Eine jüngere Dame und ein älterer Herr kommunizieren.

Aktuelles aus der Pflege

Hier finden Sie aktuelle Themen aus dem Bereich Pflege.

Fachkonferenz Wohnen und Pflege

Am 11. November 2020 hat das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege eine digitale Fachkonferenz zum Thema „Wohnen und Pflege“ veranstaltet. Die Veranstaltung wurde via Livestream für alle Bürgerinnen und Bürger auf unserer Internetseite übertragen.

Die Präsentationen der Fachkonferenz finden Sie in unserem Downloadbereich. Zugang erhalten Sie in dem Sie uns eine E-Mail an download@stmgp.bayern.de senden.

ConSozial

Ein aktives Lebenszeichen trotz Absage der ConSozial finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Bayerischen Sozialnachrichten unter anderem mit dem Beitrag zu „Covid-19 durch die Langzeitpflege – zwischen Schutzmaßnahmen und lebensqualität“.

Sonderregelungen für die häusliche Pflege während der Corona-Pandemie

Pflegende An- und Zugehörige stehen während der Corona-Pandemie vor besonderen Herausforderungen. Folgende Regelungen wurden getroffen, um die Situation häuslich Pflegender zu verbessern:

Kurzzeitige Arbeitsverhinderung / Pflegeunterstützungsgeld

Mit dem Zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite (2. BevSchG, in Kraft seit dem 23. Mai 2020) wurden befristete Erleichterungen bei der kurzfristigen Arbeitsverhinderung und beim Pflegeunterstützungsgeld eingeführt. Diese gelten bis zum 30. Juni 2021.

Danach dürfen Beschäftigte bis 30. Juni 2021 der Arbeit bis zu 20 Tage fernbleiben, wenn die akute Pflegesituation aufgrund der COVID-19-Pandemie aufgetreten ist (§ 9 Abs. 1 PflegeZG, statt zehnTage wie bei einem anderweitigen Akutereignis nach § 2 Abs. 1 PflegeZG). Wenn die häusliche Pflege coronabedingt nicht anders sichergestellt werden kann, haben Beschäftigte nach § 150 Abs. 5d SGB XI Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld für insgesamt bis zu 20 Arbeitstage (statt bis zu 10 Tage wie bei einem anderweitigen Akutereignis), sofern keine Ansprüche auf Lohnfortzahlung oder anderweitige Lohnersatzleistungen bestehen. Bereits vor Inkrafttreten dieser Sonderregelung in Anspruch genommenes Pflegeunterstützungsgeld wird auf den Anspruch nach § 150 Abs. 5d SGB XI angerechnet.

Teilzeit durch Familienpflegezeit

Im 2. BevSchG wurde auch geregelt, dass die Mindestarbeitszeit von 15 Wochenstunden während der Familienpflegezeit vorübergehend (bis maximal ein Monat lang) unterschritten werden kann; die Ankündigungsfrist für die Familienpflegezeit wird auf zehn Tage (statt acht Wochen) verkürzt (§ 16 FPfZG). Außerdem wird das Darlehen, das pflegende Angehörige in der Familienpflegezeit in Anspruch nehmen können, den aktuellen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt angepasst (Monate mit pandemiebedingten Einkommensausfällen können unberücksichtigt bleiben) und die Rückzahlung wird erleichtert (§ 3 FPflZG).

Wer den gesetzlichen Rahmen für die Auszeiten (sechs Monate Pflegezeit, 24 Monate Familienpflegezeit) bisher nicht ausgeschöpft hat, soll kurzfristig Restzeiten der Freistellungen in Anspruch nehmen können (bis zu maximal 24 Monaten insgesamt). Diese Regelungen sind ebenfalls bis 30. Juni 2021 befristet.

