Angehörige mit Seniorin und Katze.

Angebote zur Unterstützung im Alltag – Stärkung der häuslichen Betreuung

Pflegebedürftige Versicherte mit der Pflegestufe I bis III und Versicherte, die aufgrund einer demenziellen Fähigkeitsstörung, geistigen Behinderung oder psychischen Erkrankung eine dauerhafte und erhebliche Einschränkung ihrer Alltagskompetenz aufweisen, können Angebote zur Unterstützung im Alltag in Anspruch nehmen.

Die Unterstützung pflegender Angehöriger und ähnlich nahestehender Personen nimmt in der Pflegepolitik einen besonderen Stellenwert ein. Für Betroffene ermöglichen häuslich Pflegende ein möglichst langes Verbleiben in den eigenen vier Wänden. Die Pflege und die damit verbundenen vielfältigen Aufgaben stellen für die Pflegenden eine extreme körperliche und seelische Belastung dar. Diese Aufgaben erfordern neben Zeit und Organisation auch viel Kraft und Geduld. Die Betreuung von Hilfebedürftigen erfolgt zudem meist „rund um die Uhr“. Diese Umstände stellen eine wesentliche Veränderung im Leben von häuslich Pflegenden dar, die bis zur sozialen Isolation führen können. Angebote zur Unterstützung im Alltag begleiten sie in ihrem wertvollen Engagement. Mit dem am 1. Januar 2015 in Kraft getretenen 1. Pflegestärkungsgesetz wurden Angebote zur Unterstützung im Alltag gestärkt.

Pflegerin spielt mit älterer Dame Mensch Ärgere Dich Nicht. Foto: Stefan Ernst.

Finanzielle Unterstützung

Zur Unterstützung von Pflegebedürftigen und Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz sowie deren Angehörigen und ähnlich nahestehende Personen können monatlich 104 Euro bzw. 208 Euro für qualitätsgesicherte Leistungen der Betreuung und Entlastung eingesetzt werden. Bis zu 40 Prozent des Leistungsbetrags für ambulante Pflegesachleistungen können Leistungsempfänger darüber hinaus für Angebote zur Unterstützung im Alltag verwenden, wenn dieser noch nicht ausgeschöpft wurde.

Erstattung von Leistungen durch die Pflegekassen

Die Pflegekassen erstatten diesen Betrag für die Inanspruchnahme folgender Leistungen:

  • der Tages- und Nachtpflege,
  • der Kurzzeitpflege,
  • der zugelassenen Pflegedienste, sofern es sich um besondere Angebote der allgemeinen Anleitung und Betreuung oder Angebote der hauswirtschaftlichen Versorgung und nicht um Leistungen der Grundpflege handelt oder
  • der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag, die nach § 45c SGB XI gefördert oder förderfähig sind.

Bezüglich der letztgenannten Alternative wurden die Landesregierungen ermächtigt, durch Rechtsverordnung das Nähere über die Anerkennung und Förderung der Angebote zur Unterstützung im Alltag zu bestimmen. Von dieser Ermächtigung hat Bayern in Teil 8 Abschnitt 5 bis 8 der Verordnung zur Ausführung der Sozialgesetze (AVSG) Gebrauch gemacht. Die überarbeitete Fassung dieser Verordnung ist seit dem 1. Januar 2016 in Kraft.

Folgende Angebote zur Unterstützung im Alltag werden in Bayern durch die AVSG anerkannt und gefördert:

Häuslich Pflegende leisten einen wichtigen Beitrag zur Pflege. Wir wollen sie weiter entlasten. Deshalb verlängert das Bayerische Ministerium für Gesundheit und Pflege die Förderung der Agentur zum Auf- und Ausbau niedrigschwelliger Betreuungsangebote um drei Jahre bis März 2017.
Melanie Huml, Staatsministerin
Pflegerin betreut zwei ältere Damen. Foto: Stefan Ernst

Betreuungsangebote

Betreuungsgruppen

Die Betreuungsgruppen bieten betreuungsbedürftigen Personen auch außerhalb der häuslichen Umgebung Kontaktmöglichkeiten in familiär gestalteter Umgebung und entlasten in dieser Zeit nahestehende Pflegepersonen. Die Betreuungsgruppen werden in der Regel gegen einen geringen Kostenbeitrag wöchentlich oder 14-tägig angeboten. Sie finden unter der Leitung einer Fachkraft, ergänzt durch geschulte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, statt.

