Krankenhaus von innen.

Aktuelle Themen aus der Gesundheitsversorgung

Aufgabe der Gesundheitsversorgung ist es, Ihre Gesundheit zu erhalten, zu fördern und im Fall einer Erkrankung sie wiederherzustellen. Wir bieten Ihnen die aktuellsten Informationen aus den verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung.

Informationen zu einem Rückruf von Arzneimitteln durch die Firma Lunapharm Deutschland GmbH in Brandenburg

Die in Brandenburg ansässige Firma Lunapharm Deutschland GmbH soll von einer griechischen Apotheke Arzneimittel (überwiegend Zytostatika) bezogen haben, die im Verdacht stehen, gestohlen worden zu sein. Die gestohlenen Arzneimittel wurden wohl nicht sachgemäß transportiert und gelagert, wodurch negative Auswirkungen auf die Qualität nicht ausgeschlossen werden können.

Nach Information im Rapid-Alert-System der Arzneimittelüberwachungsbehörden (RAS – Informationssystem für die Meldung qualitätsbedingter Arzneimittelrisiken) hat die Firma Lunapharm Deutschland GmbH die betroffenen Arzneimittel zurückgerufen.

Bayern ist nach Mitteilung der für die Arzneimittelüberwachung in ganz Bayern zuständigen Regierungen von Oberbayern und Oberfranken ebenfalls betroffen. Die Schwerpunktregierungen sind nach Kenntnis des Arzneimittelrückrufs unmittelbar tätig geworden. Geprüft wird neben der ordnungsgemäßen Abwicklung des Rückrufs der betroffenen Arzneimittel bei bayerischen Apotheken und Großhandlungen auch die Beachtung der einschlägigen Bestimmungen in Zusammenhang mit dem Bezug der betroffenen Arzneimittel. Zudem werden auf Ersuchen des brandenburgischen Gesundheitsministeriums (MASGF) derzeit die Lieferwege der Arzneimittel in Bayern ermittelt.

Das Bayerische Gesundheitsministerium hat zudem die Bayerische Landesapothekerkammer, die Bayerische Landesärztekammer sowie die Bayerische Krankenhausgesellschaft über die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) übermittelte RAS-Mitteilung des brandenburgischen Landesamts für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit in Kenntnis gesetzt und gebeten, die bayerischen Apotheken und Ärzte entsprechend zu unterrichten.

Im Übrigen ist die weitere Sachverhaltsaufklärung durch das MASGF abzuwarten Dieses hat eine Task Force zur Aufklärung sämtlicher Vorwürfe rund um den Handel mit den betroffenen Arzneimitteln einberufen.

Eine vollständige Liste der betroffenen Arzneimittel und weitere aktuelle Informationen können auf der Internetseite des MASGF eingesehen werden. Dort stellt das MASGF auch Antworten auf häufige Fragen zur Verfügung.

Zur Information für Patientinnen und Patienten hat das MASGF zudem ein Infotelefon eingerichtet. Erreichbar ist das Telefon täglich zwischen 10:00 und 16:00 Uhr unter der Rufnummer: 0331 866-5020.

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Informationen zu einem Rückruf von Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Valsartan

Valsartan gehört zu einer Klasse von Wirkstoffen, die als Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten bekannt sind und helfen, einen hohen Blutdruck zu kontrollieren.

Aufgrund einer produktionsbedingten Verunreinigung des Wirkstoffs Valsartan eines chinesischen Wirkstoffherstellers haben europaweit verschiedene Hersteller valsartanhaltige Arzneimittel zurückgerufen.

Alle betroffenen Arzneimittel sind unter dem folgenden Link einsehbar.

Bei der Verunreinigung handelt es sich um N-Nitrosodimethylamin (NDMA), das durch Routinetests des chinesischen Wirkstoffherstellers nicht erkannt wurde. Dieser Stoff ist von der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO als möglicherweise krebserregend beim Menschen eingestuft. NDMA und andere Nitrosamine sind auch in Zigarettenrauch, Grillfleisch oder Pökelware enthalten.

Von der Europäischen Kommission wurde ein Risikobewertungsverfahren unter der Federführung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) gestartet. Die EMA untersucht derzeit gemeinsam mit den Behörden der Mitgliedstaaten das Ausmaß der Verunreinigung und mögliche Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden öffentlich gemacht, sobald sie verfügbar sind. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden auch Grundlage für etwaig zu treffende weitere Maßnahmen der europäischen und nationalen Behörden sein.