Kostenerstattung nach § 150 Abs. 5 SGB XI

Außerdem können nach § 150 Abs. 5 SGB XI die Pflegekassen für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 nach ihrem Ermessen auf Antrag Kostenerstattung bis zur Höhe der ambulanten Sachleistungsbeträge (§ 36 SGB XI) gewähren, wenn deren häusliche Versorgung durch eine zugelassene Pflegeeinrichtung nicht mehr sichergestellt werden kann. Diese hat der Bund durch das Gesetz zum Ausgleich COVID-19 bedingter finanzieller Belastungen der Krankenhäuser und weiterer Gesundheitseinrichtungen (COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz) eingeführt. Bei der Versorgung der oder des Pflegebedürftigen sind dann vorrangig Leistungserbringer zu berücksichtigen, die von Pflegefachkräften geleitet werden. Sofern dies nicht in Betracht kommt, kann die Versorgung durch Leistungserbringer mit einer Qualifikation aus dem Gesundheits- und Sozialbereich erfolgen (zum Beispiel zugelassene Betreuungsdienste, medizinische Leistungserbringer, anerkannte Betreuungs- und Entlastungsangebote). Dieses Vorgehen ist allerdings vorab mit der Pflegekasse im Einzelfall zu klären. Diese Regelung ist ebenfalls bis zum 30. Juni 2021 befristet.

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Auf Grund der Corona-Pandemie wurden Flexibilisierungen bezüglich des Entlastungsbetrags eingeführt, die mehrfach verlängert wurden. So können Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 bis zum 30. Juni 2021 den Entlastungsbetrag nach § 45b SGB XI in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich im Wege der Kostenerstattung auch für andere als die in § 45 b Absatz 1 Satz 3 SGB XI aufgezählten Leistungen verwenden. Diese müssen allerdings der Sicherstellung der Versorgung bei einem durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursachten Versorgungsengpass dienen. Dies betrifft Hilfen bei körperbezogenen Pflegemaßnahmen, bei pflegerischen Betreuungsmaßnahmen sowie bei der Haushaltsführung. Ein noch nicht in Anspruch genommener Entlastungsbetrag aus 2019 und aus 2020, kann bis zum 30. September 2021 übertragen werden.

Verhinderungspflege

Für häusliche Pflegepersonen, die die Versorgung ihrer Pflegebedürftigen zeitweise nicht ausüben können (zum Beispiel weil sie selbst an COVID-19 erkrankt sind), steht die Leistung der Verhinderungspflege zur Verfügung. Sie kann bis zu 1.612 Euro gewährt werden; der hälftige Betrag, das heißt bis zu 806 Euro nicht in Anspruch genommener Kurzzeitpflege, kann ebenfalls für Leistungen der Verhinderungspflege eingesetzt werden.

Voraussetzung ist eine Vorpflegezeit von sechs Monaten und dass der Pflegebedürftige mindestens Pflegegrad 2 hat. Die Leistung kann stunden-, tage- oder wochenweise durch einen Pflegedienst, Nachbarn, Bekannten oder Verwandten erbracht werden. Hierbei handelt es sich nicht um eine coronabedingte Sonderregelung.

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch

Die Monatspauschale für Pflegehilfsmittel im Sinn von § 40 SGB XI wurde rückwirkend ab 1. April 2020 von 40 Euro auf 60 Euro erhöht durch die Verordnung zum Ausgleich COVID-19 bedingter finanzieller Belastungen der Zahnärztinnen und Zahnärzte, der Heilmittelerbringer und der Einrichtungen des Müttergenesungswerks oder gleichartigen Einrichtungen sowie zur Pflegehilfsmittelversorgung (COVID-19-VSt-SchutzV). Diese Regelung ist befristet bis 31. Dezember 2021.

Schul- und Ausbildungsbetrieb im Schuljahr 2020/ 2021 im Bereich der Gesundheitsfachberufe sowie den sozialpädagogischen und sozialpflegerischen Berufen

Die Ausbildung in Gesundheitsfachberufen sowie den sozialpädagogischen und sozialpflegerischen Berufen hat einen wichtigen Stellenwert. Auch während der Corona-Pandemie muss das erfolgreiche Durchlaufen und Bestehen der Ausbildung, im Interesse aller, im Fokus stehen. Weswegen ein gemeinsamer und besonnener Weg aller an der jeweiligen Ausbildung beteiligten Akteure unabdingbar ist. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege bemüht sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie allen an der Ausbildung beteiligten Akteuren Hilfestellung zu Fragestellungen die Ausbildung in Gesundheitsfachberufen betreffend zu geben. Fragen und Antworten rund um das Thema Abschlussprüfungen in den Gesundheitsfachberufen finden Sie in unseren FAQs zu Abschlussprüfungen in den Gesundheitsfachberufen während der Corona-Pandemie.

