Ein älteres Ehepaar setzt mit Enkelin ein Puzzle zusammen.

Demenz - Lebens­be­din­gungen Demenz­kranker verbessern

Eine Demenz­er­krankung ist für Betroffene und deren Ange­hörige eine große Heraus­for­derung und stellt im Alltag oftmals eine starke Belastung dar. Die Baye­rische Demenz­stra­tegie hat das Ziel, die Bevöl­kerung für das Thema Demenz zu sensi­bi­li­sieren und die Lebens­be­din­gungen von Demenz­kranken und deren Ange­hö­rigen zu verbessern.

Im Rahmen der Baye­ri­schen Demenz­stra­tegie gibt es bereits in unter­schied­lichen Lebens­be­reichen Projekte, die wir weiter ausbauen wollen. Mein Ziel ist es, Menschen mit Demenz und ihren Ange­hö­rigen eine größt­mög­liche Lebens­qua­lität zu gewähr­leisten.
Melanie Huml, Staats­mi­nis­terin

Demenz ist ein Ober­be­griff für eine Vielzahl von Erkran­kungen mit ähnlichen klini­schen Symptomen. Sie gilt als typische Alterser­krankung. Der Verlauf ist von Mensch zu Mensch unter­schiedlich.

Demenz­er­kran­kungen in Zahlen

Demenz­er­kran­kungen in Zahlen

Mit voran­schrei­tender Alterung der Gesell­schaft nimmt die Anzahl der Demenz­er­krankten zu. In der Alters­gruppe der über 90-Jährigen weist heute mehr als jeder Dritte demen­zielle Symptome auf. Derzeit leben in Bayern etwa 220.000 Menschen mit einer Demenz­er­krankung. Etwa 70 Prozent davon sind Frauen. 

  • Demen­ziell erkrankte Personen in Bayern 2014 220.000
  • Demen­ziell erkrankte Personen in Bayern 2020 (Prognose) 270.000
  • Demen­ziell erkrankte Personen in Bayern 2032 (Prognose) 340.000

Demenz – was ist das?

Der Begriff Demenz stammt aus dem Latei­ni­schen und lässt sich mit „weg vom Geist“ bzw. „ohne Geist“ über­setzen.

Durch eine demen­zielle Erkrankung verschlechtert sich zunehmend die geistige Leis­tungs­fä­higkeit, das heißt Gedächtnis, Denk­ver­mögen, Orien­tierung, Auffas­sungsgabe, Lern­fä­higkeit, Sprache und Urteils­ver­mögen im Sinne der Fähigkeit zur Entscheidung lassen nach.

Demenz­er­kran­kungen sind bisher nicht heilbar. Rund zwei Drittel der Betrof­fenen sind an einer Alzheimer-Demenz erkrankt. Sie ist die am häufigsten vorkom­mende Form einer demen­zi­ellen Erkrankung.

In den Betrof­fenen löst die Diagnose Demenz häufig die Angst aus, die Selbst­stän­digkeit zu verlieren. Häufig unter­stützen Ange­hörige deren Alltags­be­wäl­tigung und über­nehmen die Verant­wortung für die Betreuung und Pflege des Fami­li­en­mit­glieds. Das ist auf Dauer für viele Ange­hörige eine enorme psychische und körper­liche Belastung. Nied­rig­schwellige Angebote stellen für sie eine wert­volle Entlas­tungs­mög­lichkeit dar.

Die Alzheimer-Demenz lässt sich in drei Stadien einteilen.

  • Leicht­gradige Demenz: über­wiegend nur Gedächt­nis­stö­rungen;
  • Mittel­schwere Demenz: massive Gedächtnis-, Denk- und Orien­tie­rungs­stö­rungen, deut­liche Verhal­tens­ver­än­de­rungen, Selbst­stän­digkeit im Alltag hoch­gradig einge­schränkt;
  • Schwere Demenz: starker geis­tiger, oft auch körper­licher Abbau; Unter­stüt­zungs­bedarf bei allen Tätig­keiten des Alltags
StadiumLeicht­gradigMittel­schwerSchwer
Selbstständige Lebensführunggeringgradig eingeschränkthochgradig eingeschränktnicht möglich
Unterstützungsbedarfbei anspruchsvollen Tätigkeitenbei einfachen Tätigkeiten und Selbstversorgungbei allen Tätigkeiten

Alzheimer und seltene Formen der Demenz

Am häufigsten kommt die Alzheimer-Demenz vor. Dabei kommt es durch das Absterben von Nerven­zellen zu Gedächt­nis­stö­rungen und Beein­träch­ti­gungen der Sprache sowie der Orien­tierung.

Die Vaskuläre Demenz ist Folge von Durch­blu­tungs­stö­rungen der hirn­ver­sor­genden Gefäße. Ein gesunder Lebensstil senkt das Risiko, an dieser Form der Demenz zu erkranken.

Bei der Lewy-Körperchen-Demenz haben viele Betroffene optische Sinnes­täu­schungen. Auch Bewe­gungs­stö­rungen können auftreten.

Die Fron­to­tem­porale Demenz ruft je nach betrof­fener Hirn­region ausge­prägte Verän­de­rungen der Persön­lichkeit und des zwischen­mensch­lichen Verhaltens hervor.

Umgang mit Menschen mit Demenz

Mit Demenz­er­krankten zu kommu­ni­zieren, ist oft nicht leicht. Das Umfeld sollte daher viel Geduld und Verständnis aufbringen und behutsam auf die Verhal­tens­än­de­rungen reagieren. Aner­ken­nende und beru­hi­gende Worte wirken dabei stress­min­dernd und geben Menschen mit Demenz Sicherheit. Konfron­tation und Ungeduld bewirken das Gegenteil und verstärken Ängste und Aggres­sionen.