Für die Risikobewertung sind die Arzneimittelzulassungsbehörden der Mitgliedstaaten zuständig. Für Deutschland ist dies im vorliegenden Fall das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Die betroffenen Chargen wurden vorsorglich europaweit zurückgerufen. Das BfArM hat auf seiner Homepage ausführliche Informationen zum chargenbezogenen Rückruf valsartanhaltiger Arzneimittel in Deutschland eingestellt.

Da nicht alle Hersteller des Wirkstoffs Valsartan dasselbe Herstellungsverfahren nutzen, sind nicht alle Wirkstoffchargen von der Verunreinigung betroffen. Die EMA und das BfArM empfehlen, dass betroffene Patienten auf ein Arzneimittel umgestellt werden sollen, das (aufgrund des Herstellungsverfahrens des Wirkstoffs) frei von NDMA ist. Patienten und Patientinnen, die valsartanhaltige Arzneimittel einnehmen, sollten sich daher mit ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt oder ihrer Apothekerin bzw. ihrem Apotheker in Verbindung setzen. Diese können dann abklären, ob das von ihnen derzeit eingenommene Arzneimittel von dem Rückruf betroffen ist.

Zudem empfehlen die EMA und das BfArM, dass Patientinnen und Patienten, die valsartanhaltige Arzneimittel einnehmen, die Arzneimittel nicht ohne Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt absetzen sollen, da das gesundheitliche Risiko des Absetzens um ein Vielfaches höher liegt, als das mögliche Risiko durch die Verunreinigung.

Gesetzlich Versicherte können sich zur Frage der Erstattungsfähigkeit von Arzneimitteln und Zuzahlungen – auch für mögliche Verordnungen im Zusammenhang mit dem chargenbezogenen Rückruf valsartanhaltiger Arzneimittel – stets an ihre jeweilige Krankenkasse wenden. Diese ist zu Auskunft und Beratung der Versicherten gesetzlich verpflichtet.

Das für den Rückruf in Deutschland zuständige BfArM führt in diesem Kontext u. a. aus, dass dann anstelle eines nicht verfügbaren Rabattvertragsarzneimittels ein anderes identisches Präparat durch die Apotheken abgegeben werden könne. Einzelheiten hat das BfArM in seinem Internetauftritt hinterlegt (siehe oben).

Bei zu Lasten der Krankenkasse bezogenen Arzneimitteln kann aber kein „Umtausch“ eines betroffenen Präparates in der Apotheke erfolgen. Versicherte brauchen jedenfalls eine neue vertragsärztliche Verschreibung für die Abgabe eines Arzneimittels. Entsprechend muss ggf. erneut eine gesetzliche Zuzahlung geleistet werden. Vor diesem Hintergrund wird den Versicherten empfohlen, bei ihrer jeweiligen Krankenkasse vorab zu klären, ob diese die durch den Rückruf entstandenen Mehrkosten gegen Quittung übernimmt.

Für die medizinische Beratung der Versicherten bei Einnahme valsartanhaltiger Arzneimittel ist der verordnende Vertragsarzt der richtige Ansprechpartner. Soweit erforderlich, kann der verordnende Arzt Versicherten eine Verschreibung über ein nicht betroffenes Arzneimittel ausstellen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns hat die bayerischen Vertragsärzte bereits u.a. darüber informiert, dass solche „Nachverordnungen“ – soweit es sich um Generika oder Rabatt-Arzneimittel handelt – nicht als unwirtschaftlich zu bewerten sind (nach: KVB Verordnung Aktuell 12.07.2018).

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Ministerrat „Gesundheit und Pflege“ beschließt Meilensteine für bestmögliche medizinische Versorgung

Der Ministerrat hat bei seiner Schwerpunktsitzung „Gesundheit und Pflege“ am 24. Juli 2018 Meilensteine für eine bestmögliche medizinische Versorgung beschlossen. Das heißt: gezielte Strukturförderung zur Zukunftssicherung für kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum, Rekord-Investitionen in den Krankenhausbau, Schaffung neuer Einrichtungen für die Hochleistungsmedizin und gezielte Maßnahmen wie der Hebammen-Bonus. Alleine für den Krankenhausbau werden in der kommenden Legislaturperiode drei Milliarden Euro aufgebracht. Dazu wurde bereits ab 2018 das jährliche Fördervolumen um 140 Mio. auf 643 Mio. Euro erhöht. Die Finanzierung von 26 neuen Baumaßnahmen in ganz Bayern mit einem Schwerpunkt im ländlichen Raum wurde auf den Weg gebracht. Damit wird die medizinische Versorgung in allen Regierungsbezirken verbessert.

