Bayerischer Fachtag Demenz
Am 1. Oktober 2026 lädt das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention zum 11. Bayerischen Fachtag Demenz in die Meistersingerhalle Nürnberg ein. Das diesjährige Thema lautet „Demenz in unterschiedlichen Lebensphasen“.

Programm
10:00 Uhr
Begrüßung durch Judith Gerlach, MdL, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention (Videogrußwort)
10:05 Uhr
Demenz beginnt heute – Prävention über die Lebensspanne und den Krankheitsverlauf
Prof. Dr. René Thyrian, Gruppenleiter, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Greifswald
10:50 Uhr
Da und doch so fern – uneindeutige Verluste wahrnehmen und mitfühlend begleiten
Psychosoziale Perspektiven auf Verlusterfahrungen bei Demenz, Auswirkungen auf Betroffene, Angehörige und Begleitende
Kerstin Hummel, Vorständin, Christophorus Hospiz Verein e.V., München
11:30 Uhr
Mittagspause
13:00 Uhr
Parallele Workshops
(Unterthemen jeweils 20 Min. Vortrag und 10 Min. Diskussion)
Workshop 1: Demenzprävention und Demenz in der frühen Erkrankungsphase – Digitalisierung und technische Unterstützungssysteme
- Digitalisierung in der häuslichen Pflege – Ein Blick in die Bayerische Pflegestudie
Prof. Mario Jokisch, Bayerisches Zentrum Pflege Digital, Kempten - Überblick über digitale Anwendungen und Assistenzsysteme
Marlene Klemm, Pflegepraxiszentrum Nürnberg - Digitale Lösungen zur Prävention und Früherkennung
Anne Keefer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei digiDEM Bayern, Uniklinikum Erlangen
Workshop 2: Demenz in der mittleren Erkrankungsphase – Kommunikation und Beziehung
- Humor in der Begleitung von Menschen mit Demenz
Ulla Eichner, Ambulanter Clownservice Friedberg und Umgebung - Gefühle altern nicht – Alt, verwirrt und „trotzdem“ liebesbedürftig
Sabine Seipp, HALMA e.V. Würzburg - „Herausforderndes Verhalten“ oder Bedürfnis-Äußerung? Gedanken zur Stärkung der Handlungskompetenzen in der Begleitung von Menschen mit Demenz.
Sabine Tschainer-Zangl, Geschäftsführerin, aufschwungalt München
Workshop 3: Demenz in der fortgeschrittenen Lebensphase – Begleitung und ethische Fragestellungen
- Advance Care Planning bei Demenz: Vorsorgeplanung mit Betroffenen und Angehörigen
Marcus Hecke, Hospiz-Team Nürnberg e.V. - Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz
Sarah Bartholomäus, Christophorus Hospiz Verein e. V., München - Umgang mit Todeswünschen
Elisabeth Krull, SAPV-Team der Klinik und Poliklinik für Palliativmedizin des LMU Klinikums, München
14:30 Uhr
Kaffeepause
15:00 Uhr
Verleihung des Wissenschaftspreises des Bayerischen Demenzfonds
Begleitet durch den Seniorenchor der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Neunkirchen am Brand, Leitung: Dr. Kerstin Jaunich
15:40 Uhr
Alles oder nichts? Menschen mit Demenz zwischen Schutz und Selbstbestimmung
Was das Recht bei Verträgen und Alltagsgeschäften besser machen kann.
