Junges Paar schaut aus Fenster.

Sucht und Abhän­gigkeit: Vorbeugen, schützen, helfen

Sucht­mittel und süch­tiges Verhalten gibt es in jeder Gesell­schaft; nicht selten verbunden mit zerstö­re­ri­schen Folgen. Davor gilt es den Einzelnen und die Gemein­schaft zu schützen. Bayern setzt auf den bewährten Drei­klang von wirk­samer Vorbeugung, konse­quenter Repression im Bereich der ille­galen Sucht­mittel und – soweit geboten – Einschränkung der Verfüg­barkeit legaler Sucht­mittel sowie auf wirksame Hilfen für Betroffene.

Sucht hat viele Formen und viele Ursachen. Wissen­schaftler unter­scheiden soge­nannte stoff­ge­bundene Süchte, also die Abhän­gigkeit von Substanzen wie Alkohol, Tabak, Medi­ka­menten oder ille­galen Drogen, und nicht-stoff­ge­bundene Süchte, zu denen Ess-Störungen oder die Glück­spiel­sucht gehören. In jüngster Zeit wird auch der über­mäßige Konsum neuer Medien als „Inter­net­sucht“ oder „Online-Sucht“ disku­tiert. Defi­nierte Krank­heits­bilder gibt es hier aber noch nicht.

Wie eine Sucht entsteht 

Eine Sucht entwi­ckelt sich nicht plötzlich. Sie entsteht über einen längeren Zeitraum, in dem ein anfangs schäd­licher Gebrauch in einen Miss­brauch übergeht, den Betroffene nicht mehr kontrol­lieren können. Sie unter­liegen einer Art Zwang, einem „Nicht-mehr-aufhören-Können“, bei dem immer größere Mengen des Sucht­mittels nötig werden, um die erwünschte Wirkung zu erreichen. Und trotz des Wissens um die Risiken kann der Konsum aus eigener Kraft oft nicht beendet werden. Die Folgen können lebens­be­drohlich sein.
Den best­mög­lichen Schutz vor süch­tigen Entwick­lungen zu schaffen, ist Ziel der der Baye­ri­schen Staats­re­gierung. Auch in Zukunft setzen wir auf starke und zeit­gemäße Prävention, konse­quente Rechts­an­wendung sowie der Ausbau und die Vernetzung der Sucht­hilfe.

Vorbeugung 

Das Baye­rische Staats­mi­nis­terium für Gesundheit und Pflege entwi­ckelt und fördert Maßnahmen der Sucht­prä­vention in Bayern. Dabei arbeitet es eng mit dem Zentrum für Prävention und Gesund­heits­för­derung (ZPG) im Baye­ri­schen Landesamt für Gesundheit und Lebens­mit­tel­si­cherheit und anderen Einrich­tungen zusammen.

Ein beson­deres Augenmerk gilt dem Schutz von Kindern und Jugend­lichen. Neben der Einhaltung der Jugend­schutz­be­stim­mungen, die landesweit immer wieder vor Ort über­prüft wird, sind die Einschränkung der Verfüg­barkeit legaler Sucht­mittel und eine gezielte Aufklärung über die Risiken wichtig.

Ebenso wichtig ist es aber, dass junge Menschen zu starken, selbst­be­wussten Persön­lich­keiten heran­wachsen, die Sucht­mitteln und ihren Versu­chungen wider­stehen können. Dazu tragen Sicherheit und Gebor­genheit in der Familie bei, das Sich-ange­nommen-Fühlen in Kinder­ta­ges­ein­rich­tungen und Schule und – mit zuneh­mendem Alter immer wich­tiger – gute Freun­dinnen und Freunde. Unter­stützung für die Persön­lich­keits­ent­wicklung bieten große Programme, die in Bayern entwi­ckelt wurden und inzwi­schen weit über die Grenzen des Frei­staats einge­setzt werden, wie etwa „FREUNDE“ und „Papilio“ für Kinder­gar­ten­kinder oder die „KLASSE2000“ für die Grund­schule.

Dass sich die Anstren­gungen für die Sucht­prä­vention lohnen, zeigen aktuelle Entwick­lungen: In den letzten Jahren sind der regel­mäßige Alko­hol­konsum und der Canna­bis­konsum bei Jugend­lichen langsam, aber konti­nu­ierlich zurück­ge­gangen, das Rauchen unter 12- bis 17-Jährigen ist so selten wie noch nie seit den 1970er Jahren. Diese posi­tiven Entwick­lungen ins Erwach­se­nen­alter weiter­zu­tragen, ist eine große Heraus­for­derung.

Konse­quente Verfolgung ille­galer Sucht­mittel

Bayern wendet sich gegen einen falsch verstan­denen Libe­ra­lismus im Umgang mit ille­galen Sucht­mitteln. Das gilt vor allem im Hinblick auf das abneh­mende Unrechts­be­wusstsein beim Konsum von Cannabis. Aber auch den soge­nannten neuen psycho­ak­tiven Substanzen, die bislang nicht unter das inter­na­tionale Drogen­recht fallen, gilt ein beson­deres Augenmerk.

Die Erfah­rungen zeigen, dass neben den Ange­boten der Vorbeugung Repression unver­zichtbar ist, um die Verfüg­barkeit ille­galer Sucht­mittel einzu­schränken. Ziel der Maßnahmen von Polizei und Justiz ist es, den Zugang zu Drogen zu erschweren, um insbe­sondere jungen Menschen keinen Kontakt mit ille­galen Drogen und der Drogen­szene zu ermög­lichen. Krimi­nelle Begleit­erschei­nungen ille­galen Drogen­konsums werden konse­quent und hart verfolgt.

Beratung und Hilfe 

Wer sucht­ge­fährdet oder sucht­krank ist, braucht Hilfe. Alleine ist der Weg aus der Sucht oft nicht zu schaffen. In Bayern gibt es ein dichtes Netz von Einrich­tungen, die Unter­stützung bieten. Die wich­tigsten Kontakt­adressen in allen Regie­rungs­be­zirken hat die Koor­di­nie­rungs­stelle der Baye­ri­schen Sucht­hilfe zusam­men­ge­stellt.

Kern­stück sind die rund 180 ambu­lanten Psycho­so­zialen Bera­tungs- und Behand­lungs­stellen für Sucht­ge­fährdete und Sucht­kranke. Sie arbeiten mit den angren­zenden Hilfe­sys­temen der Psych­iatrie, Psycho­the­rapie und Psycho­so­matik sowie der Jugend­hilfe zusammen.

Ziel ist es, jedem Betrof­fenen den Ausstieg aus der Sucht zu ermög­lichen. Kann das nicht unmit­telbar erreicht werden, gibt es gezielte Hilfen, um einen größt­mög­lichen Grad an eigen­stän­diger Lebens­führung und die Inte­gration in die Gesell­schaft zu erreichen.

Cannabis, Heroin und Co – illegale Drogen 

Illegale Drogen sind Stoffe, die durch ihre chemische Zusam­men­setzung auf das mensch­liche Gehirn einwirken und dadurch vor allem Einfluss auf die Stimmung, das Denken, die Wahr­nehmung und das Verhalten nehmen. Drogen­konsum birgt immer ein unkal­ku­lier­bares gesund­heit­liches Risiko für die eigene körper­liche und seelische Gesundheit.

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