Gesundheitsministerin Melanie Huml unterstrich: „Bayern leistet bei der Krankenhausfinanzierung deutlich mehr als andere Länder. Unser besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Versorgung der Patientinnen und Patienten im ländlichen Raum. Mit unserem neuen Strukturförderprogramm unterstützen wir gezielt kleinere Kliniken auf dem Land und helfen ihnen dabei, zukunftsfeste Strukturen zu entwickeln.“ Im ländlichen Raum soll außerdem mit Anreizen für Landärzte und Hebammen die ambulante medizinische Versorgung verbessert werden. Mit einer Landarztquote und einer neuen Landarztprämie will man 1.000 Ärzte aufs Land bringen. Im Herbst startet das Geburtshilfeförderprogramm. Ab 1. September können Hebammen in der Geburtshilfe den Hebammen-Bonus beantragen. Und ebenfalls im Herbst wird ein Runder Tisch stattfinden, um zu überlegen, wie die Versorgung von Schwangeren und Müttern weiter verbessert werden kann. Grundlage dafür werden die Ergebnisse der kürzlich abgeschlossenen Studie zur Hebammenversorgung in Bayern (PDF-Datei , 1,4 MB) und eine Kurzfassung des Berichts (PDF-Datei, 264 KB) sein. Die barrierefreie Fassung des Berichts wird in zwei Wochen an dieser Stelle zur Verfügung stehen.

Ministerrat zu den Themen Gesundheit und Pflege am 24. Juli 2018

Morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA)

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml stellt das Gutachtens Morbi-RSA am 23. Juni 2016 in Berlin vor.

Seit 1996 können Bürger ihre Krankenkasse frei wählen. Bis dahin hingen die Einnahmen einer Krankenkasse vor allem vom Einkommen und die Ausgaben vom Gesundheitszustand ihrer Mitglieder ab. Um in einem immer freieren Wettbewerb mit günstigen Beiträgen erfolgreich zu sein, hätten die Krankenkassen also lediglich darauf abzielen müssen, möglichst junge und gesunde Mitglieder mit hohen finanziellen Einnahmen zu gewinnen. Tragendes Grundprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung ist aber die Solidarität. Das heißt, dass jeder Versicherte unabhängig von seinem Einkommen und seinen Krankheitsrisiken, die gleichen medizinisch notwendigen Leistungen erhalten soll. Die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind dazu eine Solidargemeinschaft, bei der durch einkommensabhängige Beiträge in einem gewissen Rahmen der finanziell Leistungsfähigere den weniger Leistungsfähigen unterstützt.

Ziel des schon seit 1994 existierenden Risikostrukturausgleichs (RSA) war es, den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen und Solidarität zwischen den Versicherten gleichzeitig zu ermöglichen. Vor allem sollte eine Risikoselektion zu Lasten Kranker ausgeschlossen werden.  Anreize für einen Wettbewerb der Krankenkassen um „gesunde Versicherte“ sollten minimiert werden.

Als Ausgleichsfaktoren dienten bis 2009 die Kriterien Alter, Geschlecht und Bezug einer Rente wegen Erwerbsminderung. Ab 2002 bis 2008 wurden auch chronisch Erkrankte berücksichtigt, wenn sie an einem strukturierten Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm) teilnahmen.

Durch Einführung des Gesundheitsfonds mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz wurde die Finanzierung des Gesundheitswesens neu gestaltet und gleichzeitig der RSA in Bezug auf die Krankheitsrisiken (Morbidität) erweitert. Neben den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bezug einer Erwerbsminderungsrente werden nun auch Versicherte mit kostenintensiven chronischen oder schwerwiegenden Krankheiten berücksichtigt. Hierfür wurden 80 Krankheiten ausgewählt. Je nach Zusammenstellung der einzelnen Merkmale erhalten die Krankenkassen für ihre Versicherten eine Grundpauschale, die durch Zu- oder Abschläge angepasst wird. Der RSA wird deswegen nun als „Morbi-RSA“ bezeichnet.

