Pflegerin geht mit Patientin über Flur, Kopf auf Schulter.

Hospizversorgung

Die Hospizversorgung möchte schwerstkranke Menschen bis zuletzt begleiten und ihnen einen Abschied in Würde ermöglichen. Die Bayerische Staatsregierung setzt sich seit langem für die Hospizidee, die vielen ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfer und eine humane Kultur der Sterbebegleitung ein.

Die meisten Menschen wünschen sich zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung sterben zu dürfen und dabei nicht allein zu sein. Hier setzt der Hospizgedanke ein. Ziel der Hospizbewegung ist es, Schwerstkranken und Sterbenden diesen Wunsch zu erfüllen und sie sowie ihre Angehörigen in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Die vielen ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und Hospizhelfer, zahlreiche Hospizvereine und stationäre Hospize ermöglichen schwerstkranken und sterbenden Mitmenschen einen würdevollen Abschied und begleiten Angehörige in ihrer Trauer.

Die Hospizbewegung ist von einigen sehr engagierten Bürgerinnen und Bürgern angestoßen worden. Mittlerweile ist eine umfassende Hospiz- und Palliativversorgung entstanden, die schon vielen Menschen mit schwersten Erkrankungen ein Leben bis zuletzt in Würde ermöglichen konnte und dabei auch den Angehörigen beistand.
Melanie Huml, Staatsministerin

Ambulante Hospizversorgung

Die Hospizarbeit wird maßgeblich von der ambulanten Hospizversorgung und den dort engagierten ehrenamtlichen Hospizhelferinnen und -helfern getragen. In Bayern begleiten etwa 6.900 ehrenamtliche Hospizhelferinnen und -helfer in über 140 ambulanten Hospizdiensten mit Mut, Wissen und Einfühlungsvermögen schwerstkranke und sterbende Menschen auf ihrem Weg. Sollte eine Betreuung zu Hause nicht mehr möglich sein, unterstützen sie die Betroffenen und ihre Angehörigen auch in stationären Einrichtungen (zum Beispiel in stationären Hospizen). Die ambulanten Hospizdienste sind in ihrer Region vernetzt und arbeiten mit Pflegediensten, Ärzten und Seelsorgern zusammen. Viele verfügen sogar selbst über hauptamtliche Fachkräfte.

Ehrenamtliche Hospizhelferinnen und Helfer

Ehrenamtliche Hospizhelferinnen und Hospizhelfer sind Ansprechpartner für fast alle Belange, insbesondere für den hohen Informationsbedarf der Betroffenen und ihrer Angehörigen; sie ersetzen jedoch keinen Pflegedienst!

Ehrenamtliche Hospizhelferinnen und -helfer leisten – unabhängig von Ort und Zeit – die Besuchsdienste bei Schwerstkranken, kommen zum Zuhören und Trösten, bieten organisatorische Unterstützung, erledigen zum Beispiel kleine Besorgungen und unterstützen durch ihre Anwesenheit auch die betroffenen Familien in ihren Ängsten und Sorgen sowie in ihrer Trauer.

Die Begleitung und Betreuung Schwerstkranker und Sterbender ist eine der schwersten ehrenamtlichen Aufgaben. Den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die in ihrer Freizeit diesen Dienst am Nächsten übernehmen, gilt unser Respekt, unsere Hochachtung und Anerkennung.

Wie werde ich Helfer?

Die Ausbildung zu diesem verantwortungsvollen Ehrenamt besteht aus mehreren Kurseinheiten und einem Praktikum im Besuchsdienst. Von Anfang an und auch während der gesamten Zeit werden Hospizhelferinnen oder -helfer durch Beobachtung, Gruppengespräche und Fortbildungen gestützt und gestärkt. Die Tätigkeit als Hospizhelferin oder -helfer stellt in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar. Neben regelmäßiger freier Zeit, Engagement und Sensibilität bringen Hospizhelferinnen und -helfer ein großes Maß an Belastbarkeit mit.

Sie haben Interesse, sich ehrenamtlich für die Hospizarbeit zu engagieren? Ein Hospizverein in Ihrer Nähe und die Bayerische Stiftung Hospiz geben Ihnen gerne Auskunft.

Finanzierung der Leistungen in der ambulanten Hospizversorgung

Für die Betroffenen wird die Betreuung durch ehrenamtliche Hospizhelferinnen und-helfer erbracht, ohne dass sie einen Eigenanteil aufbringen müssen. Grundsätzlich werden die Leistungen durch Spenden finanziert, die die jeweiligen Träger des Hospizdienstes (meistens der Hospizverein) einbringen müssen. Unter bundesweit einheitlich geregelten Vorgaben, haben ambulante Hospizdienste die Möglichkeit, einen Zuschuss bei der Krankenkasse nach §39a Abs. 2 SGB V zu beantragen. Aufgabe des bezuschussten ambulanten Hospizdienstes ist es, dass er palliativ-pflegerische Beratung durch entsprechend ausgebildete Fachkräfte erbringt und die Gewinnung, Schulung, Koordination und Unterstützung der ehrenamtlich tätigen Personen, die für die Sterbebegleitung zur Verfügung stehen, sicherstellt. Auskünfte erteilt insbesondre die AOK Bayern, aber auch das Bayerische Hospiz- und Palliativbündnis und die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege.