Pflege 2050 in Bayern

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat Anfang 2019 ein Gutachten für den Bereich der Pflege und Pflegekräfte in Bayern bis zum Jahr 2050 in Auftrag gegeben.

Untersucht wurde die Ist-Pflegesituation im häuslichen, vollstationären und teilstationären Bereich in Bayern insgesamt, den Regierungsbezirken, Planungsregionen und Landkreisen sowie kreisfreien Städten. Weiterhin wurde eine Pflegebedarfsprognose bis zum Jahr 2050 erstellt, einschließlich des erforderlichen Pflegepersonals.
Die Prognosen sollen alle zwei Jahre – entsprechend der Pflegestatistik – aktualisiert werden. Alle fünf Jahre erfolgt eine Evaluation der dem Gutachten zugrundeliegenden Annahmen. Für den Bereich der Menschen mit Behinderung, die pflegebedürftig geworden sind, wird in Kürze eine ergänzende Erhebung bei den Bayerischen Bezirken durchgeführt. In diesem Bereich, so wird immer wieder berichtet, gäbe es bereits heute viel zu wenige altersspezifische Angebote.

Für den Bereich der Altenpflege stellt das Bedarfsgutachten eine deutliche Zunahme des Anteils älterer und hochaltriger Menschen an der Gesamtbevölkerung in Bayern in den kommenden Jahren fest. Im Unterschied zu den meisten anderen Ländern in Deutschland, wird die Bevölkerung in Bayern in den nächsten 20 Jahren um 484.000 Personen wachsen. Ebenfalls erhöhen wird sich der Anteil der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung. In dieser Altersgruppe ist mit einem Anstieg von derzeit 4 Prozent auf rund 12 Prozent im Jahr 2050 zu rechnen. Da die Pflegeprävalenz ab dem Alter von etwa 75 Jahren stark ansteigt, ist zu erwarten, dass auch die Zahl der pflegebedürftigen Personen in Bayern in den nächsten Jahren deutlich zunehmen wird.
Dabei dürfte der Wunsch nach einer Pflege zu Hause auch in Zukunft im Vordergrund stehen. Dies wird auch in der kürzlich erschienenen Pflegestatistik für das Jahr 2019 deutlich. Dort hat sich der Anteil der zu Hause lebenden Pflegebedürftigen auf rund 78 Prozent erhöht. Laut der Pflegestatistik des Jahres 2017 waren es noch beinahe 72 Prozent. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege wird alle Bemühungen daransetzen, die häusliche Pflegeinfrastruktur und den sozialen Nahraum zu stärken.

Im Bereich der der teilstationären Versorgung sind bei Tagespflegeeinrichtungen hohe Zuwachsraten festzustellen. Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Aber auch bei den Pflegeheimen, die bereits heute mit knapp 93 Prozent eine relativ hohe Auslastung haben, ist zu erwarten, dass die vorhandenen Kapazitäten in den nächsten Jahren ausgebaut werden müssen. Nach wie vor weisen nur wenige Landkreise bzw. kreisfreien Städte eine ausreichende Versorgung mit Kurzzeitpflegeplätzen auf. Es wird immer schwieriger, eine adäquate Versorgung zu finden, insbesondere für Personen mit besonderen pflegerischen Bedarfen.

Im Bereich der ambulanten Versorgung nahm sowohl die Zahl der Pflegedienste als auch deren Personal zu. Das Angebot an ambulanten Pflegediensten ist in 60 % aller Landkreisen in Bayern derzeit jedoch eher als nicht ausreichend anzusehen.

Weiterhin haben die Ergebnisse des Gutachtens aufgezeigt, dass aufgrund des rückläufigen Erwerbspersonenpotenzials bereits in den nächsten fünf Jahren mit einem erheblichen Fachkräftemangel in der Pflege zu rechnen ist.
Die in dem Gutachten erarbeiteten Handlungsempfehlungen werden noch eingehend auf deren Umsetzungsmöglichkeiten geprüft.
Das wichtigste Ziel ist und bleibt es, die Pflege sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich, auf hohem Niveau zu sichern. Dies gilt für die pflegerische Versorgung in allen bayerischen Regionen, einschließlich dem ländlichen Bereich. Dieses Ziel lässt sich nur gemeinsam mit allen Beteiligten in der Pflege verwirklichen.