Expertentalk mit PD Dr. Silvia Deuring, Akademische Oberrätin a.Z. an der LMU München und Lehrstuhlvertreterin an der Universität Bonn
16:15 Uhr
Ende der Veranstaltung
Kurzvorstellung der Referentinnen und Referenten
René Thyrian
Seit 2010 Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) mit dem Schwerpunkt Versorgungsforschung und den Forschungslinien Prävention, frühzeitige Diagnos-tik, postdiagnostische Versorgung, Demenzstrategien. Zusätzlich im ehrenamtlichen Vorstand der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Selbsthilfe eV und Alzheimer Europe,
Vortrag: „Demenz beginnt heute – Prävention über die Lebensspanne und den Krankheitsverlauf“
In Zeiten des demografischen Wandels stellt die Krankheit Demenz eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar. Zunehmend rückt, wie bei anderen chronischen Erkrankungen, die Prävention in den Vordergrund. Im Vortrag wird ein Schwerpunkt auf verhaltensbedingte Risikofaktoren, deren Vermeidung als auch die Förderung von Gehirngesundheit gelegt. Zusätzlich wird aber auch auf Verhältnisprävention eingegangen, das heißt Maßnahmen, die nicht im Verantwortungsbereich des Einzelnen liegen. Ziel des Vortrags ist es, eine nüchterne Einordnung über Möglichkeit und Grenzen der Prävention von bzw. Risikominderung für neurodegenerative Erkrankungen zu liefern.
Den Zuhörenden sollte ein Bild vermittelt werden, was sie persönlich oder aber auch in ihrem Umfeld beitragen können um das Risiko an einer Demenz zu erkranken reduziert wird. Darüber hinaus wird darauf eingegangen, dass auch bei Menschen mit einer Demenz Maßnahmen wirkungsvolle Effekte auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und das Risiko einer Verschlechterung erzielen können.
Kerstin Hummel
- Soziale Arbeit B.A.
- Koordinationsfachkraft § 39a SGB V
- Ethikberaterin im Gesundheitswesen
- Seit 2013 Sozialarbeiterin beim Christophorus Hospiz Verein e.V. München, seit Juli 2024 Mitglied des Vorstands, zuvor in verschiedenen Bereichen des CHV tätig (Palliativ-Geriatrischer Dienst, Fachstelle Palliativversorgung in der stationären Altenhilfe in Stadt und Landkreis München, ein Projekt, das aus Mitteln des StMGP und der Josef und Luise Kraft-Stiftung gefördert wird; stationäres Hospiz)
Vortrag: „Da und doch so fern – uneindeutige Verluste wahrnehmen und mitfühlend begleiten“
Das Konzept der uneindeutigen Verluste (Ambiguous Loss) wurde von der Psychotherapeutin und emeritierten Professorin Dr. Pauline Boss entwickelte. Es basiert auf ihrer therapeutischen Arbeit mit Angehörigen von verschollenen Menschen.
Uneindeutige Verluste sind schwer einzuordnen, häufig durch einen schleichenden Beginn und kein eindeutiges Ende gekennzeichnet. Sie können für Angehörige sehr belastend sein und zu einer erschwerten Trauer führen.
Prof. Dr. Mario R. Jokisch
Wissenschaftlicher Leiter des Bayerischen Zentrums Pflege Digital (BZPD) sowie Professor für Digitalisierung und soziale Verantwortung an der Hochschule Kempten. Forschungsschwerpunkte: Digitalisierung in der häuslichen Pflege, Akzeptanz digitaler Technologien sowie Entwicklung digitaler und kommunaler Unterstützungsstrukturen für pflegebedürftige Menschen und ihre An-gehörigen.
Vortrag in Workshop 1: „Digitalisierung in der häuslichen Pflege – Ein Blick in die Bayerische Pflegestudie“
Digitale Unterstützungsangebote werden in der Pflege häufig erst dann genutzt, wenn Unterstützungsbedarfe bereits stark ausgeprägt sind. Der Vortrag richtet den Blick auf die Phase, in der erste Einschränkungen auftreten, Selbstständigkeit jedoch noch weitgehend erhalten ist. Anhand aktueller Ergebnisse der Bayerischen Pflegestudie werden digitale Kompetenzen, Informationsverhalten und Unterstützungsbedarfe in häuslichen Pflegekonstellationen vorgestellt.
Darauf aufbauend wird diskutiert, welche Rolle digitale Technologien bei einer frühzeitigen Unterstützung spielen können und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sie Betroffene und Ange-hörige im Alltag wirksam entlasten. Ziel des Vortrags ist es, Impulse für eine frühzeitige, bedarfsgerechte und alltagsnahe Gestaltung digitaler Unterstützungsangebote zu geben.
