Gestresster Mann lehnt gegen die Wand.

Psychische Gesundheit ist Lebensqualität

Die psychische Gesundheit ist für Lebensqualität und Wohlbefinden ebenso bedeutsam wie die körperliche Gesundheit. Es lohnt sich deshalb, etwas für die psychische Gesundheit zu tun.

Die Zahl der Krankschreibungen wegen seelischer Krisen steigt. Psychische Krankheiten sind inzwischen die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühverrentungen. Wir brauchen deshalb moderne Versorgungsstrukturen und wohnortnahe Behandlungsmöglichkeiten. Wichtig ist ferner, dass psychisch kranke Menschen nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Auch dafür setze ich mich als Gesundheitsminister ein.
Klaus Holetschek, Staatsminister, MdL

Psychische Gesundheit

Die Tabuisierung psychischer Störungen hat in den letzten Jahren abgenommen. Das ist erfreulich. Dennoch ist der Umgang mit psychischen Störungen für Betroffene und die Gesellschaft nach wie vor mit Ängsten, Scham und Abwehr verbunden. Das verzögert häufig eine adäquate und rechtzeitige Inanspruchnahme professioneller Hilfe.

Psychische Erkrankungen stellen das Versorgungssystem vor große Herausforderungen. Etwa 15 Prozent des Krankenstandes sind auf psychische Störungen zurückzuführen. Bei den krankheitsbedingten Frühberentungen stehen psychische Störungen noch vor den Muskel- und Skeletterkrankungen an erster Stelle. Auch in der ambulanten Versorgung gewinnen psychische Störungen an Bedeutung. Depressionen stellen dabei eine der häufigsten Diagnosen dar.

Es ist deshalb eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Herausforderungen, psychischen Störungen vorzubeugen. Dabei ist es wichtig, psychische Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Wie in allen anderen medizinischen Bereichen müssen Präventionsmaßnahmen möglichst bereits im frühen Kindesalter ansetzen. Ziel ist es, die Kinder stark zu machen, damit sie den Herausforderungen des Lebens gewachsen sind. Aber auch im späteren Lebensalter können Erwachsene auf Krisensituationen vorbereitet werden, persönliche Schutzfaktoren entwickeln und ausbauen, um besondere Belastungen oder einschneidende Lebensveränderungen besser bewältigen zu können.

Krisendienste Bayern – Hilfe bei psychischen Krisen

Krisen gehören zum Leben dazu und können jederzeit eintreten. Eine Trennung, der Tod eines Angehörigen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine schwere Krankheit – all das kann eine Krise auslösen und so belastend werden, dass sie nicht mehr allein, mit Hilfe der Familie oder im Freundeskreis zu bewältigen ist. Auch chronisch psychisch kranke Menschen können immer wieder in krisenhafte Situationen geraten, in denen sie qualifizierte Hilfe benötigen. Das kann Betroffene und ihr soziales Umfeld vor große Herausforderungen stellen. Wo bekomme ich Hilfe, um aus diesem Zustand herauszufinden? Was kann ich tun, um beispielsweise meinem Partner, meiner Mutter, meinem Sohn oder meiner Kollegin zu helfen?
Auf diese Fragen bekommen Menschen in psychischen Krisen sowie deren Angehörige bei den Krisendiensten Bayern Antworten. Seit dem 1. März steht das psychosoziale Beratungs- und Hilfeangebot unter der kostenlosen Rufnummer 0800 655 3000 allen Bürgerinnen und Bürgern Bayerns zur Verfügung. Vorrangiges Ziel ist es, Menschen in Krisen zu unterstützen und mit ihnen gemeinsam nach einem Ausweg aus dieser Situation zu suchen – eine Art „Erste Hilfe in seelischen Notlagen“.

Der Startschuss für die Krisendienste

Die Einführung der Krisendienste wurde mit dem Bayerischen Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG), das im August 2018 in Kraft getreten ist, beschlossen. Schon lange forderten Fachleute aus Betroffenen- und Wohlfahrtsverbänden sowie die Bezirke mit ihren Gesundheitseinrichtungen und der Bayerische Bezirketag die Einführung von Krisendiensten, um für Menschen in psychischen Notlagen eine erste Anlaufstelle zu bieten. Die Landespolitik kam dieser Forderung mit dem Hilfeteil des PsychKHG nach. Darin wurden die sieben Bezirke mit dem bayernweiten Ausbau beauftragt. Für den Präsidenten des Bayerischen Bezirketags, Franz Löffler, ist das eine wegweisende Ergänzung in der psychiatrischen Versorgungslandschaft: „Mit den Krisendiensten Bayern sollen Betroffene frühzeitig die Hilfe bekommen, die sie in dem jeweiligen Moment brauchen. Es ist wichtig, rechtzeitig gegenzusteuern und bei Bedarf fachkundige Hilfe anzunehmen. Denn durch eine frühe Intervention lässt sich oft eine weitere Zuspitzung vermeiden und verhindern, dass aus einer Krise eine längere Krankheit wird.“
Bisher gibt es Krisendienste nur in einzelnen Städten und Regionen Deutschlands. Mit den Krisendiensten Bayern steht deutschlandweit erstmalig ein flächendeckendes Angebot zur Soforthilfe bei psychischen und psychiatrischen Notfällen in einem Bundesland zur Verfügung.

