Familie hat ein Picknick im Park.

Gesundes Aufwachsen – Informationen für Eltern

Kinder sind unsere Zukunft. Daher müssen wir alles daran setzen, ihnen einen guten Start ins Leben und ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen. Hier erhalten Sie wichtige Informationen und Anregungen über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

In Bayern leben derzeit etwa 1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Die meisten Mädchen und Jungen erfreuen sich laut Daten des Robert Koch Instituts einer guten Gesundheit. Allerdings sind Kinder in sozial benachteiligten Lebenslagen oft höheren Gesundheitsrisiken ausgesetzt, etwa im Hinblick auf das Rauchen oder schweres Übergewicht. Darüber hinaus hat sich das Spektrum der Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahrzehnten insgesamt in Richtung chronischer Erkrankungen verschoben, die viel mit unserer Lebensweise zu tun haben.

Rechtzeitig einsetzende vorbeugende Maßnahmen können erheblich dazu beitragen, die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu schützen, Risikoverhalten langfristig vorzubeugen und die gesundheitliche Chancengleichheit zu sichern. Hierfür bestehen in Bayern vielfältige Angebote.

Dieses Thema liegt mir auch als Ärztin und Mutter von zwei kleinen Söhnen besonders am Herzen. Wir müssen Kindern einen gesunden Start ins Leben ermöglichen. Wenn schon in jungen Jahren die Weichen für eine gesundheitsförderliche Lebensweise gestellt werden, kann damit Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus vorgebeugt werden. Dazu gehört, auch Eltern zu einer gesundheitsförderlichen Lebensweise zu motivieren.
Melanie Huml, Staatsministerin

Psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen

Ganz schön gemein! Das Motto der Jahresschwerpunktkampagne 2016 des Bayerischen Gesundheitsministeriums spricht es deutlich aus: Eine psychische Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen ist eine gemeine Sache, denn sie kommt ohne ihr Zutun und von ganz allein. Wie jede Krankheit haben sich die Betroffenen die Störung weder ausgesucht, noch sind sie daran schuld. Die Erscheinungsformen sind vielfältig.

Der Bayerische Präventionsplan des Staatministeriums für Gesundheit und Pflege will dazu beitragen, dass psychische Störungen frühzeitig erkannt werden, damit die geeignete Unterstützung für die Betroffenen gefunden werden kann. Dies geht allerdings nur mit Unterstützung der Eltern und weiterer Erwachsener, die die Kinder und Jugendlichen beim Aufwachsen begleiten. Oft werden die Symptome nicht ernst genug genommen – oder aber aus Scham verdrängt. Und: die Übergänge zwischen „normal“ und „auffällig“ sind fließend. Eine sorgfältige Diagnostik, durchgeführt von ausgebildeten Fachleuten ist sinnvoll, um weitere Schritte zu planen und eine Unterbehandlung oder ein Übertherapieren zu vermeiden.

Mehr erfahren Sie auf der Internetseite „Ganz schön gemein!

Mädchen macht sich Gedanken zu seiner Ernährung.

Modellprojekte der Initiative „Gesund.Leben.Bayern.“

Das bayerische Gesundheitsministerium fördert im Rahmen der Initiative Gesund.Leben.Bayern. verschiedenste Modellprojekte, die Kindern und Jugendlichen ein gesundes Aufwachsen ermöglichen sollen.

Vor allem 2015 drehte sich alles um die Gesundheit der Kinder in Bayern. Unter dem Motto „Ich. Mach. Mit. Alles, was gesund ist.“ rückt Staatsministerin Melanie Huml mit zahlreichen Partner die Kindergesundheit in den Mittelpunkt.

Zu den Projekten der Initiative „Gesund. Leben. Bayern.“ gehören beispielsweise die folgenden:

Vorsorgeuntersuchungen

Zwischen der Geburt und dem sechsten Lebensjahr gibt es insgesamt zehn ärztliche Vorsorgeuntersuchungen (U1 bis U9, inklusive U7a), die der Früherkennung bestimmter Krankheiten dienen und den jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes überprüfen. Über Zeitpunkt und Inhalt der Untersuchungen kann Sie jeder niedergelassene Kinderarzt beraten. Die Vorsorgeuntersuchung J1 richtet sich an 12- bis 14-Jährige und soll neben möglichen Entwicklungsstörungen auch aktuelle Themen wie eine gesunde Ernährung, Rauchen und Drogen berücksichtigen.

Dein Ticket zur J1

„Dein Ticket zur J1“ ist ein Modellprojekt, um mehr junge Leute zwischen 12 und 14 Jahren zur Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung J1 zu bewegen. Ende 2016 wird dann untersucht, wie viele Jugendliche in den Landkreisen die Vorsorgeuntersuchung J1 in Anspruch genommen haben. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege fördert das „Dein Ticket zur J1“ im Rahmen der Gesundheitsinitiative Gesund.Leben.Bayern.

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Ärztin hört einem Kleinkind die Brust ab.

Neugeborenen-Stoffwechselscreening

Seit 2005 besteht für alle Neugeborenen bundesweit die Möglichkeit einer Blutuntersuchung auf 14 Stoffwechselerkrankungen und Hormonstörungen. Im Rahmen eines Modellprojekts wurde diese Blutuntersuchung in Bayern schon seit 1999 durchgeführt. Durch eine frühzeitige Behandlung können. bleibende Behinderungen oder gar Todesfälle bei den betroffenen Kindern vermieden werden. Etwa eines von 1.200 Neugeborenen ist durch eine dieser Krankheiten gefährdet.

Wann und wie wird die Untersuchung durchgeführt?

Bei allen Neugeborenen, bei denen die Eltern zugestimmt haben, wird die Untersuchung unmittelbar vor der Entlassung aus dem Krankenhaus, nach Möglichkeit im Alter von 36 – 72 Lebensstunden vorgenommen. Dem Baby werden aus der Ferse ein paar Tropfen Blut entnommen, auf eine Testkarte getropft, getrocknet und in ein Screeninglabor geschickt. Die Blutentnahme kann die Schwester in der Geburtsklinik, die Hebamme oder der niedergelassene Kinderarzt vornehmen. Die Aufklärung sollte zuvor durch einen Arzt erfolgen.

Was geschieht bei einer Hausgeburt, einer ambulante Entbindung oder frühzeitiger Entlassung aus der Klinik?

Wird das Neugeborene bereits innerhalb der ersten 37 Lebensstunden. entlassen, so soll ihm vor der Entlassung Blut abgenommen und der Mutter bei der Entlassung eine zweite Testkarte mitgegeben werden. Der Kinder- bzw. Hausarzt oder die Hebamme nimmt ein zweites Mal Blut ab und sendet diese Zweitkarte ebenfalls an das Labor. Bei einer Hausgeburt nimmt der Kinderarzt bei der U2 das Blut ab.

Mein Kind macht einen gesunden Eindruck. Muss es dennoch untersucht werden?

Ja! Die Untersuchung ist in jedem Fall dringend zu empfehlen. Die meisten betroffenen Kinder zeigen kurz nach der Geburt keinerlei Auffälligkeiten. Diese Neugeborenenuntersuchung ermöglicht die Entdeckung der Erkrankung, bevor es zu Krankheitszeichen kommt. Die dann sehr frühzeitig eingeleitete Therapie kann die Entstehung von schweren Krankheitsfolgen weitestgehend vermeiden.

Was geschieht, wenn bei meinem Kind der Verdacht auf eine angeborene Stoffwechselerkrankung oder Hormonstörung besteht?

Ein auffälliges Ergebnis wird dem verantwortlichen Arzt, d. h. der Geburtsklinik oder dem Kinderarzt umgehend vom Labor mitgeteilt. Dieser wird dann eine Kontrolluntersuchung durchführen oder die Eltern mit dem Kind zum Kinderarzt oder in eine Kinderklinik schicken. Spricht auch die Kontrolluntersuchung für eine Erkrankung des Kindes, sollte dieses in einer auf Stoffwechselkrankheiten bzw. Hormonstörungen spezialisierten Kinderklinik vorgestellt werden um weitere Untersuchungen durchführen zu lassen. Bestätigt sich hier die Diagnose, wird sogleich die erforderliche Behandlung eingeleitet.

Was bedeutet es, wenn die Eltern keine Nachricht erhalten?

In diesem Fall ist in der Regel alles in Ordnung. Unauffällige Ergebnisse werden nur dem verantwortlichen Arzt, der das Screening durchgeführt hat, mitgeteilt. In dem örtlichen Gesundheitsamt erfolgt ein Abgleich der Geburtsmeldungen mit den Screening-Meldungen. Liegt für ein Kind keine Screening-Meldung vor, weil die Karte verloren ging, die Eltern ein Screening oder eine Datenübermittlung abgelehnt haben oder die Untersuchung aus irgendeinem Grund unterlassen wurde, so meldet sich die Kinderkrankenschwester des zuständigen Gesundheitsamtes bei den Eltern.

Wozu dient die Datenübermittlung?

Die Eltern werden vor oder kurz nach der Geburt ihres Kindes über die Möglichkeit dieser Untersuchung informiert. Vor der Blutabnahme müssen die Eltern in die Untersuchung einwilligen. Sofern die Eltern damit einverstanden sind, dass die Daten ihres Kindes an das Screeningzentrum übermittelt werden, können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Screeningzentrums dafür sorgen, dass die Eltern über einen auffälligen Befund oder eine notwendige Wiederholungsuntersuchung informiert werden. Die Daten werden keiner dritten Person oder Instanz zur Verfügung gestellt.

Kontakt

In Bayern wurden seit 1999 über 1,5 Millionen Kinder auf angeborene Stoffwechsel- und Hormonstörungen untersucht. Dank dieser Untersuchung konnten in Bayern in den vergangenen 15 Jahren mehr als 1.300 Kinder mit Stoffwechsel- und Hormonstörungen rechtzeitig therapiert werden.

Welche Erkrankungen im Rahmen des Screenings erfasst werden und wie häufig diese vorkommen, erfahren Sie hier.

Ärztin untersucht die Ohren eines Babys.

Neugeborenen-Hörscreening

Angeborene Hörstörungen sind im Vergleich zu anderen angeborenen Störungen relativ häufig. Etwa eines von 1.000 Kindern wird mit einer beidseitigen therapiebedürftigen Hörstörung geboren. Ein ausreichendes Hörvermögen gilt als Voraussetzung für einen natürlichen Spracherwerb und ist ebenso für die kognitive, emotionale sowie psychosoziale Entwicklung entscheidend. Die Folgen für die Entwicklung sind dabei in der Regel umso ausgeprägter, je später die Erkrankung diagnostiziert und eine adäquate Therapie eingeleitet wird. Daher sind frühzeitige Diagnostik und Therapie entscheidend, um (häufig irreversible) Sprach- und Entwicklungsstörungen zu vermeiden.

Bayern engagiert sich seit langem im Neugeborenen-Screening und setzt sich besonders für Qualitätssicherung ein. Von 2003 bis Ende 2008 wurde in der Oberpfalz und zusätzlich ab 2006 in Oberfranken ein vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gefördertes Modellprojekt zum Neugeborenen-Hörscreening mit großem Erfolg durchgeführt. Nach Abschluss dieser Pilotphase – bei dem weit über 73.000 Kinder untersucht wurden – kam das Neugeborenen-Hörscreening nach dem Muster des Modellprojekts seit 01.01.2009 bundesweit zum Einsatz. Mit Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) wurden die Kinder-Richtlinien geändert und das Neugeborenen-Hörscreening in die Untersuchungen mit aufgenommen. Damit haben nunmehr alle Neugeborenen in Deutschland Anspruch auf eine Hörscreening-Untersuchung in den ersten Lebenstagen.

Die Früherkennung von Hörstörungen bei Neugeborenen ist Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Besonderheit in Bayern ist, dass sowohl das Stoffwechsel als auch das Neugeborenen-Hörscreening auf zwei Säulen fußt. Zum einen auf der Screening-Untersuchung selbst, die von Ärzten in Kliniken oder Praxen durchgeführt wird, und zum anderen auf dem sogenannten Tracking. Unter Tracking versteht man die Sicherstellung dass Kontrolluntersuchungen auch durchgeführt werden – also eine Ergänzung des eigentlichen Screenings. Ohne dieses Tracking würden die Hälfte der kontrollbedürftigen Befunde nicht abgeklärt. Das Screening-Zentrum im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und die Gesundheitsämter stellen das Tracking und die Teilnahme aller Kinder sicher.

Der Freistaat Bayern unterstützt flächendeckend das bayernweite Hörscreening mit den bereits im Modellprojekt bewährten Strukturen zur Sicherung der Prozessqualität. Die Einführung fördert das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege auch mit Schulungen für Kliniken.

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Aus dem Bayerischen<br />
Präventionsplan

Aus dem Bayerischen
Präventionsplan

„Bestmögliche Startchancen für alle Kinder, sichere Bindungen und ein gesundes Selbstbewusstsein, ausgewogene Ernährung und ein aktiver Lebensstil, Schutz vor Suchtgefahren, Früherkennung von Gesundheitsrisiken und Schutz vor vermeidbaren Erkrankungen“:

Diese Ziele formuliert der Bayerische Präventionsplan für ein gesundes Aufwachsen in Familie, Kita und Schule – das erste seiner vier zentralen Handlungsfelder.

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Praxis Mensch - Thema Kindergesundheit

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Praxis Mensch – Thema Kindergesundheit

Das Spektrum der Krankheiten im Kindesalter hat sich verändert. Vermehrt beeinträchtigen chronische Krankheiten die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die  psychischen Störungen sowie auch Entwicklungsauffälligkeiten gewinnen dabei an Bedeutung. Derzeit leben rund 1,7 Millionen Kinder unter fünfzehn Jahren und rund 400.000 Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren in Bayern. Welchen Einfluss die Familie und das soziale Umfeld auf die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen haben, wie Verhaltensauffälligkeiten rechtzeitig erkannt und behandelt werden, erfahren Sie in dieser Ausgabe von Praxis Mensch.

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Masern - keine harmlose Kinderkrankheit

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