Damit wird erreicht, dass eine Häufung kranker, vor allem chronisch kranker Versicherter, bei einer einzelnen Krankenkasse für diese nicht zwangsläufig mit gravierenden Wettbewerbsnachteilen verbunden ist.

Der Morbi-RSA: Aktuelles Gutachten bestätigt Konsequenzen des derzeitigen Zuweisungssystems für die bayerischen Versicherten

Das Zuweisungssystem sollte für einen angemessenen Ausgleich und faire Wettbewerbsbedingungen sorgen. In seiner derzeitigen Ausge­staltung wird es dieser Aufgabe jedoch nicht hinreichend gerecht, weil es regionale Kostenunterschiede nicht berücksichtigt. In den Jahren 2009 bis 2014, so ein von Prof. Dr. Volker Ulrich, Prof. Dr. Eberhard Wille und Prof. Dr. Gregor Thüsing im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege erstelltes Gutachten vom Juni 2016, hat sich die Unterdeckung der Leistungsausgaben der Krankenkassen in Bayern auf insgesamt mindestens eine Milliarde Euro aufsummiert. Staatsministerin Melanie Huml kritisiert den Umstand, dass sich für den bayerischen Beitragszahler durch das derzeitige Zuweisungssystem auf mehreren Ebenen Nachteile ergeben. Zum einen, so die Ministerin, zahle dieser überdurchschnittlich viel in den Gesundheitsfonds ein, zum anderen erhalte er daraus zu wenig zurück.

Das neue Gutachten zeigt darüber hinaus, dass Bayern nicht nur auf der Ausgabenseite Geld verliert, sondern auch auf der Einnahmenseite Versichertengelder aus Bayern in andere Bundesländer abgeflossen sind. Staatsministerin Huml weist darauf hin, dass im Morbi- RSA regionale Unterschiede mehr Beachtung finden müssen. Bayern als Hochlohn- und Hochpreisregion wird andernfalls überdurchschnittlich belastet.

Professor Ulrich bezweifelt, dass sich der im Gutachten erläuterte Trend verändern wird. Er geht davon aus, dass Unterdeckungen in der gesetzlichen Krankenversicherung für Bayern weiterhin eine enorme Belastung darstellen werden. Professor Wille führt aus, dass mögliche Reformen Regionalkomponenten stärker berücksichtigen müssen. Professor Thüsing weist nach, dass die Einführung einer derartigen Regionalkomponente mit der Verfassung im Einklang steht.

Das 2016 veröffentlichte Gutachten bestätigt ein früheres Gutachten im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege aus dem Jahr 2014. Durch die zum 1. Januar 2015 eingeführte neue Finanzsystematik des GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetz (GKV-FQWG) mit kassenindividuellen Zusatzbeitragssätzen wurde die regionale Unausgewogenheit der Zuweisungen des Morbi-RSA unterstrichen.

Vorstellung des Gutachtens Morbi-RSA am 23. Juni 2016 in Berlin. Die Gutachter Prof. Dr. Gregor Thüsing, Universität Bonn, Prof. Dr. Volker Ulrich, Universität Bayreuth und Prof. Dr. Eberhard Wille (v.l.) mit Staatsministerin Melanie Huml.

Die Gutachter Prof. Dr. Gregor Thüsing, Universität Bonn, Prof. Dr. Volker Ulrich, Universität Bayreuth und Prof. Dr. Eberhard Wille (v.l.) mit Staatsministerin Melanie Huml.

Publikationen zum Thema

  • Die Notwendigkeit einer regionalen Komponente im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich unter wettbewerbspolitischen und regionalen Aspekten – Gutachten für das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

  • Die Notwendigkeit einer regionalen Komponente im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich unter wettbewerbspolitischen und regionalen Aspekten – Kernaussagen aus dem Gutachten für das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege

Präsentation zur Vorstellung 2016 und Gutachten Morbi-RSA (2014) herunterladen

Die Präsentation zur Vorstellung des Gutachtens von 2016, das am 23. Juni 2016 in Berlin vorgestellt wurde, sowie den Endbericht „Zur Berücksichtigung einer regionalen Komponente im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA)“ aus dem Jahr 2014 finden Sie in unserem Download-Bereich. Der Zugriff ist pass­wort­ge­schützt. Für die Zugangs­daten schicken Sie bitte eine E-Mail an download@stmgp.bayern.de.

