noch anderen Menschen eine Stütze zu sein.

Vera Romahn

Es ist keine Übertreibung, Vera Romahn als eine Pionierin der Hospizidee im Raum Coburg zu bezeichnen. Als langjährige geschäftsführende Vorsitzende des Vereins „Lebensraum – ein Hospiz für Coburg“ und Vorsitzende des Kuratoriums der gleichnamigen Stiftung hat sie sich stets für ein stationäres Hospiz für Coburg eingesetzt.

Dank ihrer gewinnenden Art und ihrer guten Vernetzung zu Mandatsträgern und Kliniken, Ärzten und Verbänden hat sie den Caritasverband Coburg davon überzeugen können, die Trägerschaft für das künftige Hospiz übernehmen. Nachdem Frau Romahn dann auch noch die notwendigen Eigenmittel eingeworben hatte, konnte im Juni 2016 der Spatenstich für das Hospiz in Coburg gefeiert werden.

Für Ende 2017 ist die Eröffnung ihres Hospizes in Coburg geplant.