Marlene Klemm
- Dipl. Sozialwirtin
- Leitung des Pflegepraxiszentrum Nürnberg, c/o NürnbergStift
- Projektleitung im Cluster Zukunft der Pflege
- AG-Leitung des Fachforums Zukunftslabor des KiPf
- Mitglied des Digitalisierungsausschusses der VdPB
- Berufliche Stationen: Leitung PPZ Nürnberg (Erprobung technischer und digitaler Produkte in der Pflege, digitale Kompetenz, Wissenstransfer)
- ehemals Projektmanagerin bei Bayern Innovativ, unter anderem zuständig für ein EU-Projekt zum Thema neurodegenerative Erkrankungen, Soziales Jahr im Bereich der Behindertenhilfe, Mitarbeiterin bei adidas und o2
Vortrag in Workshop 1: „Demenzprävention und Demenz in der frühen Erkrankungsphase – Digitalisierung und technische Unterstützungssysteme“
Digitale Anwendungen und technische Assistenzsysteme gewinnen in der Demenzprävention sowie in der frühen Erkrankungsphase zunehmend an Bedeutung. Der Vortrag gibt einen Überblick über aktuelle digitale Lösungen – von Gesundheits-Apps und kognitiven Trainingsangeboten bis hin zu intelligenten Assistenzsystemen für den Alltag.
Dabei werden Potenziale zur Förderung von Selbstständigkeit, Teilhabe und Sicherheit ebenso beleuchtet wie Grenzen und Herausforderungen bei der praktischen Anwendung. Anhand konkreter Beispiele wird aufgezeigt, wie digitale Technologien Menschen mit beginnender Demenz und ihre Angehörigen unterstützen können und welche Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz erforderlich sind.
Anne Keefer
- Gesundheitsmanagerin (B.A.) und Gerontologin (M.Sc.)
- Seit 2021 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Interdisziplinäres Zentrum für Health Technolo-gy Assessment (HTA) und Public Health, Uniklinikum Erlangen
- Seit 2021 tätig im Projekt Digitales Demenzregister Bayern (digiDEM Bayern)
- u.a. Mitwirkung bei der Entwicklung von digitalen Angeboten zur Verbesserung der Demenzversorgung (zum Beispiel Online Wissenstest Demenz, regelmäßige Webinare)
- unter anderem Leitung der Organisation von bayernweiten „digiDEM Bayern Demenz-Screeningtagen“
- Promotion zum Thema „Versorgungsforschung bei Demenz im Kontext der Nationalen und Bayerischen Demenzstrategie: Kognitive Gesundheit, Unterstützung und Teilhabe“ (mündliche Verteidigung im Juli 2026)
Vortrag in Workshop 1: „Digitale Lösungen zur Prävention und Früherkennung“
Digitale Technologien stellen sowohl in der Prävention als auch in der Früherkennung von De-menzerkrankungen einen zukunftsweisenden Lösungsansatz dar.
Im Bereich der Prävention könnten in Deutschland bis zum Jahr 2050 bis zu 330.000 Demenzfälle verhindert werden, wenn es gelingt, die veränderbaren Risikofaktoren um 30 % zu reduzieren. Digi-tale Anwendungen wie der digiDEM Bayern Präventionscoach unterstützen diesen Prozess, indem sie Nutzer über ihr persönliches Risikoprofil aufklären und gezielte Handlungsempfehlungen zur Ri-sikominderung bereitstellen.
Auch in der Früherkennung bieten digitale Lösungen entscheidende Vorteile mit dem Ziel, therapeu-tische und unterstützende Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten und deren Wirksamkeit zu maximie-ren. Hierbei kommen innovative Methoden wie KI-gestützte Sprachanalysen, digitale kognitive Tes-tungen oder die Auswertung von Smartphone-Daten zum Einsatz.
Ulla Eichner
- Examinierte Krankenschwester (2000)
- Ausbildung zum Gesundheit!Clown® (2005)
- Ausbildung zur Kundalini Yogalehrerin (2019)
- Studium der Berufspädagogik für Gesundheitsfachberufe (bis dato)
Vortrag in Workshop 2: „Humor in der Begleitung von Menschen mit Demenz“
„Humor zu umschreiben ist eine denkbar humorlose Angelegenheit, mehr noch – Humor ist offen-bar genau das, was abhandenkommt, wenn er definiert werden soll.“
Mit diesem Gedanken des Schweizer Erziehungswissenschaftlers und Humorforschers Johannes Gruntz-Stoll eröffnet der Vortrag „Humor in der Begleitung von Menschen mit Demenz“ die Auseinandersetzung mit einem vielschichtigen Begriff und komplexen Phänomen. Ausgehend von der historischen und heutigen Bedeutung des Humors wird der Zusammenhang zwischen Humor, Lachen und zwischenmenschlicher Kommunikation beleuchtet.
Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Funktionen Humor in der Begleitung von Menschen mit Demenz erfüllen kann und welche Voraussetzungen für einen respektvollen und situationsgerechten Einsatz notwendig sind. Die Teil-nehmenden erhalten Einblicke in die Wirkungsweise von Humor, reflektieren den eigenen Umgang mit Humor und lernen praxisnahe Handlungsempfehlungen kennen, um Humor bewusst als unter-stützende Ressource in der Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz einzusetzen.
Sabine Seipp
- Diplom Pädagogin
- Psychogerontologin
- Systemische Familientherapeutin
- pädagogische Leitung und stellv. Geschäftsführung HALMA e. V.
- Fachstelle pflegende Angehörige
- Fachstelle für Demenz und Pflege Unterfranken
- Psychosoziale Beratung und Beratungsstrukturen
- Öffentlichkeitsarbeit
- Angebote zur Unterstützung im Alltag
- Vorträge
- Organisation und Durchführung von Veranstaltungen
Demenzerkrankungen und Depression im Alter - Erstellung von Konzepten und deren Umsetzung
Aufbau von Strukturen / Netzwerkarbeit
Vortrag in Workshop 2: „Gefühle altern nicht – Alt, verwirrt und „trotzdem“ liebesbedürftig“
Die Bedürfnisse nach Nähe, Zärtlichkeit und Intimität sind zentrale menschliche Bedürfnisse, auch bei einer Demenzerkrankung. Vieles gerät – insbesondere in den betroffenen Familien – aus dem Gleichgewicht.
Das Thema ist häufig mit Unsicherheiten, Berührungsängsten und ethischen Fragestellungen verbunden. Gerade bei Partnern entstehen Schuldgefühle und Scham darüber zu reden. Die De-menzerkrankung verändert das Verhalten, die Kommunikation und die Art, wie Menschen ihre Ge-fühle ausdrücken. Dadurch entstehen für Betroffene, Angehörige und Pflegekräfte besondere Her-ausforderungen.
Sabine Tschainer-Zangl
- Dipl.-Theologin
- Dipl.-Psycho-Gerontologin
Inhaberin und Geschäftsführung des Instituts aufschwungalt München. Vor Gründung von aufschwungalt im Jahr 2000 langjährige Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen der Altenhilfe und Gerontopsychiatrie. Mitglied des fachlichen Beirats der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Kuratorin des KDA (Kuratorium Deutsche Altershilfe).
Vortrag in Workshop 2: „Herausforderndes Verhalten“ oder Bedürfnis-Äußerung? Gedanken zur Stärkung der Handlungskompetenzen in der Begleitung von Menschen mit Demenz.“
Die unverständlichen Verhaltensweisen demenzerkrankter Menschen, ihre Abwehr, ihre spontanen, massiven Gefühlsäußerungen, die manchmal „ewigen“ Wiederholungen, Streitereien zwischen Bewohnern oder verbalen und/oder körperlichen Eskalationen (u.a.m.) stellen eine Herausforderung für alle dar, die die Betroffenen begleiten (beruflich oder privat).
