Ein älteres Ehepaar setzt mit Enkelin ein Puzzle zusammen.

Demenz - Lebensbedingungen Demenzkranker verbessern

Eine Demenzerkrankung ist für Betroffene und deren Angehörige eine große Herausforderung und stellt im Alltag oftmals eine starke Belastung dar. Die Bayerische Demenzstrategie hat das Ziel, die Bevölkerung für das Thema Demenz zu sensibilisieren und die Lebensbedingungen von Demenzkranken und deren Angehörigen zu verbessern.

Im Rahmen der Bayerischen Demenzstrategie gibt es bereits in unterschiedlichen Lebensbereichen Projekte, die wir weiter ausbauen wollen. Mein Ziel ist es, Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen eine größtmögliche Lebensqualität zu gewährleisten.
Melanie Huml, Staatsministerin

Demenz ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen mit ähnlichen klinischen Symptomen. Sie gilt als typische Alterserkrankung. Der Verlauf ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Demenzerkrankungen in Zahlen

Demenzerkrankungen in Zahlen

Mit voranschreitender Alterung der Gesellschaft nimmt die Anzahl der Demenzerkrankten zu. In der Altersgruppe der über 90-Jährigen weist heute mehr als jeder Dritte demenzielle Symptome auf. Derzeit leben in Bayern mehr als 230.000 Menschen mit einer Demenzerkrankung. Etwa 70 Prozent davon sind Frauen.  

  • Demenziell erkrankte Personen in Bayern über 230.000
  • Demenziell erkrankte Personen in Bayern 2020 (Prognose) 270.000
  • Demenziell erkrankte Personen in Bayern 2032 (Prognose) 340.000

Demenz – was ist das?

Der Begriff Demenz stammt aus dem Lateinischen und lässt sich mit „weg vom Geist“ bzw. „ohne Geist“ übersetzen.

Durch eine demenzielle Erkrankung verschlechtert sich zunehmend die geistige Leistungsfähigkeit, das heißt Gedächtnis, Denkvermögen, Orientierung, Auffassungsgabe, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen im Sinne der Fähigkeit zur Entscheidung lassen nach.

Demenzerkrankungen sind bisher nicht heilbar. Rund zwei Drittel der Betroffenen sind an einer Alzheimer-Demenz erkrankt. Sie ist die am häufigsten vorkommende Form einer demenziellen Erkrankung.

In den Betroffenen löst die Diagnose Demenz häufig die Angst aus, die Selbstständigkeit zu verlieren. Häufig unterstützen Angehörige deren Alltagsbewältigung und übernehmen die Verantwortung für die Betreuung und Pflege des Familienmitglieds. Das ist auf Dauer für viele Angehörige eine enorme psychische und körperliche Belastung. Niedrigschwellige Angebote stellen für sie eine wertvolle Entlastungsmöglichkeit dar.

Die Alzheimer-Demenz lässt sich in drei Stadien einteilen.

  • Leichtgradige Demenz: überwiegend nur Gedächtnisstörungen;
  • Mittelschwere Demenz: massive Gedächtnis-, Denk- und Orientierungsstörungen, deutliche Verhaltensveränderungen, Selbstständigkeit im Alltag hochgradig eingeschränkt;
  • Schwere Demenz: starker geistiger, oft auch körperlicher Abbau; Unterstützungsbedarf bei allen Tätigkeiten des Alltags
StadiumLeichtgradigMittelschwerSchwer
Selbstständige Lebensführunggeringgradig eingeschränkthochgradig eingeschränktnicht möglich
Unterstützungsbedarfbei anspruchsvollen Tätigkeitenbei einfachen Tätigkeiten und Selbstversorgungbei allen Tätigkeiten

Alzheimer und seltene Formen der Demenz

Am häufigsten kommt die Alzheimer-Demenz vor. Dabei kommt es durch das Absterben von Nervenzellen zu Gedächtnisstörungen und Beeinträchtigungen der Sprache sowie der Orientierung.

Die Vaskuläre Demenz ist Folge von Durchblutungsstörungen der hirnversorgenden Gefäße. Ein gesunder Lebensstil senkt das Risiko, an dieser Form der Demenz zu erkranken.

Bei der Lewy-Körperchen-Demenz haben viele Betroffene optische Sinnestäuschungen. Auch Bewegungsstörungen können auftreten.

Die Frontotemporale Demenz ruft je nach betroffener Hirnregion ausgeprägte Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens hervor.

Umgang mit Menschen mit Demenz

Mit Demenzerkrankten zu kommunizieren, ist oft nicht leicht. Das Umfeld sollte daher viel Geduld und Verständnis aufbringen und behutsam auf die Verhaltensänderungen reagieren. Anerkennende und beruhigende Worte wirken dabei stressmindernd und geben Menschen mit Demenz Sicherheit. Konfrontation und Ungeduld bewirken das Gegenteil und verstärken Ängste und Aggressionen.

