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Leistungen der Pflegeversicherung

Die gesetzliche Pflegeversicherung stellt ihren Versicherten bei Pflegebedürftigkeit ein vielfältiges Hilfsangebot zur Verfügung. Wir informieren Sie über das Verfahren der Antragstellung und über die Leistungen der Pflegeversicherung.

Breitgefächertes Hilfsangebot

Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet ihren Versicherten bei Pflegebedürftigkeit vielfältige Hilfen an. Über die Leistungen der Pflegeversicherung im ambulanten und stationären Bereich können Sie sich beim Bundesministerium für Gesundheit informieren.

Antrag bei der Pflegekasse

Um Pflegeleistungen in Anspruch nehmen zu können, ist ein Antrag bei Ihrer Pflegekasse erforderlich. Die Pflegekasse befindet sich bei Ihrer Krankenkasse.

Pflegebedürftigkeit feststellen

Nach der Antragstellung wird in der Regel der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit einer Begutachtung beauftragt. In Bayern ist das der MDK Bayern.

Auf Grundlage der Begutachtung entscheidet die Pflegekasse, ob und in welcher Pflegestufe Pflegebedürftigkeit vorliegt. Die Bearbeitungszeit von Anträgen auf Pflegeleistungen darf maximal fünf Wochen betragen. Bei einem Krankenhausaufenthalt, in einem Hospiz oder während einer ambulant-palliativen Versorgung muss die Begutachtung durch den MDK innerhalb einer Woche erfolgen, wenn dies zur Sicherstellung der weiteren Versorgung erforderlich ist. Gleiches gilt, wenn die Inanspruchnahme von Pflegezeit nach dem Pflegezeitgesetz oder von Familienpflegezeit nach dem Familienpflegezeitgesetz gegenüber dem Arbeitgeber angekündigt wurde.

Pflegestufe entscheidend für Leistungen

In welcher Höhe Sie als Pflegebedürftige/r Leistungen aus der Versicherung bekommen, hängt von der festgestellten Pflegestufe ab.
Außerdem müssen Sie in den letzten zehn Jahren vor der Antragstellung zwei Jahre in die Pflegekasse als Mitglied eingezahlt haben oder familienversichert gewesen sein.

Gesetzliche Regelungen

Pflegezeit

Freistellung von der Arbeit

Beschäftigte haben nach dem Pflegezeitgesetz die Möglichkeit, sich wegen der Pflege eines nahen Angehörigen bis zu zehn Tage von der Arbeit freistellen zu lassen (kurzzeitige Arbeitsverhinderung) oder bis zu sechs Monate Pflegezeit zu nehmen.

Nach dem Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf können Arbeitnehmer seit dem 1. Januar 2015 während der zehntägigen Freistellung ein sogenanntes Pflegeunterstützungsgeld beziehen, das von der Pflegekasse (analog zum Kinderkrankengeld) gezahlt wird.

Pflegezeitnehmer können ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beanspruchen.

Familienpflegezeit

Nach dem Gesetz zur besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anspruch auf Familienpflegezeit. Diese erlaubt, die Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden wöchentlich zu reduzieren. Das Gehalt wird dabei rechnerisch zunächst entsprechend gekürzt und dann um die Hälfte des gekürzten Betrags wieder aufgestockt. Der Arbeitgeber tritt hier also in Vorleistung. Anschließend erhält der Arbeitnehmer bei hundertprozentiger Arbeitszeit solange das gekürzte Gehalt, bis die Vorleistung ausgeglichen ist.

Wie bei der Pflegezeit besteht für den Arbeitnehmer ein Anspruch auf Gewährung eines zinslosen Darlehens durch das BAFzA.

Besonderer Kündigungsschutz

Beschäftigte, die von der Freistellung wegen kurzzeitiger Arbeitsverhinderung oder der Pflegezeit Gebrauch machen, genießen einen besonderen Kündigungsschutz.

Der Arbeitgeber darf ihnen ab dem Zeitpunkt der Ankündigung, frühestens jedoch 12 Wochen vor angekündigtem Beginn, bis zur Beendigung der Pflegezeit nicht kündigen. Ausnahmsweise ist eine Kündigung in besonderen Fällen möglich, wenn das Gewerbeaufsichtsamt die Kündigung zulässt. Auskünfte zum Kündigungsschutz nach dem Pflegezeitgesetz erteilen die Gewerbeaufsichtsämter.