Einfache Sätze, unter­stützt durch Gestik und Mimik, erleichtern die Kommu­ni­kation. Auch gemein­sames Singen oder Biogra­fie­arbeit können hilf­reich sein.

Demen­ziell Erkrankte als Teil unserer Gesell­schaft verstehen – die Baye­rische Demenz­stra­tegie

Ziel der 2013 beschlos­senen Baye­ri­schen Demenz­stra­tegie ist es, die Gesell­schaft für das Thema Demenz zu sensi­bi­li­sieren, Ängste abzu­bauen und so der Stig­ma­ti­sierung und Tabui­sierung der Krankheit entge­gen­zu­wirken. Das soll die Lebens­qua­lität der Betrof­fenen und ihrer Ange­hö­rigen verbessern.

Logo Bayerische Demenzstrategie: Festhalten, was verbindet.

Leit­ziele

  • 01 Ziel

    Leit­ziele der Baye­ri­schen Demenz­stra­tegie

    Der Bewusst­seins­wandel in der Gesell­schaft im Umgang mit dem Thema Demenz

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  • 02 Ziel

    Leit­ziele der Baye­ri­schen Demenz­stra­tegie

    Die Bewahrung der Selbst­be­stimmung und Würde der Betrof­fenen in allen Phasen der Erkrankung

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  • 03 Ziel

    Leit­ziele der Baye­ri­schen Demenz­stra­tegie

    Die Verbes­serung der Lebens­be­din­gungen und der Lebens­qua­lität für die Betrof­fenen und ihre Ange­hö­rigen

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  • 04 Ziel

    Leit­ziele der Baye­ri­schen Demenz­stra­tegie

    Die Teilhabe am gesell­schaft­lichen Leben für Ange­hörige und Betroffene

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  • 05 Ziel

    Leit­ziele der Baye­ri­schen Demenz­stra­tegie

    Die Sicher­stellung einer ange­mes­senen, an den Bedarfen orien­tierten Betreuung und Pflege

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Hand­lungs­felder

Die Baye­rische Demenz­stra­tegie ist in zehn Hand­lungs­felder gegliedert, in denen bereits Projekte umge­setzt werden.

Wohn­si­tua­tionen

Wenn sie entspre­chende Unter­stützung bekommen, können Menschen mit Demenz oft lange in ihrer vertrauten Umgebung wohnen. In Bayern werden rund 70 Prozent der Pfle­ge­be­dürf­tigen zu Hause, meist von Ange­hö­rigen, versorgt.

Schreitet die Erkrankung voran oder können die Ange­hö­rigen die Pflege zu Hause nicht mehr leisten, kann der Umzug in eine stationäre Pfle­ge­ein­richtung die richtige Lösung sein.

Dabei ist es wichtig, dass die Einrichtung ein geeig­netes Konzept zur Versorgung Demenz­kranker bietet. Möglich ist auch der Einzug in eine Wohn­ge­mein­schaft für Menschen mit Demenz. Meist leben dort sechs bis zwölf Betroffene in einer Wohnung zusammen und werden durch ambu­lante Betreuungs- und Pfle­ge­dienste versorgt.

Beratung für Ange­hörige

Eine Demenz­er­krankung stellt das gesamte Umfeld der Betrof­fenen vor große Heraus­for­de­rungen. Meist über­nehmen Ange­hörige die Betreuung und Pflege, müssen den Alltag orga­ni­sieren und mit verän­derten Verhal­tens­weisen des nahe­ste­henden Menschen zurecht­kommen.

Um sich dafür Infor­mation und Unter­stützung zu holen, gibt es in Bayern ein gut ausge­bautes Netzwerk von Bera­tungs­an­ge­boten. Anbieter sind zum Beispiel:

Hilfen für Ange­hörige

In Selbst­hil­fe­gruppen lernen Ange­hörige vonein­ander und entwi­ckeln gemeinsam Lösungen für schwierige Situa­tionen. Außerdem finden sie Rückhalt bei anderen Personen, die sich in ähnlichen Lebens­si­tua­tionen befinden.

Die Pfle­ge­kassen finan­zieren Schu­lungs­kurse für Ange­hörige zu Pfle­ge­themen und zur Demenz.

Betreu­ungs­an­gebote

Verschiedene Betreu­ungs­an­gebote für Menschen mit Demenz können Ange­hörige im Pfle­ge­alltag entlasten, zum Beispiel durch:

Mithelfen gefragt

Wenn Sie sich ehren­amtlich für Menschen mit Demenz enga­gieren wollen, wenden Sie sich bitte an Alzheimer Gesell­schaften und Wohl­fahrts­ver­bände in Ihrer Nähe, die Ihnen Schu­lungen im Umgang und in der Kommu­ni­kation mit Demenz­kranken anbieten.

Wander­aus­stellung „Was geht. Was bleibt. Leben mit Demenz“

Die Lebenswirklichkeit der an Demenz erkrankten Menschen nahebringen

Die Lebens­wirk­lichkeit der an Demenz erkrankten Menschen nahe­bringen

Ein wich­tiges Hand­lungsfeld der Baye­ri­schen Demenz­stra­tegie ist es, über die Krankheit zu infor­mieren und das Thema aus der Tabuzone heraus­zu­holen. Unsere neue Wander­aus­stellung „Was geht. Was bleibt. Leben mit Demenz“ ist Teil dieser Aufklä­rungs­arbeit. Dabei wird den Besu­che­rinnen und Besu­chern über Alltags­ge­gen­stände die Lebens­wirk­lichkeit der an Demenz erkrankten Menschen nahe­ge­bracht.

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