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Das Gutachten kann mit einer E-Mail an: download@stmgp.bayern.de angefordert werden. Sie bekommen in der Folge einen Link und ein Passwort zu einer Cloud des StMGP, aus der Sie sich das Gutachten herunterladen können.

Studie zur Gesundheits- und Pflegewirtschaft in Bayern

Die Studie belegt: Gesundheit und Pflege sind nicht nur ein reiner Kosten-, sondern auch ein herausragender Beschäftigungs- und Wirtschaftsfaktor geworden. Die Gesundheits- und Pflegewirtschaft ist eine der stärksten und zukunftsträchtigsten Branchen im Freistaat. Sie hat sich in den letzten zehn Jahren zum krisenresistenten Wachstumsmotor für den Wirtschaftsstandort Bayern entwickelt. Ihre Bedeutung wird aufgrund der demographischen Entwicklung und einem weiterhin zunehmenden Gesundheitsbewusstsein in der Zukunft noch steigen. Aufschlussreich sind unter anderem folgende Daten der Studie:

  • Die Gesundheits- und Pflegewirtschaft ist Wachstums- und Beschäftigungstreiber für den Wirtschaftsstandort Bayern. 2017 generierte sie eine Bruttowertschöpfung von rund 56 Milliarden Euro und beschäftigte rund 1,2 Millionen Erwerbstätige. Damit entsteht rund jeder zehnte Euro der bayerischen Wirtschaftskraft in dieser Branche. Gleichzeitig sichert sie rund jeden sechsten Arbeitsplatz im Freistaat.Die Gesundheits- und Pflegewirtschaft ist in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt jährlich stärker gewachsen als die bayerische Gesamtwirtschaft. Seit 2008
    • ist der BWS-Anteil der Gesundheits- und Pflegewirtschaft an der bayerischen Gesamtwirtschaft überdurchschnittlich stark gestiegen (um  0,6 Prozent auf 10,4 Prozent in 2017) und dies – im Gegensatz zu anderen Branchen – auch während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009.
    • verzeichneten sowohl die Bruttowertschöpfung als auch die Erwerbstätigenzahl innerhalb der bayerischen Gesundheits- und Pflegewirtschaft ein positives Wachstum.
    • entwickelten sich auch die Exporte der Branche im Vergleich zur Gesamtwirtschaft deutlich dynamischer.
  • Im Vergleich zur bayerischen Automobilindustrie generierte die Gesundheits- und Pflegewirtschaft 2017 rund 14 Milliarden Euro mehr an Bruttowertschöpfung und beschäftigte mehr als das Vierfache an Erwerbstätigen. Hierbei ist zu beachten, dass die Gesundheits- und Pflegewirtschaft – bestehend sowohl aus industriell- als auch dienstleistungsgeprägten Teilbereichen – mit der Automobilindustrie als reiner Industriebranche verglichen wird. Jedoch gilt auch beim Vergleich zu anderen bayerischen Dienstleistungssektoren, dass der Anteil der Gesundheits- und Pflegewirtschaft an der BWS und den Erwerbstätigen überdurchschnittlich hoch ist.
  • Sport-, Wellness- und Tourismusdienstleistungen als Teil der Gesundheits- und Pflegewirtschaft sind in Bayern stärker ausgeprägt als in jedem anderen Land. 2017 generierte mit 2,8 Milliarden Euro kein anderes Bundesland mehr Bruttowertschöpfung. 62.000 Erwerbstätige waren hier tätig.
  • In Bayern ist die Bereitschaft, private finanzielle Mittel in die eigene Gesundheit zu investieren, besonders hoch. Mit einem Anteil an den gesamten Konsumausgaben von 39,4 Prozent liegt in Bayern weit über dem Bundesdurchschnitt (28,1 Prozent).
  • Der Teilbereich Ausbildung in Gesundheits- und Pflegeberufen hat sich im Freistaat von 2008 bis 2017 besonders dynamisch entwickelt.
  • Die Analyse der Gesundheitsregionenplus zeigt, welchen wichtigen Beitrag die Gesundheits- und Pflegewirtschaft außerhalb der Metropolregionen für die Entwicklung des ländlichen Raumes leistet. Hier entstanden 2017 mit rund 29 Milliarden Euro rund 52 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung innerhalb der bayerischen Gesundheits- und Pflegewirtschaft und arbeiteten über 670.000 Erwerbstätige und damit rund 56 Prozent aller Beschäftigten der bayerischen Gesundheits- und Pflegewirtschaft.