Adressen der Betreuungsgruppen für Menschen mit Demenz

Die Adressen der Betreuungsgruppen für Menschen mit Demenz finden Sie hier.

Ehrenamtliche Helferinnen- und Helferkreise

Um auch nahe stehende Personen von Hilfebedürftigen zu entlasten, die keine Betreuungsgruppe besuchen können, übernehmen geschulte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unter pflegefachlicher Anleitung die stundenweise Einzelbetreuung des Hilfebedürftigen im häuslichen Bereich.

Die Kontaktliste für Anerkannte/geförderte ehrenamtliche Helferkreise finden Sie hier.

Qualitätsgesicherte Tagesbetreuung in Privathaushalten (TiPi)

In ausgewählten Privathaushalten werden Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz als Gäste in kleinen Gruppen von einem geschulten Team aus einer Gastgeberin oder einem Gastgeber und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern betreut.

Demenz-TiPi des Sozialdienstes Germering

Leitfaden Betreuungsgruppen und Berichte aus Modellprojekten

Hilfestellung für Organisatoren von Betreuungsgruppen bietet der Leitfaden zum Ausbau von Betreuungsgruppen. Den Leitfaden sowie die Abschlussberichte der Modellförderung nach § 45c SGB XI finden Sie in unserem Download-Bereich. Der Zugriff ist passwortgeschützt. Für die Zugangsdaten schicken Sie bitte eine E-Mail an download@stmgp.bayern.de.

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Außerdem werden Angebote zur Unterstützung im Alltag erbracht von:

Pflegerin hilft älteren Herren in den Mantel. Foto: Stefan Ernst.

Entlastungsangebote

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Unter haushaltsnahen Dienstleistungen versteht man Dienstleistungen, die üblicherweise zur Versorgung in einem Privathaushalt erbracht werden. Hierzu zählen beispielsweise Hilfe bei Reinigungs- und Ordnungsarbeiten, Verpflegung auch im Falle ernährungsbezogener Krankheiten, Lebensmittelbevorratung, Wäschepflege, Blumenpflege, Erledigung des Wocheneinkaufs, Fahrdienste zum Arzt und Botengänge. Darunter fallen keine handwerklichen Tätigkeiten, die im Regelfall nur von Fachkräften durchgeführt werden oder die keinen Bezug zur Hauswirtschaft haben.

Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter

Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter unterstützen Hilfebedürftige beim Umgang mit allgemeinen und pflegebedingten Anforderungen des Alltags. Sie leisten verlässlich Beistand im Alltag, um eine Überforderung häuslich Pflegender abzubauen und eine Isolation zu vermeiden. Sie helfen Betroffenen, ihre Selbstständigkeit und Selbstbestimmung zu erhalten oder zurückzugewinnen und ermöglichen so ein längeres Verbleiben in der eigenen Wohnung. Das geschieht zum Beispiel, indem Sie Betroffene beim Einkauf, zum Gottesdienst oder Friedhofsbesuch begleiten, gemeinsam kochen oder lesen. Sie übernehmen nicht eigenständig Tätigkeiten im Haushalt, sondern leisten eher kleine Hilfen wie das Einräumen der Spülmaschine.

Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleiter

Pflegebegleiterinnen und Pflegebegleiter geben den häuslich Pflegenden verlässliche beratende, aber auch emotionale Unterstützung zur besseren Bewältigung des Pflegealltags. Sie helfen bei der Strukturierung und Organisation des Pflegealltags und stärken die Fähigkeit zur Selbsthilfe. Sie sind mit Hilfsangeboten vernetzt und achten darauf, dass die Selbstfürsorge des Pflegenden nicht so weit in den Hintergrund gerät, dass gesundheitliche Gefährdung und soziale Isolation entstehen. Sie leisten keine Pflegeberatung nach § 7 a SGB XI, sondern unterstützen den Pflegenden, vorhandene Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

Angehörigengruppen

Je fortgeschrittener  das Stadium der Erkrankung, desto größer wird der Betreuungsaufwand. Auch die pflegenden Angehörigen selbst müssen einen Weg finden, mit der oftmals belastenden Situation umzugehen. Die regelmäßigen Treffen der Angehörigengruppen finden unter fachlicher Anleitung statt. Sie dienen der Entlastung der Betroffenen und bieten die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Derzeit existieren bayernweit rund 130 Angehörigengruppen.

Die Kontaktliste für Angehörigengruppen finden Sie hier.

Beratung

Die Agentur zum Auf- und Ausbau niedrigschwelliger Betreuungsangebote informiert pflegende Angehörige, Ehrenamtliche und Träger rund um das Thema Angebote zur Unterstützung im Alltag. Die Agentur hat auch die Aufgabe, den Ausbau von Angeboten zur Unterstützung im Alltag in Bayern zu begleiten.

Modellvorhaben

Zur Weiterentwicklung der Versorgungsstruktur und Versorgungskonzepte insbesondere für demenzkranke Pflegebedürftige fördert der Freistaat Bayern gemeinsam mit dem Spitzenverband Bund der Pflegekassen den Auf- und Ausbau von Angebote zur Unterstützung im Alltag und Modellvorhaben.

Abschlussberichte

2015 Förderliche Faktoren für die Inklusion von Menschen mit Demenz durch Gründung von ambulant betreuten Wohngemeinschaften im ländlichen Bereich in Form von Genossenschaften, Weilheim und Gunzenhausen
2015 Interkulturelles Netz Altenhilfe: Integration von älteren pflegebedürftigen bzw. von Pflegebedürftigkeit bedrohten Migranten und ihren Angehörigen in Augsburg unter besonderer Berücksichtigung von demenzerkrankten Migranten
2013 Betreutes Wohnen psychisch Kranker und gerontopsychiatrisch erkrankter Menschen in Gastfamilien, Hof
2013 Netzwerk Demenz, Nürnberg
2012 Tagesbetreuung in Privathaushalten
2012 Gerontopsychiatrische Koordinationsstelle und Die Insel
2012 Kompetenz Netz Demenz, Augsburg
2011 Betreutes Wohnen in Familien für Menschen mit psychischen Erkrankungen im Alter, Kaufbeuren
2009 KLAR Kreative Lösungen im Alter und Demenzzentrum Lichtblick
2008 Ambulante Wohngemeinschaft für Demenzbetroffene, Kleinostheim
2007 Ambulante Wohngemeinschaft für demenzkranke Mitmenschen, Obersteinbach
2006 GERDA Gerontopsychiatrische Reaktivierung daheim
2006 Vier Modellprojekte mit Schwerpunkt Vernetzung
2006 Musik mit Demenzerkrankten

Förderung der Selbsthilfe im Bereich der Pflege

Zudem werden Angebote zur Selbsthilfe gefördert, die sich die Unterstützung, allgemeine Betreuung und Entlastung von Betroffenen sowie deren Angehörigen und ähnlich nahestehenden Personen zum Ziel gesetzt haben.

Anerkennung von Angeboten zur Unterstützung im Alltag

Zuständig für die Anerkennung und Förderung von Angeboten zur Unterstützung im Alltag ist das Zentrum Bayern Familie und Soziales. Dort erhalten Sie auch die Antragsformulare für die Anerkennung und Förderung sowie Verwendungsnachweisformulare.