Hinter diesem Verhalten steht – aus Sicht der Demenzkranken – oft eine Logik. Sie sind „ganz normale Menschen“, nur eben in ihrer verrückten Welt. Wie kann es gelingen, diese Handlungslogik leichter erkenn- und verstehbar zu machen? Der Workshop will Ihre Handlungskompetenzen stärken, um im Alltag mit den Betroffenen das Zusammenleben, den Kontakt und eine de-eskalierende Begleitung zu erleichtern.
Marcus Hecke
- Grundqualifikation: Diakon
- 1991 bis 2001: Krankenpflegediakon am Klinikum Nürnberg (Onkologie)
- 2001: Studium: Dipl. Pflegepädagoge (FH) in Mainz
- 2010: Studium: MSc. Pflegewissenschaft in Halle
- 2003 bis 20215: Pflegepädagoge am Klinikum Fürth (Fort- und Weiterbildung)
- Seit 2016: Pflegepädagoge und Koordinator/Netzwerkarbeit im Hospiz-Team Nürnberg e.V.
Vortrag in Workshop 3: „Advance Care Planning bei Demenz: Vorsorgeplanung mit Betroffenen und Angehörigen“
Vorsorge für Krisenzeiten ist gut und sinnvoll. Dies gilt besonders auch für gesundheitliche Krisen. Der Gesetzgeber hat bereits 2009 im sogenannten Patientenverfügungsparagraphen die Möglichkeit dazu geregelt. Menschen können für den Fall einer künftigen Einwilligungsunfähigkeit über medizini-sche Behandlungen vorab entscheiden.
Advance Care Planning (ACP) ist eine neue Form der Patientenverfügung. Der Unterschied zur her-kömmlichen Patientenverfügung besteht darin, dass dem Vorsorgeplanenden eine geschulte Ge-sprächsbegleitung an die Seite gestellt wird, mit der sie über künftige gewünschte oder nicht ge-wünschte Behandlungen sprechen und diese festlegen kann.
Für Menschen, die bereits nicht mehr, oder nicht mehr voll umfänglich einwilligungsfähig sind gibt es im Rahmen von ACP die Möglichkeit einer sogenannten „Vertreterdokumentation“. Unter Einbezug des Betroffenen wird mit dem Vertreter, Verwandten, allen an der Versorgung beteiligten und dem Hausarzt der Wille erfasst und festgehalten.
Der Vortrag veranschaulicht Ihnen das Vorgehen anhand eines Fallbeispiels einer Dame mit demen-zieller Erkrankung. In Zusammenarbeit mit Frau Krull und Frau Bartholomäus, den beiden anderen Workshopleiterinnen, zeigen wir Ihnen die Vielschichtigkeit (Vorsorge, palliative Versorgung, Um-gang mit Todeswünschen) einer Betreuung in dieser Phase auf.
Sarah Bartholomäus
- Pflegewissenschaftlerin B.A.
- Palliative Care Fachkraft
- Altenpflegerin
- Fachstelle Palliativversorgung stationäre Altenhilfe für Stadt und Landkreis München
- Schwerpunkt palliative Begleitung bei Menschen mit Demenz
Vortrag in Workshop 3: „Palliative Begleitung von Menschen mit Demenz“
Demenz verändert nicht nur das Leben der betroffenen Menschen, sondern stellt auch Angehörige und Begleitende vor besondere Herausforderungen. Gerade in der fortgeschrittenen Lebensphase entstehen Fragen: Wie können wir Menschen erreichen, wenn Worte fehlen? Wie können wir Si-cherheit, Nähe und Würde schenken?
Die Auseinandersetzung mit der palliativen Begleitung von Menschen mit Demenz eröffnet neue Perspektiven auf Beziehung, Fürsorge und menschliche Begegnung. Sie lädt Sie dazu ein, das ei-gene Handeln zu hinterfragen und bewusster wahrzunehmen, was Menschen am Lebensende wirk-lich brauchen.
Lassen Sie sich auf neue Impulse ein und öffnen Sie den Blick für die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz. Nehmen Sie das mit, was für Sie und Ihren Alltag bedeutsam ist – Gedanken, Perspektiven und kleine Anregungen, die Ihre Begleitung bereichern können.