Einfache Sätze, unterstützt durch Gestik und Mimik, erleichtern die Kommunikation. Auch gemeinsames Singen oder Biografiearbeit können hilfreich sein.

Demenziell Erkrankte als Teil unserer Gesellschaft verstehen – die Bayerische Demenzstrategie

Ziel der 2013 beschlossenen Bayerischen Demenzstrategie ist es, die Gesellschaft für das Thema Demenz zu sensibilisieren, Ängste abzubauen und so der Stigmatisierung und Tabuisierung der Krankheit entgegenzuwirken. Das soll die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen verbessern.

Logo Bayerische Demenzstrategie: Festhalten, was verbindet.

Leitziele

  • 01 Ziel

    Leitziele der Bayerischen Demenzstrategie

    Der Bewusstseinswandel in der Gesellschaft im Umgang mit dem Thema Demenz

  • 02 Ziel

    Leitziele der Bayerischen Demenzstrategie

    Die Bewahrung der Selbstbestimmung und Würde der Betroffenen in allen Phasen der Erkrankung

  • 03 Ziel

    Leitziele der Bayerischen Demenzstrategie

    Die Verbesserung der Lebensbedingungen und der Lebensqualität für die Betroffenen und ihre Angehörigen

  • 04 Ziel

    Leitziele der Bayerischen Demenzstrategie

    Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Angehörige und Betroffene

  • 05 Ziel

    Leitziele der Bayerischen Demenzstrategie

    Die Sicherstellung einer angemessenen, an den Bedarfen orientierten Betreuung und Pflege

Handlungsfelder

Die Bayerische Demenzstrategie ist in zehn Handlungsfelder gegliedert, in denen bereits Projekte umgesetzt werden.

Wohnsituationen

Wenn sie entsprechende Unterstützung bekommen, können Menschen mit Demenz oft lange in ihrer vertrauten Umgebung wohnen. In Bayern werden rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause, meist von Angehörigen, versorgt.

Schreitet die Erkrankung voran oder können die Angehörigen die Pflege zu Hause nicht mehr leisten, kann der Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung die richtige Lösung sein.

Dabei ist es wichtig, dass die Einrichtung ein geeignetes Konzept zur Versorgung Demenzkranker bietet. Möglich ist auch der Einzug in eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz. Meist leben dort sechs bis zwölf Betroffene in einer Wohnung zusammen und werden durch ambulante Betreuungs- und Pflegedienste versorgt.

Beratung für Angehörige

Eine Demenzerkrankung stellt das gesamte Umfeld der Betroffenen vor große Herausforderungen. Meist übernehmen Angehörige die Betreuung und Pflege, müssen den Alltag organisieren und mit veränderten Verhaltensweisen des nahestehenden Menschen zurechtkommen.

Um sich dafür Information und Unterstützung zu holen, gibt es in Bayern ein gut ausgebautes Netzwerk von Beratungsangeboten. Anbieter sind zum Beispiel:

Hilfen für Angehörige

In Selbsthilfegruppen lernen Angehörige voneinander und entwickeln gemeinsam Lösungen für schwierige Situationen. Außerdem finden sie Rückhalt bei anderen Personen, die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden.

Die Pflegekassen finanzieren Schulungskurse für Angehörige zu Pflegethemen und zur Demenz.

Betreuungsangebote

Verschiedene Betreuungsangebote für Menschen mit Demenz können Angehörige im Pflegealltag entlasten, zum Beispiel durch:

Mithelfen gefragt

Wenn Sie sich ehrenamtlich für Menschen mit Demenz engagieren wollen, wenden Sie sich bitte an Alzheimer Gesellschaften und Wohlfahrtsverbände in Ihrer Nähe, die Ihnen Schulungen im Umgang und in der Kommunikation mit Demenzkranken anbieten.

Wanderausstellung „Was geht. Was bleibt. Leben mit Demenz“

Die Lebenswirklichkeit der an Demenz erkrankten Menschen nahebringen

Die Lebenswirklichkeit der an Demenz erkrankten Menschen nahebringen

Ein wichtiges Handlungsfeld der Bayerischen Demenzstrategie ist es, über die Krankheit zu informieren und das Thema aus der Tabuzone herauszuholen. Unsere neue Wanderausstellung „Was geht. Was bleibt. Leben mit Demenz“ ist Teil dieser Aufklärungsarbeit. Dabei wird den Besucherinnen und Besuchern über Alltagsgegenstände die Lebenswirklichkeit der an Demenz erkrankten Menschen nahegebracht.

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