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Die Langfassung der Studie zur Gesundheits- und Pflegewirtschaft in Bayern kann mit einer E-Mail an: download@stmgp.bayern.de angefordert werden. Sie bekommen in der Folge einen Link und ein Passwort zu einer Cloud des StMGP, aus der Sie sich die gewünschte Datei herunterladen können.

Anteil an der gesamten Bruttowertschöpfung in Bayern

im Jahr 2017 , in Prozent. Quelle: BMWi; GGR, Ausgabe 2019; Statistisches Landesamt Baden-Württemberg im Auftrag des AK VGRdL, Berechnungen WifOR

  • Gesundheits- und Pflegewirtschaft 10,4
  • Information und Kommunikation 5,2
  • Verkehr und Lagerei 3,7
  • Gastgewerbe 1,7

Gutachten zur Situation der Kurzzeitpflege in Bayern

Die Sicherung der ambulanten pflegerischen Versorgung von pflegebedürftigen Menschen in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung ist ein wesentliches pflegepolitisches Ziel. Hier setzt die Kurzzeitpflege gemäß § 42 SGB XI an: Kann die häusliche Pflege nach einer stationären Behandlung der pflegebedürftigen Person, bei häuslichen Krisensituationen, zum Beispiel bei Überlastung oder Erkrankung einer Pflegeperson, zeitweise nicht im erforderlichen Umfang sichergestellt werden, haben die Versicherten Anspruch auf stationäre Kurzzeitpflege.

In den letzten Jahren häufen sich bundesweit die Anzeichen für Engpässe bei Kurzzeitpflegeplätzen, dies gilt auch für einige Regionen in Bayern.

Die Belastung der verschiedenen Regionen ist dabei ungleich verteilt, vor allem für den ländlichen Raum ist die Gefahr der Unterversorgung nicht ausgeschlossen.

Besonders hier macht sich mit der zunehmenden Erwerbstätigkeit der Frauen und dem vermehrten Wegzug junger Menschen aus ländlichen Gebieten der Wegfall zweier wichtiger Ressourcen der familialen Pflege bemerkbar.

Die bereits vorhandene und die prognostiziert weiter stark steigende Nachfrage nach professioneller Versorgung trifft zum Teil schon jetzt auf ein unzureichendes Angebot, das zum einen durch den tatsächlichen Mangel an Plätzen, zum anderen durch das Fehlen von Pflegepersonal geprägt ist.

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege hat im letzten Jahr eine Untersuchung in Auftrag gegeben, um sehr detailliert unter anderem die Situation der Kurzzeitpflege in Bayern und den Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte untersuchen zu lassen.

Die Ergebnisse des Gutachtens haben aufgezeigt, dass in Bayern keine Region eine insgesamt ausreichende Deckung des Bedarfs an Kurzzeitpflegeplätzen aufweisen kann und mit einer weiteren Zunahme der Nachfrage nach Kurzzeitpflegeplätzen – bei gleichzeitiger Abnahme der Kapazitäten der solitären Kurzzeitpflege – gerechnet werden muss.

Insbesondere Menschen mit psychiatrischen beziehungsweise gerontopsychiatrischen Erkrankungen, herausforderndem Verhalten, Menschen mit Behinderung und junge Pflegebedürftige haben große Probleme, einen Kurzzeitpflegeplatz zu finden, da die verfügbaren Kurzzeitpflegeplätze in der Regel nicht auf ihre besonderen Bedürfnisse ausgerichtet sind.

Maßnahmen wie die Kurzzeitpflege dienen nicht nur der fachlich guten Versorgung der Pflegebedürftigen, sondern auch maßgeblich der Entlastung pflegender Angehöriger. Zudem wird mit einer Verbesserung der Versorgungsstruktur vor Ort „im Nebeneffekt“ auch der soziale Nahraum jedes Einzelnen erheblich aufgewertet, was auch ein Beitrag gegen Abwanderungstendenzen sein kann.
Die Gründe, warum so wenige Kurzzeitpflegeplätze in Bayern angeboten werden, sind sehr vielfältig und mögliche Lösungsansätze daher komplex.

Bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Kurzzeitpflege in Bayern sind neben dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege auch Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Spitzenverbände, der Wohlfahrtsverbände sowie der Arbeitsgemeinschaft der Pflegekassen in Bayern eingebunden.

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Modellprojekt „Vorbildliches Pflegewohnumfeld für Pflegebedürftige: DeinHaus 4.0“

Der Freistaat Bayern fördert die Projektreihe „Vorbildliches Pflegewohnumfeld für Pflegebedürftige: DeinHaus 4.0“.

Am Dienstag, den 11. Februar 2020 hat Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml einen weiteren Förderbescheid überreicht, diesmal an die Technische Hochschule (TH) Rosenheim.

Ziel des Forschungsprojekts „Dein Haus 4.0 – Oberbayern Wohnkompetenzzentrum an den Standorten Freilassing und Rosenheim“ der TH Rosenheim ist es, die Wirksamkeit von technischen Assistenzsystemen zu erproben und die Zufriedenheit der Nutzenden zu evaluieren. Dabei soll beleuchtet werden, wie in der Zukunft ein Smart Home aussehen könnte, das den speziellen Bedürfnissen von älteren Menschen, aber auch ihrer Pflege- und Therapiekräfte gerecht wird.

Das „DeinHaus 4.0“-Projekt der TH Rosenheim ist damit bereits das dritte Projekt der Modellreihe.

Was ist „DeinHaus 4.0“?

Bei „DeinHaus 4.0“ handelt es sich um eine Projektreihe, mit der intelligente Assistenztechnik für Pflegebedürftige erforscht und für die Bürgerinnen und Bürger erlebbar gemacht werden soll. Das erste „DeinHaus 4.0“-Projekt hat die Technischen Hochschule Deggendorf (THD) im Sommer 2018 begonnen. Ein Projektbestandteil dort ist die Einrichtung von Musterwohnungen: Das erste Musterhaus wurde am 24. September 2019 im niederbayerischen Osterhofen, eine zweite Mustereinrichtung in Deggendorf am 19. November 2019 eröffnet. Eine dritte Mustereinrichtung der THD ist in Roding geplant. Die Mustereinrichtungen sollen in unterschiedlichen Wohnformen – wie einem Haus, einer Wohnung und dem Wohnen im Pflegeheim – nicht nur erlebbar machen, was technisch möglich ist. Parallel dazu soll erprobt werden, ob und wie ein tatsächlicher Nutzen für die Pflegenden und die zu Pflegenden geschaffen werden kann. Jedes „DeinHaus 4.0“ wird dabei eigene Schwerpunkte bei Forschung und Technik setzen.

Die Projektreihe „DeinHaus 4.0“ geht daher weit über die Einrichtung von Musterwohnungen hinaus: Gesellschaftliche Fragestellungen, wie nach dem Bedarf und der Akzeptanz technischer Assistenzsysteme, werden ebenso untersucht wie ethische, gesundheitsökonomische und rechtliche Fragen – beispielsweise zum Datenschutz.

Bereits im Januar 2020 wurde der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg ein Förderbescheid für ein DeinHaus 4.0 Projekt überreicht.

Ziel des Forschungsprojekts der OTH Regensburg ist es, so genannte Telepräsenz-Roboter im häuslichen Umfeld von Schlaganfallpatienten zu erproben. Dazu sollen rund 100 Projektteilnehmer die Möglichkeit erhalten, ein halbes Jahr lang zu Hause ihre persönlichen Unterstützungsmöglichkeiten durch Telepräsenzroboter zu erleben. Die OTH wird dabei unter anderem Akzeptanz und Folgen erforschen, gesundheits- und pflegewissenschaftliche Potentialstudien erstellen und Fragen des Datenschutzes klären.

Chancen der Digitalisierung in der Pflege

Gerade in der Pflege bieten digitale Anwendungen zahlreiche Chancen. Digitale Assistenztechnik kann Pflegekräfte und pflegende Angehörige entlasten. Klar ist aber auch: Bei allen Möglichkeiten, die Digitalisierung bietet, muss der Mensch und die menschliche Zuwendung immer im Mittelpunkt stehen.

