Krankenpflegerin stellt Beatmungsgerät einer älteren Frau ein.

Generalistische Pflegeausbildung

Wir brauchen mehr junge Menschen, die in der Pflege ihre berufliche Zukunft sehen. Die generalistische Pflegeausbildung bietet attraktive Rahmenbedingungen mit besten Perspektiven.

Die generalistische Pflegeausbildung – oft verkürzt nur „Generalistik“ genannt – wird ab dem Ausbildungsjahr 2020 angeboten. Sie vereint drei Berufe, die bisher getrennt ausgebildet wurden:

  • Gesundheits- und Krankenpflegerin und Gesundheits- und Krankenpfleger
  • Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger
  • Altenpflegerin und Altenpfleger

Durch die Vereinheitlichung der Pflegeausbildung ab 2020 stehen Absolventinnen und Absolventen künftig alle drei Fachgebiete der Pflege, also Alten-, Kinderkranken- oder Krankenpflege offen. Die Wahl des Ausbildungsorts schränkt die spätere Berufswahl nicht mehr ein.

„Es ist klar, dass wir mehr Fachkräfte im Pflegebereich brauchen. Deshalb müssen die Pflegeberufe attraktiver werden – und genau das gelingt durch die geplanten Verbesserungen.“
Melanie Huml, Staatsministerin

Beruflich durchstarten! – Eine Ausbildung – viele Karrieremöglichkeiten

Mit einer Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau stehen Ihnen viele Wege offen: Ob mit kranken, sehr jungen oder alten Menschen – Sie entscheiden, mit wem Sie arbeiten möchten, müssen sich dazu aber nicht für immer festlegen.

So flexibel wie Sie

Pflegefachmänner und Pflegefachfrauen arbeiten in allen pflegerischen Bereichen und Einrichtungen. Die Ausbildung ist europaweit anerkannt – Sie können also auch im Ausland arbeiten. Außerdem können Sie während der Ausbildung oder danach zwischen den verschiedenen Bereichen wechseln und sind flexibel, wenn Sie zum Beispiel eine Zeit lang lieber in der Kinderkrankenpflege statt der Altenpflege arbeiten möchten.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Die generalistische Pflegeausbildung gliedert sich in einen schulischen und einen betrieblichen Teil. Der theoretische und praktische Unterricht findet an einer staatlichen oder staatlichen anerkannten Pflegeschule statt und hat einen Umfang von 2.100 Stunden. Die betriebliche Ausbildung ist mit 2.500 Stunden deutlich umfangreicher und wird in verschiedenen Pflegeeinrichtungen (zum Beispiel Akutkrankenhaus, stationäre Langzeitpflegeeinrichtung, ambulante Akut- und Langzeitpflegeeinrichtung, Psychiatrie, Pädiatrie) durchgeführt. Für den Ablauf der Ausbildung ist dabei insbesondere die Wahl des Trägers der praktischen Ausbildung, also der Ausbildungseinrichtung wichtig, mit der der Ausbildungsvertrag geschlossen wird.

Neuerungen durch das Pflegeberufegesetz

Zum 1. Januar 2020 tritt das neue Pflegeberufegesetz (PflBG) in Kraft und regelt die Rahmenbedingungen für die generalistische Pflegeausbildung. Mit diesem hat der Gesetzgeber die Pflegeausbildung an die veränderten Strukturen in der Pflege angepasst. Durch zahlreiche Verbesserungen sollen gerade junge Menschen für die Ausbildung im Pflegeberuf begeistert werden: So muss kein Schulgeld mehr bezahlt werden – und eine angemessene Ausbildungsvergütung wird im Gesetz festgeschrieben. Durch die Modernisierung der Ausbildungsinhalte und mehr Praxisanleitung im Ausbildungsbetrieb gewinnt die Ausbildung zusätzlich an Attraktivität.

Das PflBG löst das Altenpflegegesetz und das Krankenpflegegesetz ab. Der Bundestag hat das Gesetz am 22. Juni 2017 beschlossen und der Bundesrat am 7. Juli 2017 zugestimmt.

Finanzierung der generalistischen Pflegeausbildung

Am 8. Oktober 2018 hat das bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium in München einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit der Pflegeausbildungsfonds Bayern GmbH i.Gr. unterzeichnet. Dadurch wird die Finanzierung der generalistischen Pflegeausbildung ab dem Jahr 2020 durch einen umlagefinanzierten Ausgleichsfonds völlig neu geregelt.

Künftig zahlen sowohl die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen als auch die Pflegeversicherungen und der Freistaat in den Ausgleichsfonds ein. Aus diesem erhalten die Träger der praktischen Ausbildung und die Pflegeschulen sodann Ausgleichszuweisungen. Die Pflegeausbildungsfonds Bayern GmbH wird den Ausgleichsfonds verwalten und die Einzahlungen und Ausgleichszuweisungen veranlassen.

Künftig leisten also alle Akteure, die von der Ausbildung profitieren, einen finanziellen Beitrag dazu – auch diejenigen Einrichtungen, die nicht selbst ausbilden.

Mögliche Einsatzorte im Rahmen der generalistischen Pflegeausbildung

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege unterstützt die Ausbildungsträger und -schulen bei der Einführung des neuen Pflegeberufegesetzes unter anderem mit Listen zu möglichen Einsatzorten in der Pädiatrie, Psychiatrie und „weiteren Einsatzorten“. Diese Listen werden kontinuierlich weitergeführt. Die Aktuellsten finden Sie immer hier:

Psychiatrische Einsatzorte

Beispiele für Einsatzorte in der psychiatrischen Versorgung (120 Std.)

Psychiatrische Kliniken
Stationäre Einrichtungen für psychisch Kranke oder Suchtkranke
Forensische Kliniken
Ambulant betreute Wohngruppen
Sozialpsychiatrische Dienste
Suchtberatungstellen
Psychosoziale Beratungsstellen
Wohngemeinschaften für Demenzkranke
Psychiatrische Institutsambulanzen
Tagesstätten im Rahmen der Eingliederungshilfe
Werkstätten für psychisch Kranke
Gerontopsychiatrische Einrichtungen
Psychiatrische Krisendienste
Stationsäquivalente Behandlungsteams
Praxen mit suchtmedizinischem Schwerpunkt
Einrichtungen der interdisziplinären Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderung und komorbiden psychischen Erkrankungen
Niedergelassene Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie
Forensische Jugendpsychiatrien
Ambulant psychiatrische Pflegedienste

Pädiatrische Einsatzorte

Beispiele für Einsatzorte in der pädiatrischen Versorgung (120 Std.)

Ambulante Kinderpflegedienste
Einrichtungen für pflegebedürftige Kinder
Kinderkliniken
Kinderarztpraxen
Hebammenpraxen*
Wohnheime für Kinder und Jugendliche mit Behinderung
Förderschulen
Heilpädagogische Tagesstätten
Sonderpädagogische Förderzentren für verhaltensauffällige oder lernverzögerte Kinder und Jugendliche
Sozialpädiatrische Zentren
Einrichtungen der Eingliederungshilfe
Kinderkrippen
Integrative Einrichtungen für Kinder, zum Beispiel integrative Kindergärten
Gesundheitsämter (wenn dort Schuleingangsuntersuchungen durchgeführt werden)
Kinder- und Jugendpsychiatrien
Solitäre Familienpflegestationen mit Einsätzen bei Säuglingen und Kleinkindern sowie bei Kindern mit Behinderungen
Kinder- und Jugendberatungsstellen

* in Einzelfällen möglich

Weitere Einsatzorte

Beispiele für Einsatzorte für den weiteren Einsatz (80 Std.)

Pflege

Rehabilitionskliniken
Palliative Einrichtungen, Hospize
Intensivpflegeeinrichtungen
Dialysezentren
Krankenstationen in Gefängnissen
Privatkliniken nach § 30 GewO
Eingliederungshilfeeinrichtungen mit Pflegezuschlägen
Regeleinrichtungen im Bereich der Kinder- und Tagesbetreuung mit Einzelintegration
Straßenambulanzen

Beratung

Beratungseinrichtungen (zum Beispiel bzgl. Drogen, HIV, Schwangerschaft), Pflegestützpunkte
Beratungsstellen für Familien
An Kliniken angegliederte Betreuungs- und Beratungseinrichtungen
Medizinischer Dienst der Krankenversicherung, Krankenkassen
Gesundheitszentren
Elterninitiativen für krebskranke Kinder (zum Beispiel Projekt KONA)
Demenzagentur Bayern oder regionale Demenzagenturen
Fachstellen für pflegende Angehörige
Unabhängige Patientenberatungsstellen
Gesundheitsregionen plus

Behinderteneinrichtungen

Familienentlastende Dienste
Offene Behindertenarbeit

Sonstiges

Stadtmissionen/Bahnhofsmissionen
Blindeninstitute
Einrichtungen für Hörgeschädigte
Mutter-Kind-Wohnen

So werden Sie Teil der generalistischen Pflegeausbildung

Die neue generalistische Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufegesetz erfordert eine enge Zusammenarbeit der Pflegeschulen, des Trägers der praktischen Ausbildung sowie der weiteren an der Ausbildung beteiligten Einrichtungen. Denn künftig werden große Teile der Ausbildung nicht mehr beim Träger der praktischen Ausbildung stattfinden. Um diese Zusammenarbeit ab 2020 erfolgreich zu gestalten, ist es erforderlich, dass die Beteiligten sich jetzt

  • einen Überblick über die eigenen Ausbildungskapazitäten (als Träger der praktischen Ausbildung bzw. als weiterer Einsatzort oder als Schule) verschaffen,
  • mit möglichen Kooperationspartnern (sektoren- und trägerübergreifend) austauschen und
  • in Ausbildungsverbünden zusammenschließen.

1. Über die Kooperationstreffen informieren

Beste Gelegenheit zur Information und Vernetzung bot Ihnen die Kooperationsveranstaltungen des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. Sie fanden von Januar bis April 2019 in ganz Bayern statt. In unserer Download-Cloud können Sie die Unterlagen aus den Veranstaltungen herunterladen.

2. Partner im Bündnis für generalistische Pflegeausbildung in Bayern werden

Als großen Meilenstein sehen wir das am 8. Januar 2019 geschlossene „Bündnis für die generalistische Pflegeausbildung“. Diese Willensbekundung zur Kooperationsbereitschaft auf politischer Ebene soll die Zusammenarbeit in der Region im Rahmen von Ausbildungsverbünden befördern.

Ihr Verband oder Ihre Einrichtung ist an der Pflegeausbildung beteiligt und möchte beitreten? Dann schreiben Sie uns!

Vorträge herunterladen

Die Veranstaltungsfolien aus den Kooperationstreffen finden Sie in unserem Cloudservice. Die Zugangsdaten hierfür erhalten Sie umgehend, sobald Sie eine E-Mail an download@stmgp.bayern.de senden.

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