Wiese mit sich gabelndem Weg und Bäumen am Wegrand.

Stationäre Hospize

Was sind stationäre Hospize?

Stationäre Hospize sind kleine Einrichtungen mit familiärem Charakter. Hier werden schwerstkranke und sterbende Menschen mit einer unheilbaren und weit fortgeschrittenen Erkrankung in der letzten Lebensphase palliativpflegerisch und hospizlich betreut. Die palliativmedizinische Behandlung der Hospizgäste wird sichergestellt. Die räumliche Gestaltung der Einrichtung ist auf die besonderen Bedürfnisse schwerstkranker und sterbender Menschen ausgerichtet. Stationäre Hospize sind aufgrund ihres Versorgungsauftrags baulich, organisatorisch und wirtschaftlich selbstständige Einrichtungen mit separatem Personal und Konzept. Die Umsetzung des Auf- und Ausbaus der stationären Hospizversorgung obliegt den Krankenkassen, die unter Beachtung der rechtlichen Vorgaben, entsprechende Versorgungsverträge abschließt. Aus diesem Grund sind die Krankenkassen (insbesondere die AOK Bayern) wichtigster Ansprechpartner für detailliertere Informationen über die Errichtung weiterer stationärer Hospize.

Wer erhält stationäre Hospizversorgung?

In Fällen, in denen eine Versorgung im Krankenhaus nicht notwendig und die Betreuung zu Hause aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist, kann die Voraussetzung für die sogenannte Hospizbedürftigkeit gegeben sein. Dies muss durch die behandelnde Ärztin beziehungsweise den behandelnden Arzt bescheinigt werden. Mit dieser Bescheinigung hat jeder Versicherte einen Anspruch auf stationäre Hospizversorgung und kann in ein Hospiz aufgenommen werden, vorausgesetzt es steht ein Platz zur Verfügung. Es ist empfehlenswert, telefonisch mit dem stationären Hospiz Kontakt aufzunehmen und einen Termin für Erstgespräch und Besichtigung zu vereinbaren.

Die Kosten für den Aufenthalt in einem stationären Hospiz werden teilweise von den Kostenträgern (insbesondere Kranken- und Pflegekassen) sowie im Übrigen vom jeweiligen Träger des Hospizes aus Spendengeldern übernommen, so dass der Hospizgast keinen Eigenanteil aufbringen muss.

Qualitätsstandards

Auf stationäre Hospize ist in Bayern das Pflege und Wohnqualitätsgesetz anwendbar. Sie unterliegen demzufolge auch der zuständigen Aufsicht (FQA), die den Landkreisen und kreisfreien Städten obliegt.

Kinderhospiz

In Deutschland  leiden mehr als 20.000 junge Menschen an lebensbegrenzenden Erkrankungen. Etwa 5.000 Kinder und Jugendliche sterben jährlich an diesen Erkrankungen. Nichts erschüttert eine Familie so sehr, wie der unabwendbare Tod ihres Kindes bzw. eines Geschwisterkindes. Hier Unterstützung zu bieten ist eine der dringlichsten Aufgaben der Hospizbewegung. Dabei bedarf es einer ganz eigenen Art der Betreuung, denn neben dem kindgerechten Umgang mit den jungen Patienten nimmt die Unterstützung der Familie und besonders der Geschwisterkinder großen Raum ein.

Ambulante Kinderhospizversorgung

Speziell geschulte Kinderhospizhelferinnen und -helfer stehen schwerstkranken und sterbenden Kindern sowie der gesamten Familie zur ambulanten Betreuung zur Verfügung. Sie kommen in die Familien und tragen so dazu bei, dass die Kinder möglichst viel Zeit zu Hause verbringen können. Es ist daher sinnvoll, die Kinderhospizarbeit schon sehr früh, am besten mit Erhalt der Diagnose, in Anspruch zu nehmen. Da sich der Krankheitsverlauf bei Kindern stark von dem der Erwachsenen unterscheidet und meistens langsamer voranschreitet, ist ein mehrmaliger Wechsel zwischen häuslicher Pflege sowie Hospiz- und Krankenhausaufenthalten keine Seltenheit. Die Unterstützung der Kinder und ihre Angehörigen bei diesen Übergängen ist nur eine der besonderen Herausforderungen für Kinderhospizhelferinnen und -helfer.

