Angehörige mit Seniorin und Katze.

Angebote zur Unterstützung im Alltag – Stärkung der häuslichen Betreuung

Pflegebedürftige Versicherte können Angebote zur Unterstützung im Alltag, zu denen Betreuungsangebote, Angebote zur Entlastung Pflegender und Angebote zur Entlastung im Alltag (Entlastungsangebote) gehören, in Anspruch nehmen.

Die Unterstützung pflegender Angehöriger und ähnlich nahestehender Personen nimmt in der Pflegepolitik einen besonderen Stellenwert ein. Für Betroffene ermöglichen häuslich Pflegende ein möglichst langes Verbleiben in den eigenen vier Wänden. Die Pflege und die damit verbundenen vielfältigen Aufgaben stellen für die Pflegenden eine extreme körperliche und seelische Belastung dar. Diese Aufgaben erfordern neben Zeit und Organisation auch viel Kraft und Geduld. Die Betreuung von Hilfebedürftigen erfolgt zudem meist „rund um die Uhr“. Diese Umstände stellen eine wesentliche Veränderung im Leben von häuslich Pflegenden dar, die bis zur sozialen Isolation führen können. Angebote zur Unterstützung im Alltag begleiten sie bei ihrem wertvollen Engagement.

Angebote zur Unterstützung im Alltag nach § 45a SGB XI haben seit dem 1. Januar 2017 die niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote nach § 45c SGB XI (alte Fassung) ersetzt, ohne dass dies zu inhaltlichen Änderungen der Angebote führt.

Pflegerin spielt mit älterer Dame Mensch Ärgere Dich Nicht. Foto: Stefan Ernst.

Finanzielle Unterstützung

Zur Unterstützung von Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege können bis zu 125 Euro monatlich als einheitlicher Entlastungsbetrag für qualitätsgesicherte Leistungen der Betreuung und Entlastung eingesetzt werden.

Erstattung von Leistungen durch die Pflegekassen

Die Pflegekassen erstatten diesen Betrag für die Inanspruchnahme folgender Leistungen:

  • der Tages- und Nachtpflege,
  • der Kurzzeitpflege,
  • der ambulanten Pflegedienste im Sinn des § 36 SGB XI, in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht von Leistungen im Bereich der Selbstversorgung oder
  • der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag im Sinne des § 45a SGB XI.

Eine Änderung hat sich insbesondere bei der Erstattung der Leistungen durch zugelassene Pflegedienste ergeben. Der einheitliche monatliche Entlastungsbetrag von bis zu 125 Euro kann seit dem 1. Januar 2017 für Pflegesachleistungen nach § 36 SGB XI eingesetzt werden, die von ambulanten Pflegediensten erbracht werden.

Die Landesregierungen wurden bezüglich der Angebote zur Unterstützung im Alltag ermächtigt, durch Rechtsverordnung das Nähere über die Anerkennung und Förderung zu bestimmen. Von dieser Ermächtigung hat Bayern durch die Novellierung von Teil 8 Abschnitt 5 bis 8 der Verordnung zur Ausführung der Sozialgesetze (AVSG) und die dazugehörigen Vollzugshinweise (VV-AVSG) Gebrauch gemacht. Der Freistaat Bayern fördert derzeit rund 690 Angebote zur Unterstützung im Alltag.

Folgende Angebote zur Unterstützung im Alltag werden in Bayern durch die AVSG anerkannt und gefördert:

Pflegerin betreut zwei ältere Damen. Foto: Stefan Ernst

Betreuungsangebote

Betreuungsgruppen

In Betreuungsgruppen werden pflegebedürftige Personen für mehrere Stunden gemeinsam in einer Gruppe betreut. Für die Teilnehmenden bedeutet der Besuch der Gruppe Kontakt- und Teilhabemöglichkeiten. Vorhandene Fähigkeiten werden unterstützt und können damit so lange wie möglich erhalten bleiben. Durch die stundenweise Betreuung haben die pflegenden Angehörigen zeitliche Freiräume für sich.

Die Betreuungsgruppen finden unter der Leitung einer Fachkraft, ergänzt durch geschulte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, statt.

Adressen der Betreuungsgruppen für Menschen mit Demenz

Die Adressen der Betreuungsgruppen für Menschen mit Demenz finden Sie hier:

Ehrenamtliche Helferkreise

Geschulte ehrenamtlich Helfende betreuen unter fachlicher Anleitung pflegebedürftige Personen stundenweise im häuslichen Bereich. Dieses Betreuungsangebot kann auch von Personen genutzt werden, die immobil sind und keine Betreuungsgruppe besuchen können.

