Krankenpflegerin stellt Beatmungsgerät einer älteren Frau ein.

Generalistische Pflegeausbildung

Sie sind gerne unter Menschen? Sie möchten im Team arbeiten, aber auch Raum für eigene Ideen haben? Sie suchen einen Beruf mit Zukunft, der sinnstiftend und abwechslungsreich ist, jeden Tag neue Herausforderungen mit sich bringt? Dann ist Pflege goldrichtig für Sie.

Es ist klar, dass wir mehr Fachkräfte im Pflegebereich brauchen. Deshalb müssen die Pflegeberufe attraktiver werden – und genau das gelingt durch die geplanten Verbesserungen.
Melanie Huml, Staatsministerin

Aus drei mach eins

Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege? Diese Frage hat man sich bisher gleich zu Beginn der Ausbildung beantworten müssen, da es unterschiedliche Ausbildungsgänge waren. Sehr früh, wenn man noch gar keinen Einblick in die einzelnen Pflegebereiche gewonnen hat.

Aber ab 1. Januar 2020 ändert sich alles. Dann werden mit dem Pflegeberufegesetz die drei Berufsbilder zu einer generalistischen Ausbildung mit dem Abschluss als Pflegefachfrau / Pflegefachmann zusammengeführt.

Generalistische Pflegeausbildung: Die Ausbildungen in den Pflegeberufen in der Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege werden zusammengeführt zum Pflegefachmann / zur Pflegefachfrau.

Warum?

Die Strukturen in der Pflege haben sich sehr verändert; die Anforderungen sind aufgrund des medizinischen Fortschritts gestiegen. In allen Pflegeeinrichtungen sind vertiefte medizinisch-pflegerische Kenntnisse erforderlich. Die Behandlungen sind komplexer geworden, auch weil moderne Medizintechnik zum Einsatz kommt.

Daneben verändert sich unsere Gesellschaft. Die Menschen werden immer älter, in den Krankenhäusern steigt der Anteil pflegebedürftiger und demenziell erkrankter Patienten stark an. Und es zeigt sich, dass zum Beispiel chronische Krankheiten auch bei Kindern zunehmen, die man bisher überwiegend von Erwachsenen kannte. In starren Strukturen denken ist da nicht sinnvoll. Ob alt, ob jung – als zukünftige Pflegefachfrau oder Pflegefachmann erlernt man die Grundlagen, um alle Menschen (vom Kleinkind bis zum Senioren) in allen Versorgungsbereichen professionell pflegen können. Außerdem müssen die Pflegenden in allen Pflegebereichen vernetzt denken.

Generalistische Pflegeausbildung: Krankes Kind, Mann im Krankenbett, Senior mit Gehhilfe

Als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann können Sie alle Menschen in allen Versorgungsbereichen professionell pflegen.

Damit stehen einem alle Türen offen. Die Berufswelt wird immer dynamischer. Anders als früher verweilen Arbeitnehmer in der modernen Arbeitswelt kaum mehr vom Berufseinstieg bis zur Rente in ihrem gewählten Ausbildungsberuf. Die Flexibilität der neuen Pflegeausbildung ist da ein großes Plus. Und wenn einen das Fernweh packt, kann man auch in Italien, Frankreich, Schweden… als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann arbeiten, denn der generalistische Abschluss wird in der ganzen Europäischen Union anerkannt.

Die praktische Ausbildung bleibt tragende Säule

Die generalistische Ausbildung ist bewusst so konzipiert, dass sie nicht nur umfangreiches theoretisches Wissen vermittelt, sondern durch gezielte praktische Anleitung auf den Pflegealltag vorbereitet. Denn tragende Säule der neuen Pflegeberufsausbildung ist auch zukünftig die praktische Ausbildung.

Ausbildungsdauer und Anforderungen

Die Ausbildung zum „Generalisten“ dauert insgesamt drei Jahre und findet sowohl in der Schule als auch in den verschiedenen Einrichtungen statt, in der der Auszubildende die praktische Ausbildung absolviert. Im dritten Jahr erwirbt man den Abschluss zur Pflegefachfrau oder Pflegefachmann.

Um „Pflegefachmann / Pflegefachfrau“ werden zu können, benötigt man insbesondere:

  • Einen mittleren Schulabschluss zum Beispiel Realschulabschluss oder
  • einen Hauptschulabschluss plus mit erfolgreich abgeschlossener
    • mindestens zweijähriger Berufsausbildung oder
    • Assistenz- oder Helferausbildung in der Pflege von mindestens einjähriger Dauer oder
  • eine erfolgreich abgeschlossene zehnjährige allgemeine Schulbildung
    und
  • ausreichende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift.

Wie wird die neue Pflegeausbildung finanziert?