Das Angebot der Krisendienste

Wenn die telefonische Beratung nicht ausreicht, hilft das Fachpersonal in der Leitstelle den Betroffenen bei der Vermittlung in das medizinische und psychosoziale Versorgungssystem vor Ort, beispielsweise an eine psychiatrische Praxis, den Sozialpsychiatrischen Dienst oder an die Akutstation einer psychiatrischen Klinik – je nach Bedarf. In besonders dringenden Fällen kommen mobile Teams zum Einsatz, die die Anrufenden vor Ort aufsuchen. Diese mobilen Vor-Ort-Einsätze werden von den Fachdiensten der Freien Wohlfahrtspflege und privater Anbieter durchgeführt – zumeist sind diese an die Sozialpsychiatrischen Dienste angegliedert. Die telefonischen Sprechzeiten können über die Webseite www.krisendienste.bayern abgerufen werden. Ab 1. Juli 2021 werden die Krisendienste Bayern dann auch rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr erreichbar sein.

Regionale Besonderheiten

Die Krisendienste schließen eine wichtige Versorgungslücke, indem sie den Betroffenen – bei Bedarf – einen Weg in die ambulanten und stationären Versorgungsangebote in ihrer Region aufzeigen. Deshalb gibt es in jedem Bezirk einen eigenen Krisendienst. So können die regionalen Besonderheiten am besten berücksichtigt werden. Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort, wie beispielsweise dem Gesundheitsamt, der Polizei oder dem Jugendamt, kann so besser organisiert werden. Mit der Unterstützung der drei großen Telefonanbieter in Deutschland – Telekom, Telefonica und Vodafone – ist es zudem gelungen, dass die Anrufenden an ihre jeweils zuständige Leitstelle weitergeleitet werden. Auf diese Weise war es möglich, eine bayernweit einheitliche Nummer einzuführen.
Durch die regionalen Besonderheiten haben die Leitstellen wie auch die mobilen Einsatzteams unterschiedliche Organisationsformen und Strukturen. Die Leitstellen sind entweder an die bezirklichen Gesundheitseinrichtungen angebunden oder durch regionale Träger organisiert. Dennoch ist das grundsätzliche Beratungs- und Hilfeangebot in allen Bezirken gleich. Insgesamt mussten fünf Leitstellen neu aufgebaut werden, da es in den Bezirken Mittelfranken und Oberbayern bereits Krisendienste gab. Die Kosten für die sieben Leitstellen trägt der Freistaat Bayern. Im aktuellen Doppelhaushalt wurden dafür insgesamt über 18 Millionen Euro vorgesehen. Die Finanzierung der mobilen Einsatzteams und aller sonstigen Kosten, wie zum Beispiel für den Aufbau von Netzwerken, in mindestens der gleichen Höhe wird von den Bezirken geschultert.

Krisendienste Bayern- Ein großer Erfolg für alle Beteiligten

Dass die Krisendienste nun endlich an den Start gehen können, ist ein großer Erfolg für die Bezirke und alle beteiligten Kooperationspartner. „Die Krisendienste Bayern leben auch von ihren engagierten Akteurinnen und Akteuren. Daher erfüllt es mich mit Freude und durchaus auch Stolz, wie tatkräftig dieses Projekt von den Betroffenen, der Politik, den Wohlfahrtsverbänden bis hin zu den Mobilfunkanbietern unterstützt wurde. Und nun hoffe ich, dass dieses flächendeckende Angebot für Menschen in psychischen Krisen in allen bayerischen Bezirken gut angenommen wird“, so Bezirketagspräsident Löffler.

Gesundheitsförderung im Betrieb

Gerade die betriebliche Gesundheitsförderung mit Blick auf das seelische Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trägt wesentlich zu einem guten Betriebsklima bei. Sie ist eine wichtige Investition in die Vitalität und Leistungsfähigkeit des gesamten Betriebes. Hier erfahren Sie mehr über Gesundheit in Ausbildung und Beruf.

Weiterführende Themenseiten und Informationen

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Publikationen zum Thema

  • Bericht zur psychischen Gesundheit von Erwachsenen in Bayern – Schwerpunkt Depression

  • Bericht zur psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Bayern

  • Gesundheitsreport Bayern 2009: Die Gesundheit der Beschäftigten

  • Gesundheitsreport Bayern 3/2014 – Demenzerkrankungen – Update 2014

  • Depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter

  • Gesundheitsreport Bayern 2010: Suizide in Bayern

  • Gesundheitsreport Bayern 2011: Psychische Gesundheit

  • Gesundheitsreport Bayern 2014: Demenzerkrankungen