Wir brauchen technisch-digitale Unterstützung, die von den Pflegenden und den Pflegebedürftigen akzeptiert wird. Deshalb muss die neue Technik praxistauglich sein.
Klaus Holetschek, Staatsminister
  • Am Dienstag, den 11. Februar 2020 hat Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml den Förderbescheid für DeinHaus 4.0 an den Präsidenten der Technischen Hochschule Rosenheim Professor Heinrich Köster überreicht.

    Am Dienstag, den 11. Februar 2020 hat Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml den Förderbescheid für DeinHaus 4.0 an den Präsidenten der Technischen Hochschule Rosenheim Professor Heinrich Köster überreicht.

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  • Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der OTH Regensburg, Prof. Dr. Karsten Weber, Projektleiter DeinHaus 4.0 – TePUS (Telepräsenzroboter für die Pflege und Unterstützung von Schlaganfallpatientinnen und patienten), Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml und Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker.

    Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml übergibt der OTH Regensburg am 23. Januar 2020 den Förderbescheid für das Modellprojekt „DeinHaus 4.0“ in Regensburg. (v.l. Prof. Dr. Wolfgang Baier, Präsident der OTH Regensburg, Prof. Dr. Karsten Weber, Projektleiter, Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml und Bayerns Finanz- und Heimatminister Albert Füracker.

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  • Bild von der Verleihung am 6. Juni 2018: Staatsministerin Melanie Huml (Mitte) überreichte am 6. Juni 2018 in München den Förderbescheid an die Verantwortlichen des Projekts DeinHaus 4.0 der Technischen Hochschule (TH) Deggendorf. (v.l. Prof. Dr. Christian Rester, Projektleitung „DeinHaus 4.0“ an der TH Deggendorf, Staatsminister Bernd Sibler, Staatsministerin Melanie Huml, Prof. Dr. Horst Kunhardt, Vizepräsident TH Deggendorf, Alexandra Glufke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TH Deggendorf)

    Staatsministerin Melanie Huml (Mitte) überreichte am 6. Juni 2018 in München den Förderbescheid an die Verantwortlichen des Projekts "DeinHaus 4.0" der Technischen Hochschule (TH) Deggendorf. (v.l. Prof. Dr. Christian Rester, Projektleitung „DeinHaus 4.0“ an der TH Deggendorf, Staatsminister Bernd Sibler, Staatsministerin Melanie Huml, Prof. Dr. Horst Kunhardt, Vizepräsident TH Deggendorf, Alexandra Glufke, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TH Deggendorf)

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Studie „Sozioökonomische Bedeutung der medizinischen Rehabilitation in Bayern“

Bayern ist der größte Anbieter von stationären Rehabilitations-Leistungen in Deutschland: Fast jede vierte Einrichtung liegt im Freistaat; fast ein Fünftel aller Rehabilitations-Fälle werden hier behandelt. 2016 haben rund 2,6 Millionen Patientinnen und Patienten in Bayern Leistungen oder Produkte erhalten, die zur medizinischen Rehabilitation zählen.

Die Studie „Sozioökonomische Bedeutung der medizinischen Rehabilitation in Bayern“ (Reha-Studie) belegt den starken Stand und die hohe Leistungsfähigkeit der medizinischen Rehabilitation in Bayern. Erstellt wurde die Studie von der Firma regecon Gesellschaft für regionalwirtschaftliche Forschung und Beratung mbH im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege.

Was macht den Standort Bayern bei der medizinischen Rehabilitation aus? Zum einen liegt es an den naturräumlichen Gegebenheiten in Bayern, die sich vielerorts durch Heil-, Thermal- oder Solequellen oder durch eine besondere Luftqualität auszeichnen. Daneben haben die Kur- und Heilbäder um die Naturvorkommen herum leistungsfähige Rehabilitationszentren geschaffen, die durch umfangreiche touristische Angebote abgerundet werden.

In der Folge hat die medizinische Rehabilitation in Bayern nicht nur ein hervorragendes Image, sondern auch einen hohen regionalwirtschaftlichen Nutzen und eine hohe fiskalische Rentabilität. Viele sozioökonomische Trends wie die Alterung der Gesellschaft und der Gesundheitstourismus bieten zudem gute Chancen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung der medizinischen Rehabilitation.