Das Pflegeberufegesetz stellt die Finanzierung der Ausbildung auf eine neue Grundlage. Alle Krankenhäuser und ambulanten sowie stationären Pflegeeinrichtungen, die Pflegeversicherung und der Freistaat Bayern zahlen in einen Ausbildungsfonds für Bayern ein. Künftig leisten alle Akteure, die von der Ausbildung profitieren, einen finanziellen Beitrag dazu – auch diejenigen Einrichtungen, die nicht selbst ausbilden! Dies vermindert Wettbewerbsnachteile und bietet eine Chance, mehr Einrichtungen dazu zu motivieren, künftig auszubilden.

Die Pflegeschulen und Träger der praktischen Ausbildung erhalten die Kosten der Pflegeausbildung aus dem Fonds erstattet. Zusätzlich werden den Trägern der praktischen Ausbildung die gezahlten Ausbildungsgehälter im ersten Ausbildungsjahr in voller Höhe ersetzt, in den letzten beiden Ausbildungsjahren zu großen Teilen. Die finanziell gesicherten Strukturen bilden die Grundlage für eine qualitativ hochwertige Pflegeausbildung und somit gut ausgebildete Pflegefachkräfte. Ausbildende Einrichtungen profitieren von dieser finanziellen  Planungssicherheit.

Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen refinanzieren ihre an den Fonds geleisteten Zahlungen, indem sie ihren Rechnungen beziehungsweise bei ihren Pflegeentgelten einen Ausbildungszuschlag hinzufügen. So sieht es die bundesrechtliche Ermächtigung in § 18 Abs. 2 Pflegeberufegesetz vor. Die Höhe des Ausbildungszuschlages in den Krankenhäusern vereinbaren die Vertragsparteien nach § 18 Absatz 1 Satz 2 Krankenhausfinanzierungsgesetz. Stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen kalkulieren die auf sie entfallenden Umlagebeträge in die Vergütungssätze für die allgemeinen Pflegeleistungen nach § 84 Absatz 1 und § 89 SGB XI ein.

Im Krankenhausbereich ist der Ausbildungszuschlag Teil der allgemeinen Kostenaufstellung, die Sie als Patient gegenüber Ihrer Krankenkasse in Abrechnung bringen.

Pflegedienste und Pflegeeinrichtungen geben die von ihnen zu zahlenden Umlagebeträge an die Pflegebedürftigen weiter. Sie sind Bestandteil ihrer Pflegeleistungen und werden separat auf Ihrer Rechnung ausgewiesen. Pflegekassen übernehmen die Kosten der Pflegeleistungen bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Höhe der Sachleistungsbeträge. Sollte der Rechnungsbetrag höher sein, so muss der Differenzbetrag von Ihnen als Pflegebedürftige/r selbst bezahlt werden beziehungsweise im Falle von Bedürftigkeit vom Sozialhilfeträger.

Der Verdienst

In der Pflege gibt es keinen allgemein verbindlichen Tarifvertrag. Deshalb kann die Vergütung sehr unterschiedlich ausfallen. In jedem Fall erhalten die Auszubildenden ab dem ersten Ausbildungsjahr eigenes Gehalt (in der Regel über 1.000 Euro), das mit jedem Ausbildungsjahr steigt.

Pflegen mit Abitur? Ein neues Pflegestudium kommt dazu.

Mit dem Pflegeberufegesetz wird ein zusätzliches Pflegestudium eingeführt, das zur unmittelbaren Pflege am Kranken- oder Pflegebett qualifizieren soll; zum Beispiel weil Pflegebedürftige immer häufiger an vielen Krankheiten gleichzeitig leiden und hochkomplexe Pflegebedarfe zunehmen.

Dadurch sollen pflegewissenschaftliche Erkenntnisse schneller in der Pflegepraxis ankommen und die Innovationsfähigkeit in der Pflege steigern. Das Pflegestudium eröffnet neue Karrieremöglichkeiten für Abiturientinnen und Abiturienten. Es ist auch ein wichtiges Signal für die Weiterentwicklung der Profession und die Aufwertung des Berufs.

Gute Pflege braucht gute Pflegefachmänner und Pflegefachfrauen – vielleicht Sie?

Pflegestudium: Zwei Menschen mit Diplom

Pflegeschulen

Gerne beraten Sie auch Einrichtungen oder Pflegeschulen in Ihrer Nähe:

Kampagne „Mach Karriere als Mensch!“

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat im Rahmen der „Ausbildungsoffensive Pflege (2019–2023)“ eine bundesweite Informations- und Öffentlichkeitskampagne „Mach Karriere als Mensch!“ gestartet. Diese macht auf die Chancen und Vorteile der ab Anfang 2020 beginnenden neuen Pflegeausbildung aufmerksam.

Grafik der Kampagne Mach Karriere als Mensch! pflegeausbildung.net

Initiative HERZWERKER ALTENPFLEGE

Die Initiative HERZWERKER ALTENPFLEGE lief erfolgreich bis Ende 2019 und sollte Schulabsolventinnen und Schulabsolventen für die Altenpflege begeistern. Mit der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung in Bayern richten wir unsere Bemühungen zur Nachwuchsgewinnung in der Pflege neu aus.

Pflegerin zeigt einem älteren Herren etwas.