Kinderhospiz St. Nikolaus, Bad Grönenbach

Ein eigenes stationäres Hospiz, das sich ganz auf Kinder und deren altersspezifische Bedürfnisse spezialisiert hat, ist das Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach.

Es hat am 01. März 2007 als erstes Kinderhospiz in Süddeutschland seine Arbeit aufgenommen. Hier werden Familien mit Kindern mit begrenzter Lebenserwartung betreut. Ab der Diagnose werden erkrankte Kinder und deren Familien im Kinderhospiz St. Nikolaus zeitweilig aufgenommen und betreut. Die erkrankten Kinder werden von speziell geschulten Pflegekräften versorgt. Sie und ihre Familien erhalten zudem psychosoziale und spirituelle Hilfestellungen. Dadurch hat die Familie wieder Zeit für sich und kann neue Kraft für die Zeit zu Hause tanken. Auch können sich die Familien mit anderen betroffenen Familien austauschen, Geschwisterkinder können spezielle Betreuungs- und Freizeitangebote nutzen. Das Kinderhospiz St. Nikolaus bietet Platz für acht Kinder sowie deren Familien.

Steine im Erinnerungsgarten eines Kinderhospiz.

Spenden

Mit einer Spende an die Bayerische Stiftung Hospiz unterstützen Sie die Hospizbewegung in wertvoller Weise.

Wanderausstellung Gemeinsam Gehen. Wege der Sterbebegleitung und Versorgung für Schwerstkranke und Angehörige.

Gemeinsam Gehen

Wanderausstellung Gemeinsam Gehen. Wege der Sterbebegleitung und Versorgung für Schwerstkranke und Angehörige

Mit der Ausstellung „Gemeinsam Gehen. Wege der Sterbebegleitung und Versorgung für Schwerstkranke und Angehörige.“ wollen wir Mut machen, anderen Menschen in dieser schweren Zeit beizustehen, aber auch, sich mit dem eigenen Tod auseinander zu setzen. Hospizhelferinnen und -helfer sowie Betroffene schildern in der Ausstellung ihre Eindrücke und Erlebnisse und vermitteln ein eindrucksvolles Bild der Hospizbewegung.

Sterben gehört zum Leben

Ein Satz, der so einfach klingt, und doch so schwer zu akzeptieren ist. Tatsächlich ist es uns gelungen, den Tod aus unserem Alltag weitgehend zu verdrängen. Gestorben wird heute meist im Krankenhaus oder in einer stationären Pflegeeinrichtung. Dabei wünschen sich die meisten Menschen, zu Hause sterben zu dürfen.

Hospizbewegung

Die Ausstellung „Gemeinsam Gehen. Wege der Sterbebegleitung und Versorgung für Schwerstkranke und Angehörige.“ informiert über die Hospizbewegung in Bayern sowie über die Bayerische Stiftung Hospiz und greift in acht Themenfeldern unterschiedliche Bereiche der Hospizbewegung auf: Sterbebegleitung zu Hause, Sterbebegleitung in stationären Pflegeeinrichtungen, Sterbebegleitung in stationären Hospizen, Begleitung in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Hospizarbeit und Palliativversorgung im Krankenhaus, Ethik und Spiritualität in der Hospizarbeit, die Rolle der Angehörigen und das Thema Trauerarbeit. An verschiedenen Hörstationen kommen Betroffene, Angehörige und Hospizhelferinnen und -helfer zu Wort, erzählen eindrucksvoll ihre Erlebnisse und schildern ihre Gefühle.

Grußwort

Sehr geehrte Damen und Herren,

gerade in der letzten, oftmals schwersten Lebensphase sind Menschen auf Hilfe und Unterstützung durch ihre Mitmenschen angewiesen. Denn Schwerstkranke und Sterbende benötigen für ein Leben in Würde und ein Sterben in Frieden nicht nur eine gute medizinische Versorgung, sondern vor allem auch menschliche Zuwendung – also Zeit, die ihnen von anderen geschenkt wird.

Leider werden die Themen Sterben und Tod jedoch noch immer aus unserer gesellschaftlichen Mitte verbannt. Aber sie gehören zum Leben – zu unserem Leben. Deshalb ist es mir so wichtig, Aufmerksamkeit auf dieses sensible Thema zu lenken und dafür zu sorgen, dass die Menschen sich mit den Möglichkeiten der Hospiz- und Palliativversorgung auseinandersetzen. Zu wissen, dass wir im Ernstfall nicht allein sind, macht es uns leichter, uns mit dem eigenen Sterben zu beschäftigen.

Ich danke ganz herzlich den vielen Menschen, die ehren- und hauptamtlich in der Hospiz- und Palliativversorgung tätig sind und täglich das Leben unserer schwerstkranken und sterbenden Mitmenschen bereichern, indem sie ihnen in ihrer letzten Lebensphase die Hand reichen und gemeinsam mit ihnen gehen.

Melanie Huml MdL

Staatsministerin