Die Kontaktliste für Anerkannte/geförderte ehrenamtliche Helferkreise finden Sie hier:

Qualitätsgesicherte Tagesbetreuung in Privathaushalten (TiPi)

In Privathaushalten werden Menschen mit einem Unterstützungsbedarf für mehrere Stunden durch eine sogenannte Gastgeberin oder einen Gastgeber betreut. Unterstützt werden diese von geschulten ehrenamtlich Helfenden. Das Angebot wird durch eine geschulte Fachkraft geleitet und auf die Bedürfnisse der Gäste ausgerichtet.

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für TiPi finden Sie hier:

Leitfaden Betreuungsgruppen und Berichte aus Modellprojekten

Hilfestellung für Organisatorinnen und Organisatoren von Betreuungsgruppen bietet der Leitfaden zum Ausbau von Betreuungsgruppen. Den Leitfaden sowie die Abschlussberichte der Modellförderung nach § 45c SGB XI finden Sie in unserem Download-Bereich. Der Zugriff ist passwortgeschützt. Für die Zugangsdaten schicken Sie bitte eine E-Mail an download@stmgp.bayern.de.

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Außerdem können Angebote zur Unterstützung im Alltag erbracht werden von:

Pflegerin hilft älteren Herren in den Mantel. Foto: Stefan Ernst.

Entlastungsangebote

Die Kontaktliste der Anbieter von Entlastungsleistungen finden Sie hier:

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Unter haushaltsnahen Dienstleistungen versteht man Dienstleistungen, die üblicherweise zur Versorgung in einem Privathaushalt erbracht werden. Hierzu zählen beispielsweise

  • Reinigungs- und Ordnungsarbeiten,
  • Verpflegung auch im Falle ernährungsbezogener Krankheiten,
  • Lebensmittelbevorratung,
  • Wäschepflege,
  • Blumenpflege,
  • Erledigung des Wocheneinkaufs,
  • Fahrdienste zum Arzt und anderen Terminen sowie
  • Botengänge zum Beispiel zur Apotheke.

Keine haushaltsnahen Dienstleistungen sind handwerkliche Tätigkeiten, die im Regelfall nur von Fachkräften durchgeführt werden oder die keinen Bezug zur Hauswirtschaft haben. Tätigkeiten wie Gartenarbeiten und Schneeräumen sind ebenfalls keine haushaltsnahen Dienstleistungen.

Die Adressen für haushaltsnahe Dienstleistungen finden Sie hier:

Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter

Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter unterstützen Pflegebedürftige beim Umgang mit allgemeinen und pflegebedingten Anforderungen des Alltags. Sie helfen verlässlich im Alltag, um eine Überforderung häuslich Pflegender abzubauen und eine Isolation zu vermeiden. Sie unterstützen Betroffene, ihre Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu erhalten oder zurückzugewinnen und so ein längeres Verbleiben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. Sie begleiten zum Beispiel beim Einkauf, zum Gottesdienst oder Friedhofsbesuch, kochen gemeinsam oder lesen. Sie übernehmen nicht eigenständig Tätigkeiten im Haushalt, sondern leisten eher kleine Hilfen wie das Einräumen der Spülmaschine.

Die Adressen für Alltags- und Pflegebegleiterinnen und -begleiter finden Sie hier:

Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleiter

Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleiter geben den häuslich Pflegenden verlässliche beratende, aber auch emotionale Unterstützung zur besseren Bewältigung des Pflegealltags. Sie helfen bei der Strukturierung und Organisation des Pflegealltags und stärken die Fähigkeit zur Selbsthilfe. Sie sind mit Hilfsangeboten vernetzt und achten darauf, dass die Selbstfürsorge des Pflegenden nicht so weit in den Hintergrund gerät, dass gesundheitliche Gefährdung und soziale Isolation entstehen. Sie leisten keine Pflegeberatung nach § 7 a SGB XI, sondern unterstützen Pflegende, vorhandene Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

Die Adressen für Alltags- und Pflegebegleiterinnen und -begleiter finden Sie hier:

Angehörigengruppen

Angehörigengruppen bieten den pflegenden Angehörigen und ähnlich nahestehenden Pflegepersonen die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen in ähnlicher Lebenssituation auszutauschen. Die regelmäßigen Treffen der Angehörigengruppen finden unter fachlicher Anleitung statt.

Angehörigengruppen ohne fachliche Leitung zählen nicht zu den Angeboten nach § 45a SGB XI.