Präimplantationsdiagnostik (PID)

Was bedeutet PID?

Als Präimplantationsdiagnostik bezeichnet man die genetische Untersuchung von Zellen eines durch künstliche Befruchtung erzeugten Embryos, bevor dieser in die Gebärmutter übertragen wird.

Wann darf eine PID durchgeführt werden?

Gemäß § 3a Embryonenschutzgesetz darf die PID nur durchgeführt werden, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  1. In medizinischer Hinsicht ist erforderlich, dass auf Grund der genetischen Disposition der Frau, von der die Eizelle stammt, oder des Mannes, von dem die Samenzelle stammt, oder von beiden für deren Nachkommen das hohe Risiko einer schwerwiegenden Erbkrankheit besteht. Die PID darf auch zur Feststellung einer schwerwiegenden Schädigung des Embryos vorgenommen werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Tot- oder Fehlgeburt führen wird.
  2. Die Patientin muss zu den medizinischen, psychischen und sozialen Folgen der gewünschten genetischen Untersuchung beraten und aufgeklärt worden sein. Dabei muss die Aufklärung vor der Einholung der Einwilligung der Patientin stattfinden.
  3. Eine Ethikkommission muss die Einhaltung der unter 1. genannten Voraussetzungen geprüft und eine zustimmende Bewertung abgegeben haben.
  4. Die PID muss durch eine hierfür qualifizierte Ärztin oder einen hierfür qualifizierten Arzt in für die PID staatlich zugelassenen Zentren durchgeführt werden.
Die Bayerische Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik ermöglicht es, betroffenen Eltern zu helfen. Zugleich stellt sie sicher, dass die Möglichkeiten, welche sich aus der PID ergeben, verantwortungsvoll genutzt werden. Dem Schutz des Lebens muss die höchste Priorität eingeräumt werden.
Melanie Huml, Staatsministerin

Um die PID in Bayern durchführen zu können, ist für Sie folgendes zu tun:

  • 1 Schritt

    Um die PID in Bayern durchführen zu können, ist für Sie folgendes zu tun:

    Kontaktieren Sie ein PID-Zentrum und lassen Sie sich von den Fachleuten vor Ort über alle Aspekte der beabsichtigten Untersuchung beraten.

  • 2 Schritt

    Kontaktieren Sie ein PID-Zentrum und lassen Sie sich von den Fachleuten vor Ort über alle Aspekte der beabsichtigten Untersuchung beraten.

    Kommt als Ergebnis der Beratung eine PID für Sie in Betracht,

    … ist von Ihnen ein schriftlicher Antrag auf Durchführung einer PID an die Bayerische Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik zu richten.

  • 4 Schritt

    Kontaktieren Sie ein PID-Zentrum und lassen Sie sich von den Fachleuten vor Ort über alle Aspekte der beabsichtigten Untersuchung beraten.

    Die Kommission übermittelt Ihnen innerhalb von drei Monaten nach Vorliegen der erforderlichen Angaben und vollständigen Unterlagen die Entscheidung über Ihren Antrag.

  • 5 Schritt

    Die Kommission übermittelt Ihnen innerhalb von drei Monaten nach Vorliegen der erforderlichen Angaben und vollständigen Unterlagen die Entscheidung über Ihren Antrag.

    Hat die Kommission dem Antrag zugestimmt, kann die PID in dem bayerischen PID-Zentrum Ihres Vertrauens durchgeführt werden.

