Plastikflasche in der Küche

Richtiger Umgang mit Gift im Haushalt

Viele Dinge, von denen wir umgeben sind, verursachen bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Schäden. So können etwa falsch dosierte Medikamente oder versehentlich getrunkene Reinigungsmittel zu Vergiftungen führen. In diesem Fall ist schnelles und richtiges Handeln notwendig.

Von einer Vergiftung ist dann die Rede, wenn ein Lebewesen nach Aufnahme einer oder mehrerer Substanzen in einer bestimmten Dosis gesundheitlichen Schaden nimmt. Wie schwerwiegend die Vergiftung ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Manche Substanzen weisen eine höhere Toxizität auf als andere. Auch der Aufnahmeweg, also die Art wie das Gift in den Körper gelangt ist, die Dauer der Einwirkung und die Empfindlichkeit des Einzelnen beeinflussen die Schwere der Vergiftung. Ein vorsichtiger Umgang mit giftigen Substanzen und mit Dingen, die solche Substanzen enthalten, ist der sicherste Weg, einer Vergiftung vorzubeugen.

Medikamente, Haushaltsreiniger, brennbare Substanzen und ähnliches sollten immer außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Doch selbst bei großer Vorsicht kann es zu Vergiftungen kommen, beispielsweise durch Pflanzen oder Insektenstiche.

Liegt eine Vergiftung vor, ist in jedem Fall ärztliche Hilfe notwendig. Bitte melden Sie sich sofort bei einer Giftnotrufzentrale. Die Anweisungen des Fachpersonals helfen, richtig zu handeln, bis ein Arzt aufgesucht werden kann oder eintrifft.

Die häufigsten Vergiftungsursachen

Eine Vergiftung kann aus den verschiedensten Gründen auftreten. Unabhängig von der Ursache einer Vergiftung sollten Sie umgehend einen (Not-) Arzt oder eine Giftnotrufzentrale verständigen. Selbstständiges, unsachgemäßes Handeln kann möglicherweise weitere gesundheitliche Risiken – beispielsweise Ersticken – verursachen.

Bei einer Vergiftung zählt jede Minute! Deshalb sollte sofort der Giftnotruf verständigt werden, wenn zum Beispiel Kinder Reinigungsmittel getrunken haben. Die Telefonnummer lautet 089 19240 – und sie ist rund um die Uhr erreichbar.
Melanie Huml, Staatsministerin

Aufbewahrung

Viele Vergiftungen wären durch ordnungsgemäße Aufbewahrung bestimmter Gegenstände und Substanzen vermeidbar.

Medikamente und Putzmittel sollten niemals in unauffälligen Gefäßen aufbewahrt werden. In Getränkeflaschen gefüllt können giftige Flüssigkeiten, nicht nur von Kindern, verwechselt und eingenommen werden.

Medikamente

Arzneimittel sind eine der häufigsten Vergiftungsursachen – bei Kindern meist durch versehentliche Einnahme, bei Jugendlichen und Erwachsenen häufig vor dem Hintergrund von Selbstmordgedanken.

Kinder verwechseln bunte Pillen und Tabletten häufig mit Süßigkeiten. Die Symptome einer Arzneimittelvergiftung variieren je nach Dosis und Art des Medikaments. Beipackzettel informieren, was bei einer Überdosierung zu tun ist. In jedem Fall sind umgehend die Giftnotrufnummer und ein (Not-) Arzt zu verständigen.

Chemikalien

Viele der Produkte, die wir zuhause aufbewahren, enthalten Chemikalien, die bei falscher Anwendung gesundheitsschädigend oder sogar tödlich sein können.

Bitte beachten Sie immer Hinweise zur Verwendung und Dosierung, die sich auf den Verpackungen und Behältern dieser Produkte befinden. Batterien, Abflussreiniger, Lacke, Waschmittel und viele weitere Dinge, die wir täglich verwenden, können zu Vergiftungen führen.

Weitere Haushaltswaren

Dass Nagellackentferner, Grillanzünder oder Klebstoffe bei unsachgemäßer Verwendung negative gesundheitliche Auswirkungen haben können, wissen viele.

Weniger bekannt ist, dass scheinbar harmlose Substanzen und Produkte wie Schaumbäder oder Raumdüfte unter Umständen ebenfalls zu Vergiftungen führen können. Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder sind gefährdet.

Pflanzen

Pflanzen gehören, neben Medikamenten und Reinigungsmitteln, zu den häufigsten Vergiftungsursachen.

Vor allem Kinder sind häufig betroffen. Übelkeit und Erbrechen gehören oft zu den Symptomen. Von den meisten heimischen Giftpflanzen geht keine Lebensgefahr aus. Wer im Haus oder im Freien unschädliche Blumen und Gewächse anpflanzt, minimiert das Risiko einer Vergiftung. Beim Sammeln von Pflanzen, wie zum Beispiel Bärlauch, ist Vorsicht geboten! Dieser wird leicht mit dem giftigen Maiglöckchen verwechselt. Auch andere Pflanzen haben Doppelgänger, die nicht zum Verzehr geeignet sind.

Pilze

Jeden Herbst zieht es zahlreiche Pilzsammler in die Wälder Bayerns. Hierbei kommt es immer wieder zu Verwechslungen zwischen Speisepilzen und ähnlich aussehenden giftigen Exemplaren.