Die Studie unterstreicht die herausragende Bedeutung der medizinischen Rehabilitation in der medizinischen und pflegerischen Versorgungs- und Wertschöpfungskette der bayerischen Gesundheits- und Pflegewirtschaft (GPflWi). Die medizinische Rehabilitation hat zudem für wesentlich mehr Wirtschaftszweige Relevanz, als die Abgrenzung der öffentlichen Statistik vermuten lässt.

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Die Langfassung der Reha-Studie kann mit einer E-Mail an: download@stmgp.bayern.de angefordert werden. Sie bekommen in der Folge einen Link und ein Passwort zu einer Cloud des StMGP, aus der Sie sich die gewünschte Datei herunterladen können.

Das Landespflegegeld in Bayern

Mitte 2018 hat das Bayerische Kabinett den Gesetzentwurf zur Einführung des Bayerischen Landespflegegeldes beschlossen, der anschließend vom Bayerischen Landtag verabschiedet wurde.

Die Einführung des Landespflegegeldes ist ein Baustein des Pflege-Paketes für Bayern. Ziel des Pflege-Paketes ist es, eine zukunftsfähige Infrastruktur in der Pflege weiterzuentwickeln und Pflegebedürftige bestmöglich zu unterstützen. So sollen Millioneninvestitionen auch die stationäre Pflege bei der Schaffung neuer Kurzzeitpflegeplätze unterstützen und zur Entlastung von Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen beitragen.

Wer bekommt das Landespflegegeld?

Mit dem Landespflegegeld unterstützt die Bayerische Staatsregierung pflegebedürftige Menschen mit 1.000 Euro pro Jahr zusätzlich.

  • Menschen, die mit Pflegegrad 2 oder höher eingestuft worden sind (Bescheid der Pflegekasse) können einen Antrag auf Landespflegegeld stellen.
  • Der Hauptwohnsitz des Antragstellers muss in Bayern liegen.
  • Das Landespflegegeld ist unabhängig davon, ob der Pflegebedürftige in einem Pflegeheim untergebracht ist oder zuhause lebt und dort versorgt wird.

Was müssen Sie tun, um das Landespflegegeld zu erhalten?

  • Sie müssen Ihren Antrag auf Landespflegegeld für das laufende Pflegejahr bis spätestens 31. Dezember schriftlich beim Bayerischen Landesamt für Pflege (Landespflegegeld, Postfach 1362, 92203 Amberg) einreichen.
  • Das Antragsformular ist unter www.bestellen.bayern.de oder unter www.landespflegegeld.bayern.de/antrag.asp zum Download erhältlich.
  • Wenn Ihr erster Antrag auf Landespflegegeld bewilligt wurde, müssen Sie für die darauffolgenden Jahre keinen neuen Antrag mehr stellen. Für die Folgejahre wird die Leistung ohne neuen Antrag gewährt. Bitte informieren Sie das Bayerische Landesamt für Pflege, wenn sich Änderungen ergeben, die Ihren Anspruch auf das Landespflegegeld betreffen (zum Beispiel eine Änderung des Pflegegrades oder ein Wegzug aus Bayern). Besteht kein Anspruch mehr, wird der Bescheid entsprechend zurückgenommen.

Kontakt

Wenn Sie noch Fragen zum Landespflegegeld haben, senden Sie einfach eine E-Mail an landespflegegeld@lfp.bayern.de.

Publikationen zum Thema

  • Das Bayerische Landespflegegeld

  • Antrag auf Landespflegegeld 2019

Mobile Augenuntersuchung mit älterer Dame

Augenärztliche Versorgung im Pflegeheim

Durch ein mobiles, telemedizinisch-vernetztes Augenuntersuchungssystem (MTAU) soll der Zugang zu einer hochwertigen augenärztlichen Versorgung gerade für Patienten in Pflegeheimen erleichtert werden. Eine bessere augenärztliche Versorgung wird das Sehvermögen verbessert. Stürze können vermieden werden. Außerdem können Pflegebedürftige besser am gesellschaftlichen Leben teilhaben, wenn sie zum Beispiel selbst Zeitung lesen können. Mit Hilfe mobiler Untersuchungsgeräte und der Nutzung von Kommunikationsstrukturen kann die augenärztliche Versorgung im ländlichen Raum verbessert werden.