Elisabeth Krull
- Palliative Care Pflegefachkraft, ACP-Gesprächsbegleiterin und Trainerin, Ethikberaterin AEM K2
- Langjährige Erfahrung in der stationären und ambulanten Palliativversorgung
Vortrag in Workshop 3: „Umgang mit Todeswünschen“
Fragen, die beleuchtet werden, lauten:
- Was steckt hinter dem Wunsch sterben zu wollen?
- Warum wollen Menschen (SO) nicht mehr leben?
- Kann ich durch meine Haltung und mein Verhalten, Menschen Mut und Raum geben, über ihre Todeswünsche und deren Ursachen ins Gespräch zu kommen?
- Wie kann die Kommunikation mit Menschen gelingen, die Todeswünsche äußern?
- Wie geht es mir, wenn mein Gegenüber Todeswünsche äußert?
Neben fachlichem Input zum Umgang mit Todeswünschen liegen Schwerpunkte auf der persönlichen Reflexion und Selbstsorge der Begleitenden.
PD Dr. Silvia Deuring
- Studium Rechtswissenschaften an der Universität Mannheim (2008-2013)
- Rechtsreferendariat am Landgericht Mannheim (2013-2015)
- 2019: Promotion zur Dr. jur. an der Universität Mannheim und der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne (Thema: „Rechtliche Herausforderungen moderner Verfahren der Intervention in die menschliche Keimbahn. CRIRPS-Cas9, hiPS-Zellen und Mitochondrientransfer im Rechtsvergleich“)
- 2024: Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Thema: „Die absolute Ge-schäftsunfähigkeit auf dem Prüfstand. Eine rechtsvergleichende Untersuchung zu §§ 104 Nr. 2, 105 Abs. 1 BGB“)
- Forschungsschwerpunkte: Medizinrecht (Allgemeines Privatrecht, Bioethik), Familienrecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung
Esxpertentalk: „Alles oder nichts? Menschen mit Demenz zwischen Schutz und Selbstbestimmung“
Das deutsche Zivilrecht folgt bislang dem Grundsatz der absoluten Geschäftsunfähigkeit: Eine Person ist entweder voll geschäftsfähig oder geschäftsunfähig. Dieses starre Konzept wird den tatsächlichen kognitiven Fähigkeiten vieler Betroffener – insbesondere von Menschen mit Demenz – nicht gerecht.
So entstehen erhebliche Schutzlücken, weil Personen, die einfache Geschäfte verstehen, aber bei komplexeren überfordert sind, vom Schutz des § 104 Nr. 2 BGB nicht erfasst werden. Auch andere Schutzkonzepte, wie etwa die rechtliche Betreuung oder allgemeine Schutzinstrumente des BGB, wie die Sittenwidrigkeitsklausel nach § 138 BGB, können diese Lücken nicht hinreichend füllen. Angemessener wäre daher ein relatives Verständnis der Geschäftsunfähigkeit: Geschäftsfähigkeit sollte sich nach dem Verständnis des konkreten Rechtsgeschäfts richten. Eine Person kann somit für bestimmte Geschäfte geschäftsfähig, für andere hingegen geschäftsunfähig sein.
Dieses Modell, das sich an den Lösungen in Österreich und der Schweiz orientiert, trägt dem Prinzip der individuellen Autonomie besser Rechnung. Zugleich ist die strikte Nichtigkeitsfolge des § 105 Abs. 1 BGB zu kritisieren. Sie verstößt gegen das verfassungsrechtliche Übermaßverbot und ignoriert das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen. Vorzugswürdig ist ein Zustimmungsmodell, das Rechtsgeschäfte mit Einwilligung der gesetzlichen Vertreter und Vertreterinnen ermöglicht.




Prof. Dr. Mario R. Jokisch
Marlene Klemm
Sabine Tschainer-Zangl

Elisabeth Krull
PD Dr. Silvia Deuring