Selbst für erfahrene Sammler ist es manchmal nicht leicht, die große Menge an Pilzen zweifelsfrei zu unterscheiden. Giftige und essbare Pilze ähneln sich oft sehr stark. Die wenigstens Arten heben sich optisch so klar von den ungefährlichen ab wie beispielsweise der Fliegenpilz!

Eignen Sie sich Wissen über essbare und giftige Pilzarten und deren Aussehen an. Wenn Sie ein Exemplar nicht kennen und einordnen können, verzichten Sie auf den Konsum. Der Verzehr von giftigen Pilzen kann unter anderem Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schweißausbrüche auslösen und in einigen Fällen tödlich enden. Wie auch bei anderen Vergiftungen ist umgehend ein Arzt oder das nächste Krankenhaus aufzusuchen.

Schnelles Handeln kann Leben retten!

Die meisten Vergiftungen können gut behandelt werden, wenn der/ die Betroffene schnell ärztliche Hilfe aufsucht oder in das nächste Krankenhaus gebracht wird. Der Zeitfaktor spielt dabei eine große Rolle. Das Risiko, das von einer Vergiftung ausgeht, sollte nie unterschätzt werden.

Vorbeugen durch Vorsicht bei Kindern im Haushalt

40 Prozent der Giftnotrufe betreffen Kinder unter fünf Jahren. Oft kam es durch Unachtsamkeit oder falsche Aufbewahrung zum Kontakt des Kindes mit Reinigungs- oder Arzneimitteln.

Kind hält einen Badreiniger in der Hand.
  • 01 Hinweis

    Kaufen Sie Reinigungsmittel, die gefährliche Substanzen enthalten, in kindergesicherten Behältern.

  • 02 Hinweis

    Füllen Sie Reinigungsmittel nicht in Lebensmittelverpackungen (Flaschen oder Aufbewahrungsdosen) um.

  • 03 Hinweis

    Bewahren Sie Medikamente in verschließbaren Hausapotheken auf.

Achtung: Bewahren Sie Chemikalien, Reinigungsmittel und Medikamente immer an einem für Kinder nicht erreichbaren Ort auf. Kleine Kinder neigen dazu, alle Dinge in den Mund zu stecken und sind deshalb besonders gefährdet!

Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Bei Vergiftungen von Kindern: Selbst Ruhe bewahren und das Kind beruhigen!
  • Das Kind Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlucken und Mengen trinken lassen.
  • Niemals Erbrechen auslösen! Nehmen Sie in jedem Fall vorher Kontakt mit dem Giftnotruf auf!
  • Niemals Milch geben!

Erste Hilfe bei Augenkontakt

  • Mit lauwarmem Wasser bei offengehaltenem Lidspalt spülen, zum Beispiel aus Kanne, Glas oder Leitung (nicht zu starker Strahl). Zehn Minuten lang, das Kind dabei blinzeln lassen.

Erste Hilfe bei Hautkontakt

  • Benetzte Kleidung entfernen.
  • Betroffene Hautpartien mit lauwarmem Wasser und Seife abwaschen.

Erste Hilfe bei Erbrechen

  • Kinder in Bauch- und Kopftieflage halten.

Erste-Hilfe bei Bewusstlosigkeit

  • Patient in Seitenlage bringen, Kopf nach unten Richtung Boden wenden.

Erste Hilfe beim Einatmen von Dämpfen

  • Für frische Luft sorgen.
Gefahrensymbole.

In Apotheken erhältliche Medizinalkohle und entschäumende Arzneimittel nur auf Anweisung des Giftnotrufs oder durch ärztliches Personal verabreichen.

Seit dem ersten Juni 2015 müssen Produkte mit den neuen Gefahrenzeichen gekennzeichnet werden. Um Vergiftungen vorzubeugen, empfehlen wir Ihnen, sich mit dieser neuen Kennzeichnung vertraut zu machen.

Beachten Sie auch die Hinweise des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz zum Umgang mit Gefahrenstoffen. Dort finden Sie ebenfalls Informationen zu den neuen Gefahrenzeichen.

Rettungswagen, Notrufnummer 112.

Giftnotruf Bayern

Bei einer Vergiftung oder dem Verdacht auf eine Vergiftung sollte umgehend der Giftnotruf verständigt werden. Diese zentrale Telefonnummer für den Giftnotruf in Bayern gibt es seit Anfang des Jahres 2015. Der Giftnotruf ist rund um die Uhr unter folgender Nummer erreichbar:

Giftinformationszentrum München089 19240
Notruf112

Das Fachpersonal beim Giftnotruf informiert bei allen Vergiftungs- und Vergiftungsverdachtsfällen und gibt Ihnen gerne allgemeine Auskünfte zum Thema Gift und Vergiftungen. Sie können sich dort über die verschiedensten relevanten Themen wie Giftigkeit von Medikamenten, Schlangenbissen oder Chemikalien informieren.

Wenn Sie die Telefonnummer des Giftnotrufs nicht zur Hand haben, verständigen Sie die allgemeine Notrufnummer 112. Die Leitstelle verbindet Sie umgehend mit dem Giftinformationszentrum.

Das Giftinformationszentrum München ist der Abteilung für Klinische Toxikologie der Technischen Universität München angegliedert. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege fördert den Giftnotruf mit über 100.000 Euro jährlich.