Bezeichnung Kategorie Adresse Beschreibung
MVZ Martinsried MVZ Martinsried Humangenetische Einrichtung Lochhamer Straße 29, 82152 Martinsried Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsdiagnostik, Dr. Hanns-Georg Klein, Dr. Imma Rost und Kollegen
Synlab Humane Genetik Synlab Humane Genetik Humangenetische Einrichtung Lindwurmstraße 23, 80337 München Synlab medizinisches Versorgungszentrum Humane Genetik, Dr. Dr. Claudia Nevinny-Stickel-Hinzpeter
MGZ München MGZ München Humangenetische Einrichtung Bayerstraße 3-5, 80335 München Medizinisch Genetisches Zentrum München, Prof. Dr. Elke Holinski-Feder, PD Dr. Angela Abicht
Zentrum für Humangenetik Zentrum für Humangenetik Humangenetische Einrichtung Franz-Josef-Strauß-Allee 11, 93053 Regensburg Zentrum für Humangenetik Regensburg im Universitätsklinikum, Prof. Dr. Ute Hehr (Universitätsklinikum, Bauteil D3)
Kinderwunsch Centrum MVZ München Kinderwunsch Centrum MVZ München Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Lortzingstraße 26, 81241 München Dr. Klaus Fiedler, Dr. Gottfried Krüsmann und Prof. Dr. Dr. Wolfgang Würfel
profertilia - Zentrum für Fruchtbarkeitsmedizin Regensburg profertilia - Zentrum für Fruchtbarkeitsmedizin Regensburg Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Hildegard-von-Bingen-Straße 1, 93047 Regensburg Dr. Monika Bals-Pratsch, Dr. Angelika Eder,
MVZ KITZ Regensburg GmbH MVZ KITZ Regensburg GmbH Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Hemauerstraße 1, 93047 Regensburg Kinderwunschtherapie im Zentrum , Prof. Dr. Bernd Seifert, Dr. Claudia Gaßner
Gemeinschaftspraxis der Frauenärzte Gemeinschaftspraxis der Frauenärzte Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Nürnberger Straße 35, 91052 Erlangen Zentrum für Reproduktionsmedizin, Dr. Miklos Hamori, Dr. Rolf Behrens, Dr. Andreas Hammel
Reproduktionsmedizin München Reproduktionsmedizin München Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Tal 11, 80331 München Medizinisches Versorgungszentrum, Dr. Walter Bollmann, Dr. Thomas Brückner, Dr. Ulrich Noss, Dr. Daniel Noss
Kinderwunsch Centrum MVZ München Kinderwunsch Centrum MVZ München Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Lortzingstraße 26, 81241 München Dr. Klaus Fiedler, Dr. Gottfried Krüs-mann und Prof. Dr. Dr. Wolfgang Würfel
Kinderwunschzentrum Ludwigsburg Kinderwunschzentrum Ludwigsburg Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Pflugfelder Straße 22, 71636 Ludwigsburg Dr. Andreas Ott
Kiz)-Kinderwunsch im Zentrum Kiz)-Kinderwunsch im Zentrum Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Bayerstraße 3, 80335 München PD Dr. Roxana Popovici, Dr. Anja Kuhlmann
Kinderwunschzentrum Altonaer Straße im Gynaekologicum Hamburg Kinderwunschzentrum Altonaer Straße im Gynaekologicum Hamburg Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Altonaer Straße 59, 20357 Hamburg Dr. Annick Horn, Dr. Wolf Michel, Prof. Dr. Kupka, Dr. Tim Cordes
Kinderwunsch-Zentrum Ulm Kinderwunsch-Zentrum Ulm Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Einsteinstraße 59, 89077 Ulm Dr. Friedrich Gagsteiger
MVZ PAN Institut für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Köln MVZ PAN Institut für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin Köln Reproduktionsmedizinische Kooperationspartner Zeppelinstraße 1, 50667 Köln Dr. Stefan Palm

Bayerische Ethikkommission für PID

Die Bayerische Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik hat die Aufgabe, die Zulässigkeit der Durchführung einer PID zu bewerten. Hierbei werden medizinische, psychische, soziale und ethische Aspekte berücksichtigt.

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Zulassung eines Zentrums für Präimplantationsdiagnostik

Voraussetzung für die Zulassung als PID-Zentrum ist ein schriftlicher Antrag. Dem Antrag müssen die notwendigen Unterlagen und Nachweise beigefügt sein.

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Förderprogramm zum Erhalt und zur Verbesserung der medizinischen Versorgung

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml will mehr Ärzte für den ländlichen Raum gewinnen. Bereits 2012 wurde das Programm zum Erhalt und zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung aufgelegt. Bisher standen für das Förderprogramm insgesamt rund 38 Millionen Euro zur Verfügung. Mit dieser Initiative setzt das Gesundheitsministerium einen klaren Anreiz zur Niederlassung im ländlichen Raum und unterstützt damit die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, die für die Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung in ganz Bayern zuständig ist.

Im Rahmen des Förderprogramms werden unter anderem Hausärzte und zahlreiche andere Arztgruppen mit einer Anschubfinanzierung von bis zu 60.000 Euro unterstützt sofern sie sich in Gemeinden mit nicht mehr als 20.000 Einwohnern niederlassen (bei Kinder- und Jugendpsychiatern in Gemeinden mit nicht mehr als 40.000 Einwohnern). Voraussetzung ist: Es muss sich um nicht überversorgte Regionen handeln. Bislang konnten in Bayern dadurch bereits über 450 Niederlassungen und Filialen gefördert werden.

Eine weitere Säule des Förderprogramms ist das Stipendienprogramm für Medizinstudierende. Dabei werden Stipendien an angehende Mediziner vergeben, die sich verpflichten, ihre Weiterbildung im ländlichen Raum zu absolvieren und danach weitere fünf Jahre dort ärztlich tätig zu sein. So konnten bislang schon fast 170 Medizinstudenten dazu motiviert werden, nach ihrem Studium im ländlichen Raum zu arbeiten.
Und um die Attraktivität dieses Stipendienprogramms noch weiter zu steigern, wurde die Höhe der monatlichen Unterstützung im Februar 2018 verdoppelt: Statt wie bisher 300 Euro gibt es nunmehr 600 Euro im Monat, wenn jemand bereit ist, nach seinem Studium im ländlichen Raum ärztlich tätig zu sein.

Außerdem werden innovative medizinische Versorgungskonzepte gefördert. Damit erhalten unterschiedliche Modellprojekte eine finanzielle Unterstützung, die helfen, dem Strukturwandel im Gesundheitssystem entgegenzuwirken. Gefördert werden zum Beispiel Vorhaben, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Mittlerweile haben schon 15 Vorhaben eine solche Förderung erhalten.

Arzt unterschreibt Papiere.

Niederlassung von Ärztinnen und Ärzten im ländlichen Raum

Die Niederlassung von Ärzten im ländlichen Raum wird daher gefördert und Medizinstudierende mit einem Stipendium unterstützt.

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Stipendienprogramm für Medizinstudierende

Ziel des Stipendienprogramms ist, Medizinstudentinnen und -studenten frühzeitig für eine spätere Tätigkeit im ländlichen Raum zu motivieren, um auch in Zukunft eine flächendeckende und möglichst wohnortnahe medizinische Versorgung auf hohem Niveau gewährleisten zu können.

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Förderung innovativer medizinischer Versorgungskonzepte

Die Förderung innovativer medizinischer Versorgungskonzepte ist eine von drei Säulen des StMGP-Förderprogramms zum Erhalt der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum.

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  • Staatsministerin Melanie Huml fordert ein verstärktes Vorgehen gegen Liefer- und Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln in der Europäischen Union.

    Staatsministerin Melanie Huml fordert ein verstärktes Vorgehen gegen Liefer- und Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln in der Europäischen Union.

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  • Diskussionsrunde über die Forschung, Entwicklung und Produktion von Arzneimitteln in Europa zu erhalten und auszubauen.

    Diskutiert wurde beim parlamentarischen Abend in Brüssel insbesondere die Frage, wie Forschung, Entwicklung und Produktion von Arzneimitteln in Europa erhalten und ausgebaut werden können.

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  • v.l.n.r.: Dr. Siegfried Throm (Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V.), Dr. Jeanne Rubner (Bayerischer Rundfunk), Bork Bretthauer (Pro Generika e. V.), Dr. Morris Hosseini (Roland Berger), Staatsministerin Melanie Huml, Dr. Peter Liese (MdEP), Susanna Palkonen (Europäische Patientenvereinigung), Xavier Prats Monné (Generaldirektor Gesundheit, Europäische Kommission).

    Teilnehmer, v.l.n.r.: Dr. Siegfried Throm (Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V.), Dr. Jeanne Rubner (Bayerischer Rundfunk), Bork Bretthauer (Pro Generika e. V.), Dr. Morris Hosseini (Roland Berger), Staatsministerin Melanie Huml, Dr. Peter Liese (MdEP), Susanna Palkonen (Europäische Patientenvereinigung), Xavier Prats Monné (Generaldirektor Gesundheit, Europäische Kommission).

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