Die Kontaktliste für Angehörigengruppen finden Sie hier:

Unterstützung beim Aufbau

Seit dem 1. Dezember 2018 berät die Fachstelle für Demenz und Pflege Bayern Träger, aber auch pflegende Angehörige und Ehrenamtliche rund um das Thema Angebote zur Unterstützung im Alltag. In regelmäßig stattfindenden Fachtagen zu diesem Thema wird für den Auf- und Ausbau der Angebote zur Unterstützung im Alltag geworben. Um dieses Ziel voranzutreiben, wird die Fachstelle für Demenz und Pflege Bayern durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gemeinsam mit den Pflegekassen gefördert.

Diese Aufgabe hat die Fachstelle für Demenz und Pflege Bayern von der ehemaligen „Agentur zum Aus- und Aufbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag“ übernommen. Für einen weiteren raschen Aus- und Aufbau der Angebote sollen künftig darüber hinaus sieben weitere regionale Fachstellen für Demenz und Pflege sorgen, die voraussichtlich ab Ende 2019 entstehen werden.

Anerkennung von Angeboten zur Unterstützung im Alltag

Zuständig für die Anerkennung und Förderung von Angeboten zur Unterstützung im Alltag ist das Zentrum Bayern Familie und Soziales. Dort erhalten Sie auch die Antragsformulare für die Anerkennung und Förderung sowie Verwendungsnachweisformulare:

Darüber hinaus steht auf der Internetseite der Fachstelle für Demenz und Pflege Bayern eine Online-Ausfüllhilfe zur Verfügung.

Förderung von Angeboten zur Unterstützung im Alltag

Angebote zur Unterstützung im Alltag werden durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gemeinsam mit dem Spitzenverband Bund der Pflegekassen gefördert.

Die Förderung von Angeboten zur Unterstützung im Alltag regeln die AVSG und die VV-AVSG, Links zu diesen Vorschriften finden Sie im Kasten „Rechtsgrundlagen“ am Ende der Seite.

Schulungskonzept zur Erbringung von Leistungen gemäß § 45a SGB XI

Die Schulung soll auf das ehrenamtliche und nicht ehrenamtliche Erbringen von Leistungen im Rahmen verschiedener Angebote zur Unterstützung im Alltag vorbereiten. Diese umfassen sowohl Entlastungleistungen, wie haushaltsnahe Dienstleistungen, Alltagsbegleitung und Pflegebegleitung als auch Betreuungsleistungen wie Betreuungsgruppen, ehrenamtliche Helferkreise und die qualitätsgesicherte Tagesbetreuung in Privathaushalten. Den an der Schulung teilnehmenden Personen soll damit der Wechsel zwischen unterschiedlichen Angebotsformen zur Unterstützung im Alltag erleichtert und den Trägern ein flexibler Einsatz der geschulten Helfenden ermöglicht werden.

Weitere Dienste der Angebote zur Unterstützung im Alltag

Förderung der Selbsthilfe im Bereich der Pflege

Demografische und gesellschaftliche Entwicklungen tragen dazu bei, dass sich Sorge- und Pflegestrukturen zunehmend verändern. Der Freistaat Bayern fördert gemeinsam mit der sozialen und privaten Pflegeversicherung den Auf- und Ausbau von Gruppen ehrenamtlich Tätiger sowie sonstiger zum bürgerschaftlichen Engagement bereiter Personen (§ 45d SGB XI). Ziel ist es, die außerhalb der Familien stehende Bereitschaft zu stärken und auf diese Weise die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Des Weiteren fördert der Freistaat Bayern den Auf- und Ausbau von Selbsthilfegruppen, -organisationen und -kontaktstellen, die sich die Unterstützung von Pflegebedürftigen sowie von deren Angehörigen und vergleichbar Nahestehenden zum Ziel gesetzt haben.

Modellprojekte nach § 45c SGB XI

Zur Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen und Versorgungskonzepte insbesondere für Menschen mit Demenz fördert der Freistaat Bayern gemeinsam mit dem Spitzenverband Bund der Pflegekassen den Auf- und Ausbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag und Modellprojekte:

Derzeit werden gefördert:

  • Bayerische Beratungsstelle für Frontotemporale Demenz und andere seltene Demenzerkrankungen – wohlBEDACHT e.V.
  • Internationale Angehörigentutoren – Türkisch-Deutscher Verein zur Integration behinderter Menschen (TIM) e.V.
  • Sport und Bewegung trotz(t) Demenz – Landesverband Bayern der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Weitere Informationen zu den Modellprojekten finden Sie hier: