Hebamme legt CTG an.

Für Hebammen und Entbindungspfleger

Hebammen und Entbindungspfleger leisten vor, während und nach der Geburt Großartiges für die Familien. Der Beruf der Hebamme / des Entbindungspflegers soll durch bessere Arbeitsbedingungen attraktiver werden, damit die Geburtshilfe im Freistaat auch künftig auf hohem Niveau flächendeckend zur Verfügung steht. Seit 2017 hat das Bayerische Kabinett deshalb umfassende Maßnahmen beschlossen.

Hebammen leisten vor, während und nach der Geburt Großartiges für die Familien. Ihre Arbeit für die Gesundheit von Mutter und Kind ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft.
Melanie Huml, Staatsministerin

Hebammenstudie

Im Sommer 2018 stellte das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege die Ergebnisse der selbst veranlassten Studie zur Hebammenversorgung im Freistaat Bayern veröffentlicht. Die Studie belegt, dass Mütter und Schwangere mit der Qualität der Hebammenversorgung in Bayern hoch zufrieden sind. Zugleich ist deutlich geworden, dass wir in Bayern mehr Hebammen für die Geburtshilfe und die Wochenbettbetreuung gewinnen müssen, um auch in Zukunft eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Hebammenversorgung gewährleisten zu können.

Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

Befragt wurden im Oktober 2017 alle in Bayern tätigen Hebammen sowie 3.800 statistisch ausgewählte Mütter, die in den Jahren 2016 oder 2017 ein Kind zur Welt gebracht haben, die Hebammenschulen sowie Krankenhäuser mit Geburtshilfestationen. Begleitend wurden Expertengespräche zur Erfassung besonderer Zielgruppen geführt. An der Befragung des IGES Instituts aus Berlin haben 1.084 Hebammen, 1.346 Mütter, 44 Kliniken sowie die 7 Hebammenschulen teilgenommen.

  • 01

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    In Bayern gab es im Jahr 2016 ca. 2.990 aktiv tätige Hebammen. Freiberuflich tätig waren ca. 2.700 Hebammen. In den Geburtskliniken waren in Bayern 731 Hebammen angestellt. Circa 13 Prozent der Hebammen sind kombiniert angestellt und freiberuflich tätig.

  • 02

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    66 Prozent der angestellten und ca. 57 Prozent der freiberuflichen Hebammen haben im Jahr 2016 Vollzeit gearbeitet.

  • 03

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    Die Arbeitszeit sowohl der angestellten, als auch der freiberuflichen Hebammen hat sich in den letzten Jahren aufgrund von Personalbedarf und der steigenden Geburtenzahl teilweise deutlich erhöht.

  • 04

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    In der Geburtshilfe waren im Jahr 2016 von ca. 2.700 freiberuflichen Hebammen nur knapp 52 Prozent tätig, während der Geburtenzuwachs in Bayern mit rund 18,2 Prozent im Zeitraum 2011 bis 2016 in den letzten Jahren stärker als im Bundesdurchschnitt war (plus 16,9 Prozent).

  • 05

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    Der Großteil der befragten Mütter hat im Krankenhaus entbunden (95,5 Prozent). 93,4 Prozent der Frauen, die in der Klinik entbunden haben, konnten das im Krankenhaus ihrer Wahl.

  • 06

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    Die Wochenbettbetreuung ist die mit Abstand am meisten angebotene und auch nachgefragte Hebammenleistung. Mehr als jede vierte Mutter gab an, dass es schwierig war, eine Hebamme für eine Schwangeren- oder Wochenbettbetreuung zu finden.

  • 07

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    Im Bereich der Hebammenbetreuung während der Geburt in den Kliniken deuten die Ergebnisse der Studie auf einen zukünftig verstärkten Angebotsengpass hin. Die Mehrheit der Geburtskliniken berichtet von Schwierigkeiten bei der Besetzung freier Hebammenstellen.

  • 08

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    60 Prozent der Geburtshilfekliniken in Bayern arbeiten mit freiberuflich tätigen Beleghebammen.

  • 09

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    Rund 30 Prozent der in der Studie befragten freiberuflichen Hebammen denken bereits oft oder sehr oft an eine Aufgabe des Hebammenberufs.

  • 10

    Wichtige Ergebnisse der Hebammenstudie sind:

    Auch im Bereich der außerklinischen Geburten war die Nachfrage größer als das Angebot. Rund 8.000 Frauen (Hochrechnung), die im Krankenhaus entbunden haben, hätten gerne außerklinisch entbunden, konnten aber keine Hebamme dafür finden oder sich die in der Regel selbst zu zahlende Rufbereitschaftspauschale nicht leisten.

Bayerischer Hebammenbonus

Der im Mai 2018 beschlossene Hebammenbonus soll der Anerkennung und Unterstützung von freiberuflichen Hebammen und Entbindungspfleger in der Geburtshilfe dienen, um den werdenden Müttern in Bayern auch in Zukunft ein flächendeckendes Angebot in der Geburtshilfe gewährleisten zu können.

Ziel der finanziellen Unterstützung durch den Freistaat Bayern ist es, eine Tätigkeit in der Geburtshilfe attraktiver zu machen, um mehr freiberufliche Hebammen und Entbindungspfleger für eine Tätigkeit in der Geburtshilfe zu gewinnen.

Gründerpaket für Hebammen – die Niederlassungsprämie

Mit der Prämie in Höhe von einmalig 5.000 Euro soll freiberuflichen Hebammen und Entbindungspflegern der Einstieg in diesen wichtigen Beruf erleichtert werden. Ziel der Staatsregierung ist, mehr Hebammen und Entbindungspfleger als bisher für eine freiberufliche Tätigkeit in Bayern zu gewinnen und so das Angebot an Hebammenleistungen, insbesondere in der Geburtshilfe und der Wochenbettbetreuung, auszubauen. Die Prämie wird nicht auf den ländlichen Raum beschränkt, da der Bedarf an Hebammenhilfe gerade in den Ballungsräumen stark angestiegen ist.

Die Auszahlung der Prämie ist zum Ende des Ausbildungsjahres ab September 2019 vorgesehen, um Hebammen und Entbindungspfleger insbesondere auch nach erfolgreicher Ausbildung beim Start in die Selbstständigkeit zu unterstützen. Anspruchsberechtigt sollen Hebammen und Entbindungspfleger sein, die nach in Kraft treten der Förderrichtlinie am 1. September 2019 ihre Niederlassung in Bayern begründen. Mit der Bearbeitung der Anträge und der Auszahlung der Niederlassungsprämie soll das Landesamt für Pflege beauftragt werden.

Mit dem Gründerpaket für Hebammen und Entbindungspfleger schafft die Staatsregierung einen weiteren Baustein für eine bestmögliche Versorgung von Schwangeren, jungen Müttern und Neugeborenen.

Geburtshilfe-Förderprogramm „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“

Ende des Jahres 2017 stellte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml dem bayerischen Kabinett das „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“ vor. Ziel ist, durch Unterstützung der Landkreise und kreisfreien Städte über zwei Fördersäulen dafür zu sorgen, dass die Geburtshilfe im Freistaat auch künftig auf hohem Niveau flächendeckend zur Verfügung steht.

Fördersäule 1: Unterstützung, Stärkung und Sicherung der geburtshilflichen Hebammenversorgung

Die erste Fördersäule des Geburtshilfe-Förderprogramms des bayerischen Gesundheitsministeriums dient der Unterstützung der Kommunen bei der Sicherstellung der Hebammenversorgung in der Geburtshilfe und in der Wochenbettbetreuung. So können Landkreise und kreisfreie Städte bereits seit dem Jahr 2018 für jedes neugeborene Kind eine Förderung von knapp 40 Euro erhalten. Dieses Geld können sie dann für geeignete Maßnahmen zur Verbesserung und Stärkung der Hebammenversorgung in Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung einsetzen.

Förderfähige Maßnahmen oder Projekte können insbesondere Werbemaßnahmen zur Personalgewinnung, die Einrichtung von Koordinierungsstellen oder auch die Organisation mobiler Reserven für die Geburtshilfe oder die Wochenbettbetreuung sein.

Jährlich werden dafür insgesamt rund fünf Millionen Euro bereitgestellt.

Fördersäule 2: Ausgleich des Defizits einer Geburtshilfeabteilung für Krankenhäuser

Die zweite Säule des Geburtshilfe-Förderprogramms hat die Sicherung kleinerer Geburtshilfeabteilungen im ländlichen Raum zum Ziel. Mit dieser Säule werden Landkreise und kreisfreie Städte im ländlichen Raum finanziell unterstützt, die Defizite kleinerer Geburtshilfestationen ausgleichen. Bei Bereitstellung entsprechender erheblicher Mittel im Doppelhaushalt 2019/2020 durch den Bayerischen Landtag soll das Geld erstmalig im Jahr 2019 für Defizite ausgezahlt werden, die im Jahr 2018 entstanden sind.

Zuständig für die Abwicklung der ersten Fördersäule für ganz Bayern ist die Regierung von Oberfranken.

Weitere Informationen sowie die Antragsunterlagen finden Sie auf der Internetseite der Regierung von Oberfranken.

Runder Tisch

Am 11. Februar 2019 fand ein Runder Tisch zu den Ergebnissen der Hebammenstudiein Nürnberg statt. An dieseem Termin nahm unter anderem die neue Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbandes, Mechthild Hofner, teil. Eingeladen waren zudem Vertreter der Landesärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände sowie des Landkreis- und des Städtetages. Damit wurde das im Mai 2017 durchgeführte Gespräch zur geburtshilflichen Versorgung fortgeführt. Bei diesem und weiteren Treffen soll über die Ergebnisse der 2018 durchgeführten Hebammenstudie und den sich daraus ergebenden weiteren Handlungsbedarf sowie weitere notwendige Schritte beraten werden, die bisherige Maßnahmen wie das „Zukunftsprogramm Geburtshilfe“ und den „Bayerischen Hebammenbonus“ ergänzen können. Ziel ist, möglichst noch 2019 einen gemeinsamen Aktionsplan zu erarbeiten.

Runder Tisch zur Hebammenversorgung, Nürnberg, 11.02.2019. Das Foto zeigt von links nach rechts: Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml, die neue Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbands, Mechthild Hofner, und Monika Wollenberg vom Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml, die Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbands Mechthild Hofner und Monika Wollenberg vom Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (v.l.).

Gesetzesänderungen auf Bundesebene

Bayern hat auf Bundesebene gesetzliche Änderungen vorangebracht, um eine finanzielle Überforderung von freiberuflichen Hebammen und Entbindungspfleger durch steigende Versicherungsprämien zu vermeiden. Bereits seit dem 1. Juli 2014 werden Erhöhungen der Haftpflichtprämien durch einen zusätzlichen Vergütungszuschlag abgefedert. Seit Juli 2015 wird der Großteil der Haftpflichtversicherungsprämie durch einen Sicherstellungszuschlag ausgeglichen. Die Begrenzung der Regressmöglichkeit gegenüber Hebammen und Entbindungspfleger auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit trägt dazu bei, dass die Versicherungsprämien langfristig stabil bleiben, bremst den weiteren Anstieg der Prämien und entlastet die Hebammen und Entbindungspfleger dadurch finanziell.