Eine jüngere Dame und ein älterer Herr kommunizieren.

Ambulant betreute Wohngemeinschaften (abWG)

Viele Menschen mit Pflegebedarf wünschen sich eine Wohnform, die Raum für ein weitestgehend selbstbestimmtes Leben lässt. Ambulant betreute Wohngemeinschaften ermöglichen es Pflegebedürftigen Menschen, in einem gemeinsamen Haushalt zu leben und nach Bedarf Pflege- und Betreuungsleistungen in Anspruch zu nehmen.

Gemeinsames Wohnen in Ambulant betreuten Wohngemeinschaften.

Die meisten Menschen wünschen sich, selbständig und selbstbestimmt zu leben und zu wohnen, auch wenn sie zunehmend auf Hilfe und Pflege durch andere angewiesen sind. Wohnformen für pflegebedürftige Menschen, die der eigenen Häuslichkeit nahe kommen, werden angesichts des demografischen Wandels und der sich ändernden Familienstrukturen immer wichtiger. Ambulant betreute Wohngemeinschaften bieten Raum für Unabhängigkeit, ohne dabei bestehenden Pflegebedarf zu vernachlässigen.  Diese Wohnform ist ideal für Menschen, für die ein Verbleib im bisherigen Zuhause nicht möglich und die Unterbringung in einer stationären Einrichtung nicht gewünscht oder notwendig ist.

Derzeit gibt es, laut Bayerischem Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, bayernweit 268 (Stand: 31.12.2015) ambulant betreute Wohngemeinschaften. Die Anzahl ist gegenüber dem Jahr 2014 um 13 Prozent gestiegen.

Hier leben Pflegebedürftige in einer fast familiären Atmosphäre und sind durch selbst eingekaufte individuelle Pflege- und Betreuungsleistungen gut versorgt.
Melanie Huml, Staatsministerin

Was sind ambulant betreute Wohngemeinschaften?

Ambulant betreute Wohngemeinschaften im Sinne des Art. 2 Abs. 3 Satz 3 PfleWoqG dienen dem Zweck, pflegebedürftigen Menschen das Leben in einem gemeinsamen Haushalt und die Inanspruchnahme externer Pflege- oder Betreuungsleistungen gegen Entgelt zu ermöglichen.

Weitere Voraussetzungen für die Anerkennung als ambulant betreute Wohngemeinschaft sind:

Selbstbestimmung

Die Selbstbestimmung der Mieterinnen und Mieter muss gewährleistet sein. Alle Mieterinnen und Mieter der ambulant betreuten Wohngemeinschaft bilden ein Gremium der Selbstbestimmung, in dem sie alle Angelegenheiten des Zusammenlebens sowie die Wahl der Dienstleister regeln.

Wahlmöglichkeit

Pflege- und Betreuungsdienst sowie Art und Umfang der Leistungen müssen frei wählbar sein.

Pflege- und Betreuungsdienst

Der Pflege- und Betreuungsdienst darf keine Büroräume in der ambulant betreuten Wohngemeinschaft oder in enger räumlicher Verbindung haben. Der Pflege- und Betreuungsdienst ist Gast in der ambulant betreuten Wohngemeinschaft.

Selbstständigkeit der Wohngemeinschaft

Die ambulant betreute Wohngemeinschaft muss baulich, organisatorisch und wirtschaftlich selbstständig sein. Sie darf nicht Teil einer stationären Einrichtung sein und es dürfen sich nicht mehr als zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften der gleichen Initiatoren in unmittelbarer räumlicher Nähe befinden.

Größe

Es dürfen nicht mehr als zwölf Personen in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft leben.

Information und Beratung

Koordinationsstelle ambulant betreute Wohngemeinschaften in Bayern

Die vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege geförderte Koordinationsstelle unterstützt, informiert und berät neutral und kostenfrei Interessierte, Pflegebedürftige, Angehörige und Initiatoren.

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Adressen der Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA)

Die örtlich zuständigen FQAen beim Landratsamt oder den kreisfreien Städten beraten zu ambulant betreuten Wohngemeinschaften.

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Bayerische Architektenkammer

Die Beratungsstelle der Bayerischen Architektenkammer berät zu Fragen der Barrierefreiheit. In Zusammenhang mit dem Programm der Bayerischen Staatsregierung „Bayern barrierefrei“ wurde das Angebot der Beratungsstelle der Bayerischen Architektenkammer noch weiter ausgebaut. Nähere Informationen können Sie im Internetangebot der Bayerischen Architektenkammer abrufen.

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Beispiele für ambulant betreute Wohngemeinschaften

Ambulant betreute Wohngemeinschaft „Leben wie im Kirschgarten“ für Menschen mit Demenzerkrankung in der Stadt Nürnberg, Mittelfranken

Die Wohngemeinschaft zeichnet sich aus durch:

  • Selbstbestimmtes und familiäres Leben innerhalb einer Wohnung mit Einzelzimmern und Gemeinschaftsräumen
  • 24-stündige Versorgungssicherheit durch frei wählbare Pflege-, Betreuungs- und/oder Versorgungsdienstleistungsanbieter
  • Mietvertrag unabhängig von Pflege-, Betreuungs- und/oder Versorgungsverträgen
  • Das Gremium der Selbstbestimmung wählt Art und Umfang der individuellen Pflege, Betreuung und/oder Versorgung und gestaltet das Gemeinschaftsleben innerhalb der ambulant betreuten Wohngemeinschaft.
Drei Damen beim Tischdecken in der ambulant betreuten Wohngemeinschaft.

Die ambulant betreute Wohngemeinschaft „Leben wie im Kirschgarten“ ist auch in der Broschüre „Alternative Wohnformen für ältere Menschen – Ausgewählte Beispiele aus der Praxis“ näher beschrieben.

Film „Pflege im Alter – innovative Modelle”

Informationen über verschiedene Wohnformen im Alter, darunter auch ambulant betreute Wohngemeinschaften, bietet der staatlich geförderte Film „Pflege im Alter – innovative Modelle“, veröffentlicht über den Medienladen e.V., Nürnberg, der bei der Koordinationsstelle ambulant betreuter Wohngemeinschaften in Bayern ausgeliehen werden kann.

Großaufnahme einer Gruppe von vier Seniorinnen und Senioren, lächelnd

Förderung ambulant betreuter Wohngemeinschaften

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege fördert den Auf- und Ausbau ambulant betreuter Wohngemeinschaften im Rahmen der Förderrichtlinie Pflege – WoLeRaF.

Weiterführende Informationen zur Förderung ambulant betreuter Wohngemeinschaften erhalten Sie hier.

Haben Sie Fragen?

Ihre Ansprechpartnerin im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege ist: